LAS VEGAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Waymo öffnet seine Ojai-Robotaxis für alle Fahrgäste und begründet den Schritt mit einem stärker integrierten KI-Compute. Kernstück ist ein eigener 5-nm-ASIC, der Rohdaten vor dem zentralen „Gehirn“-System in großem Umfang vorverarbeiten soll. Laut Unternehmensangaben liefert der Chip mehr als 1.000 TOPS und zielt auf schnelle, sichere Reaktionen in dichten Stadtumgebungen. Parallel dazu wird die Branche enger beobachtet: Behörden und Partner prüfen Sicherheits- und Datenschutzfragen rund um autonome Mobilität.

Waymo setzt auf 5-nm-ASIC: Warum der eigene KI-Compute über Robotaxis entscheidet
Waymo setzt auf 5-nm-ASIC: Warum der eigene KI-Compute über Robotaxis entscheidet (Foto: IT BOLTWISE)
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Während Robotaxis in immer mehr Städten auftauchen, entscheidet sich die eigentliche Leistungsfähigkeit oft an einer unscheinbaren Stelle: am Rechenweg zwischen Sensorik und „Gehirn“ des Fahrzeugs. Waymo beschreibt genau diesen Engpass aktuell sehr konkret – im Zusammenhang mit dem nächsten Schritt bei der Ojai-Generation. Das Unternehmen hat seine Ojai-Robotaxis in Los Angeles, Phoenix und San Francisco nun für alle Fahrgäste geöffnet und verweist dabei wiederholt darauf, dass das Fahrzeug im Bau, Betrieb und in der Wartung günstiger ausfallen soll als vorherige Generationen. Der wirtschaftliche Kern dahinter ist klar: Erst wenn sich die Kosten pro Kilometer und die Betriebsbereitschaft verlässlich drücken lassen, wird der Weg in Richtung Profitabilität realistischer.

Technisch betrachtet liegt der Fokus auf einem maßgeschneiderten Chip, den Waymo eigenen Angaben zufolge „hands-on“ entwickelt hat. Konkret nennt das Unternehmen einen 5-nm-ASIC, der die massive Datenflut abfangen soll, bevor sie in das zentrale KI-System einfließt. Als Größenordnung nennt Waymo, dass die Ojai-Variante 13 High-Fidelity-Kameras nutzt. In der Praxis bedeutet das: Mehr Sensoren und höhere Auflösung erzeugen nicht nur mehr Daten, sondern auch höhere Anforderungen an Latenz, Energieverbrauch und Datentransfer innerhalb des Fahrzeugs. Der ASIC soll daher nicht einfach „irgendeinen“ Rechenschritt beschleunigen, sondern den Datenfluss so vorbereiten, dass das nachgelagerte Modell schneller reagieren kann. Waymo positioniert die Leistung des Chips mit mehr als 1.000 TOPS (trillions of operations per second) und ordnet sie damit grob in die Größenordnung eines aktuellen NVIDIA DRIVE AGX Thor ein, der als Automobil-Prozessor für automatisiertes Fahren ausgelegt ist.

Damit verschiebt sich die Diskussion von „Welche KI kann das?“ hin zu „Wie skalierbar ist der KI-Compute im Feld?“. Denn TOPS allein sagt noch nichts über Systemeffizienz aus, wenn die Datenvorverarbeitung, die Speicherzugriffe und das Zusammenspiel mehrerer Rechenblöcke die Gesamtperformance ausbremsen. Waymo formuliert deshalb auch eine sehr systemische Aussage: Der Chip soll ein Element sein, das Reaktionsgeschwindigkeit und Sicherheit in komplexen Umgebungen ermöglicht. Interessant ist dabei auch die vertikale Ausrichtung, die aus dem neuen Detailgrad herauslesbar wird. Gleichzeitig macht Waymo deutlich, dass die Rechenplattform nicht isoliert entsteht: In der Partnerliste tauchen unter anderem AMD, Micron, NVIDIA, Samsung, Sandisk, Socionext und TSMC auf. Diese Mischung verweist darauf, dass Waymo zwar eigene Silizium-Komponenten entwickelt, aber weiterhin auf ein Ökosystem angewiesen ist, das Speicher, Fertigung und Teile des Hardware-Stacks liefert. Genau in dieser Kombination liegt für viele Autonomie-Teams der Engpass: nicht nur das Modelltraining, sondern der Betrieb im Dauerstress mit sauberen, vorhersehbaren Leistungsprofilen.

