LONDON (IT BOLTWISE) – XRP rutscht spürbar von der 1-US-Dollar-Zone weg: In den vergangenen zehn Tagen fiel der Kurs um 6,67% von 1,074 auf 1,002. Laut Auswertungen steigt damit das Risiko einer weiteren Abwärtswelle bis in Richtung 0,60 US-Dollar. Entscheidende Hinweise liefern dabei Order-Flow-Metriken wie das Taker-Buy/Sell-Verhältnis sowie rückläufige Whale-Inflows zu Börsen. Gleichzeitig bleibt unklar, ob der Markt bereits im Boden steckt, weil die On-Chain-Signale noch kein eindeutiges Tief markieren.

Die 1-US-Dollar-Marke war für XRP lange eine psychologische Stütze, doch der jüngste Kurseinbruch zeigt, wie schnell aus „gerade noch gehalten“ auch „wird brüchig“ werden kann. In den vergangenen zehn Tagen sank der Preis laut den vorliegenden Kursdaten um 6,67% von 1,074 auf 1,002. Damit verschiebt sich das technische Bild: Nicht nur der aktuelle Abstand zur psychologischen Schwelle wird kleiner, auch die Erwartungen der Marktteilnehmer richten sich zunehmend auf tiefere Niveaus. Genau hier setzen die diskutierten Kennzahlen an, weil sie weniger mit Schlagzeilen als mit dem Verhalten im Orderbuch und auf der Kette (On-Chain) arbeiten.
Während viele Trader bei Altcoins zunächst auf klassische Chartmarken schauen, liefern in dieser Debatte vor allem „KEY metrics“ ein konsistentes Risiko-Profil. Eine zentrale Komponente ist Polymarkets Einschätzung, wonach die Wahrscheinlichkeit, dass XRP unter 1 US-Dollar rutscht, bei 65% liegen soll. Zusätzlich wird das Risiko eines bärischen Reaktionsmusters mit zwei Faktoren unterfüttert: steigendes Leverage und gleichzeitig schwächer werdender Kaufdruck. In der Praxis bedeutet das häufig: Wer mit geliehenem Kapital Positionen aufbaut, reagiert bei fallenden Kursen schneller mit Teilrückzügen oder Liquidationen; der Markt kann dadurch kurzfristig „beschleunigt“ nach unten laufen. Für den Moment wirkt die Kombination aus mehr Hebel und weniger Nachfrage wie ein Bremsweg, der die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Unterstützungen nicht nur getestet, sondern auch unterschritten werden.
Besonders greifbar wird die Argumentation über die Order-Flow-Metrik „Taker Buy/Sell“. Der Taker-Anteil misst das aggressive Handelsvolumen über Market Orders: Wer „taker“ ist, nimmt Liquidität aus dem Orderbuch, und genau diese taker-getriebenen Moves bestimmen häufig die kurzfristige Preisrichtung. In den Daten, auf die sich die Analyse bezieht, lag das Taker-Buy/Sell-Verhältnis zum Zeitpunkt der Betrachtung bei 0,8, die 7-Tages-Durchschnittswerte bei 0,9. Werte unter 1 werden dabei als Dominanz der Verkäufer gelesen, also als Indiz, dass Marktkäufe nicht ausreichen, um die Verkaufsseite zu übersteuern. Wichtig ist die zusätzliche Einschränkung: Auch bei starken XRP-Rallyes kann das Verhältnis zeitweise unter 1 liegen; die entscheidende Aussage steckt dann eher im Trendverlauf. In der vorliegenden Darstellung wird daher zusätzlich betont, dass das fallende Taker-Buy/Sell-Volumen zusammen mit steigenden Open-Interest-Zahlen darauf hindeutet, dass der Markt in eine Verteilungsphase übergeht und Verkäufer die Positionsentwicklung stärker dominieren als Käufer.
Für Anleger ist die Frage nach dem Marktboden oft die entscheidende, aber auch die schwerste: Ein „Bottom“ ist selten ein einzelner Datenpunkt, sondern ein Prozess, in dem Nachfrage nach und nach die Abwärtsdynamik stoppt. Genau hier wird in der Diskussion zur Vorsicht gemahnt: Es sei „zu früh“, um von einem sicheren XRP-Boden zu sprechen. Ein Grund ist die On-Chain-Perspektive über Whale-Inflows zu Binance. Demnach ist die 3-Monats-Durchschnittskennzahl für Whale-Inflows auf den niedrigsten Stand seit 2021 gefallen. Konkret werden für den Zeitraum durchschnittlich nur noch 61 Mio. US-Dollar genannt, gegenüber 456 Mio. US-Dollar im Januar 2025 und 355 Mio. US-Dollar im Oktober 2025. Das klingt zunächst widersprüchlich, weil rückläufige Zuflüsse von Großhaltern an Börsen oft als positives Zeichen interpretiert werden: Weniger „frisches“ Angebot könnte den Druck mindern. Gleichzeitig gilt: Ohne klaren Stimmungsumschwung bei Nachfrage und ohne Bestätigung durch weitere Preisdaten ist das noch kein Beweis, dass ein Boden tatsächlich erreicht wurde.
Im selben Zusammenhang wird jedoch ein zweiter On-Chain-Satz genannt, der die Ambivalenz erklärt: Net Flows sollen positiv bleiben, mit +18,8 Mio. US-Dollar. Net Flows bedeuten in diesem Kontext, dass insgesamt mehr Coins in die zentrale Börseninfrastruktur hineinfließen als heraus. Für die Marktmechanik ist das relevant, weil „Exchange-Inflow“ häufig den späteren Verkauf erleichtert – nicht zwingend sofort, aber als Option. In der vorliegenden Interpretation ist das deshalb ein Hinweis, dass zentrale Börsen weiterhin den Hauptanker für das Handelsgeschehen bilden. Daraus folgt eine differenzierte Schlussfolgerung: Die rückläufigen Whale-Inflows werden als grundsätzlich konstruktiv eingeordnet, reichen aber nicht aus, um den Bottom sofort zu „validieren“. Wenn der Kurs unter die 1-US-Dollar-Zone rutscht, könnte der Markt demnach noch weiter nachgeben, bis zur Zone um 0,60 US-Dollar – also in Richtung eines durchschnittlichen Preisniveaus, das zuvor in dem Zeitraum gesehen wurde, bevor sich die nächste Erholung strukturell aufbauen kann.
Dass dieses Szenario keineswegs nur auf Kennzahlen basiert, zeigt auch die Stimmenlage in der Krypto-Community. Der CEO und Gründer der Plattform Alphractal, Joao Wedson, formulierte auf X: „I wouldn’t be surprised to see XRP trade below $0.60.“ Seine Aussage steht für die Erwartung, dass die Marke 0,60 US-Dollar nicht als absoluter „Stop“, sondern als realistisches Ziel einer fortgesetzten Abwärtsbewegung wahrgenommen wird. Auch wenn solche Kommentare keine statistische Garantie liefern, passt die Einschätzung in das Muster, das die Datenlage beschreibt: steigendes Risiko über Leverage, schwächerer Kaufdruck und ein taker-getriebener Verkaufsüberhang. Zusammengefasst zeichnet sich damit ein Bild ab, in dem nicht nur „wohin“ die Kurse gehen könnten, sondern vor allem „warum“ der Markt kurzfristig anfällig bleibt.
Für Unternehmen, die Krypto-Exponierung über Treasury, Zahlungssysteme oder Asset-Strategien managen, ist die eigentliche Lehre weniger die konkrete Preisprognose als die Art, wie Signale zu einem Risiko-Check zusammengefügt werden. Order-Flow-Metriken wie das Taker-Buy/Sell-Verhältnis liefern Hinweise auf die unmittelbare Marktseite, während Open-Interest und die Verteilung auf der Kette zeigen, wie Positionen in Futures und Spot-Handel vorbereitet werden. Genau diese Verbindung macht die Bewertung belastbarer als nur eine einzelne Chartkerbe. Historisch erinnert der Ansatz an frühere Marktphasen, in denen Konsolidierungen zunächst „nur“ Seitwärtsbewegungen waren, bevor dann ein Ausbruch (in diesem Fall potenziell bärisch) die Richtung klar machte. Für die nächsten Schritte heißt das praktisch: Wer die 1-US-Dollar-Zone als Risikohorizont nutzt, sollte gleichzeitig beobachten, ob sich taker-getriebener Verkaufsdruck abbaut und ob Whale- und Net-Flow-Signale tatsächlich in Richtung „weniger Verkaufsoptionen“ drehen. Ein Boden ist dann wahrscheinlicher, wenn sich diese Bausteine gleichzeitig stabilisieren – andernfalls bleibt die Strecke zu 0,60 US-Dollar ein Szenario, das sich aus den genannten Metriken weiterhin gut ableiten lässt.
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