Parallel zu diesen Architekturdetails verstärkt sich die Sicherheitsdebatte in der Autonomie-Lieferkette – und zwar entlang einer Frage, die schnell von der Labor- in die Produktionswelt kippen kann: Welche Sensoren sind zuverlässig, und welche Risiken entstehen durch breit eingesetzte Komponenten? Laut den Angaben aus dem Umfeld einer Untersuchung bewertet das Idaho National Laboratory, ob bestimmte chinesische Lidar-Sensoren potenziell ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten, falls sie in den USA weit verbreitet auf Fahrzeugen zum Einsatz kämen. Auffällig ist dabei vor allem die Finanzierung: Angeblich stammt sie aus dem Umfeld mehrerer Akteure der E-Mobilitäts- und Autonomiebranche. Mehrere betroffene Fahrzeug- und Robotik-Teams – darunter Rivian, General Motors, Ford, Kodiak, Lucid Motors, Nuro und Uber – sollen sich gegenüber der Anfrage nicht über die Prüfung im Bild gewesen sein. Andere große Namen wie Aurora, NVIDIA und Zoox reagierten nicht auf Nachfragen. Für Unternehmen heißt das: Selbst wenn konkrete Vorwürfe oder technische Schwachstellen nicht öffentlich belegt sind, wächst der Druck, Beschaffungs- und Sicherheitsprozesse für Sensoren und Chips stärker zu dokumentieren und abzusichern.

Auch regulatorisch und marktseitig wird die Autonomie-Landschaft gerade neu sortiert. In den USA drehen sich die Diskussionen um Kapazität und Genehmigungen, in Europa zusätzlich um Datenverarbeitung. So berichten die Angaben zu Nevada-Regulatoren von Erlaubnissen, die kommerzielle Robotaxi-Dienste in Clark County ermöglichen. Zusammen sollen die Genehmigungen bis zu 8.000 Robotaxis über die nächsten 12 Monate abdecken können – auch wenn die tatsächliche Anzahl im Tagesgeschäft deutlich geringer ausfallen dürfte. Im gleichen Atemzug wird klar, warum Compute und Plattformkosten so entscheidend sind: Je größer die Flotte, desto stärker schlagen ineffiziente Architekturentscheidungen auf Betrieb, Wartung und Latenz durch. In den Niederlanden wiederum erhielt Uber eine Geldbuße in Höhe von 825 Millionen Euro durch die dortige Datenschutzaufsicht, weil automatisierte Systeme Fahrerkonten ab deaktivieren oder suspendieren konnten, ohne die Betroffenen ausreichend zu informieren – ein Verstoß gegen europäisches Datenschutzrecht. Für Autonomie-Startups und etablierte Anbieter ist das eine Erinnerung daran, dass „autonom“ nicht nur Technik meint, sondern auch die Governance von Daten, Rechten und automatisierten Entscheidungen.

Abseits von Waymo zeigt sich, wie stark der Markt aktuell auf unterschiedliche Autonomie-Ansätze setzt – vom autonomen Kleintransport bis zur Robotik im Lieferverkehr. Ein Startup aus Palo Alto, das ursprünglich im Umfeld von Elektrofahrrädern und Cargo-Quads gestartet war, hat laut den Angaben eine weitere Finanzierung eingefahren: 150 Millionen US-Dollar in einer Series-D-Runde, angeführt von Prysm Capital, bei Beteiligung bestehender Investoren. Der strategische Schwenk hin zu „fähigen“ und autonomen kleinen Elektrofahrzeugen spiegelt dabei die breitere Branchenbewegung wider: weniger Fokus auf reines Konsumprodukt, mehr Fokus auf Einsatzfälle mit klaren Betriebsparametern. Im Robotaxi- und Delivery-Umfeld fällt außerdem auf, dass Partnerschaften gezielt skaliert und gleichzeitig diversifiziert werden. Serve Robotics etwa nutzt nach den vorliegenden Informationen Robotik auf Gehwegen über Kooperationen mit Grubhub und erweitert die Reichweite des DoorDash-Setups. Dass Uber gleichzeitig Rückzugssignale aus dem Robotik-Setup sendet, wird in der Branche als Signal für ein grundsätzliches Prinzip gelesen: Wer wachsen will, braucht mehrere Absatzkanäle und nicht nur eine einzige Partnerschiene. Ähnliches gilt für die Zuliefer- und Fahrzeugstrategie: Ein Deal zwischen Tesla und Einride sieht vor, dass Einride 500 elektrische Semi-Fahrzeuge beschafft und über 24 Monate schrittweise in die Flotte integriert, um den autonomen Trucking-Ansatz für Kunden wie Amazon zu unterstützen.


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