LANSING / LONDON (IT BOLTWISE) – In Lansing bietet der Männerkreis Men of Honor einmal im Monat einen festen Ort für offene Gespräche. Gründer Derrick Bynum sagt, viele Männer würden zu selten bei sich selbst nach dem Rechten sehen. Die Runde richtet sich an Männer ab 18 Jahren und will ohne Urteil über mentale Belastungen, finanzielle Druckpunkte und praktische Basics sprechen. Zusätzlich startet das Projekt ein Junior-Chapter für 12- bis 17-Jährige.

In Lansing wird einmal im Monat aus einem privaten Zuhause ein Gesprächsort, an dem Männer über Gefühle und Lebenskrisen sprechen dürfen, ohne Angst vor Bewertung. Das Vorhaben trägt den Namen Men of Honor und setzt bewusst nicht auf formelle Vorträge, sondern auf einen wiederkehrenden Rahmen: Treffen sind jeweils am dritten Sonntag des Monats. Gründer Derrick Bynum beschreibt die Grundannahme dabei ziemlich direkt – nämlich dass der Bedarf für einen solchen Raum größer sei, als viele Menschen zunächst denken.
Sein Ausgangspunkt ist eine Rollenrealität, die im Alltag oft unsichtbar bleibt: Bynum sagt, dass viele Männer sich daran gewöhnen, für andere einzustehen – als Anbieter und Beschützer – während die eigene Lage zu selten geprüft wird. In seinen Worten: „We never take the time to check on our own welfare“. Der Kreis existiert nach seinen Angaben seit knapp einem Jahr, und die Idee sei ihm in einer Nacht gekommen. Für die praktische Ausgestaltung bedeutet das: Es geht nicht um ein allgemeines „Motivation“-Programm, sondern um einen sicheren Rahmen, in dem auch Unsicherheiten, Belastungen und schwierige Momente ausgesprochen werden können.
Technisch im engeren Sinn ist Men of Honor zwar kein digitales Produkt, aber methodisch nutzt die Gruppe etwas, das in jeder Informations- und Kommunikationskultur entscheidend ist: Wiederholung und Verlässlichkeit. Wenn Termine immer gleich strukturiert sind, sinkt die Hürde, überhaupt aufzutauchen. Gleichzeitig legt die Gruppe Themen fest, die in der Zielgruppe häufig verdrängt werden: mentale Gesundheit, finanzieller Druck und grundlegende Lebenskompetenzen. Viele Mitglieder berichten demnach, dass genau diese Gespräche früher hätten beginnen sollen – weil „Everybody assumes you know how to do these things. You’re a man, you’re supposed to know how to change a tire.“ Wer diese Lernkurve nie gezeigt bekommt, bleibt mit Unsicherheit allein. Men of Honor setzt hier auf Austausch, nicht auf Beschämung, und adressiert damit eine Lücke, die Marcus Brooks und Micah Brown als besonders prägend beschreiben: „It was just like a lot of people have the most common things going on in their lives – we just never express it because we’d be too shy to talk.“
Auch die persönliche Dimension spielt bei den frühen Mitgliedern eine zentrale Rolle. Brooks und Brown heben vor allem hervor, dass das Gefühl, nicht allein zu sein, konkrete Momente im Kreis auslöst. Brown bringt dabei seine eigene Biografie in die Runde ein: „My father, he did pass when I was 14. So it’s really good to get that man figure in your life – where you can go talk to him“. Aus Sicht der Gruppe bedeutet das: Emotionaler Rückhalt ist nicht nur eine allgemeine Idee, sondern ein konkreter „Anker“, wenn eine wichtige Bezugsperson fehlt. Für Unternehmen und Organisationen, die heute mit Mitarbeitenden- oder Community-Programmen experimentieren, ist das eine interessante Parallele: Wirkung entsteht oft weniger durch Kampagnen als durch wiederholte, verlässliche Interaktionsräume, in denen Menschen ihre Situation normalisieren und Unterstützung finden.
Bemerkenswert ist zudem, dass Men of Honor nicht bei Erwachsenen stehen bleibt. Bynum sagt, das Projekt wachse weiter, und nennt als nächsten Schritt ein Junior-Chapter für junge Männer im Alter von 12 bis 17 Jahren. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt auf eine Altersgruppe, in der Gefühle und Rollenbilder gerade erst verfestigt werden. Bynum beschreibt das Spannungsfeld zwischen „stark sein“ und Verletzlichkeit: „Real men, as they say, don’t cry. But yes, we do. Because if it wasn’t meant for us to be vulnerable, we wouldn’t have these emotions built into us“. Gerade diese Gegenüberstellung macht deutlich, warum der Kreis nicht nur „über Probleme reden“ will, sondern auch Kommunikationsnormen verändern möchte.
Die Gruppe formuliert ihren Ansatz dabei bewusst schlicht. Bynum nennt als Leitprinzip „show up, speak up and let the man next to you know he is seen.“ Übersetzt in die Alltagslogik einer Gesprächsrunde heißt das: Man kommt, man bringt etwas zur Sprache, und man signalisiert dem Gegenüber Wahrnehmung. Auch sein Abschlusswort ist ähnlich gerichtet: „You are somebody. You are loved. And no matter how difficult things may be – the sun will shine in the morning“. Solche Sätze wirken nicht nur als emotionale Rahmung, sondern setzen auch einen Erwartungsrahmen, der die Hemmschwelle senken kann. Wenn die Gruppe betont, dass sie Männer „of any age, ethnicity or stage in life“ willkommen heißt, wird zudem klar, dass das Angebot nicht nach einer engen Zielgruppendefinition funktioniert, sondern bewusst inklusiv bleibt.
Für die gesellschaftliche Einordnung ist wichtig, dass Men of Honor in Lansing eine lokale Nische besetzt: Es geht nicht um öffentliche Debatten über „Männlichkeit“, sondern um einen geschützten Ort, an dem auch praktische Fragen vorkommen können – von grundlegenden Fähigkeiten bis zu Belastungen, die sonst zwischen Alltagspflichten untergehen. Der monatliche Rhythmus wirkt dabei wie ein Kompromiss zwischen Verbindlichkeit und Machbarkeit: Wer einen Termin verpasst, bleibt nicht vollständig ausgeschlossen, und zugleich bleibt der Kreis nicht so lose, dass sich niemand verantwortlich fühlt. Gerade deshalb dürfte die Stärke des Modells in der Wiederholbarkeit liegen – ein Muster, das man auch jenseits sozialer Themen kennt: Kommunikationsformate funktionieren dann besonders gut, wenn sie regelmäßig stattfinden und eine klare Erwartung an Zugehörigkeit schaffen.
Wie genau sich das Junior-Chapter im Alltag anfühlen wird, lässt sich aus den Angaben noch nicht im Detail ableiten. Aber die Richtung ist eindeutig: Men of Honor will die Lücke früher schließen, bevor Rollenbilder den Raum für Offenheit dauerhaft verengen. Damit steht das Projekt zugleich für einen Wandel in der Art, wie Unterstützung gedacht wird – nicht als einmalige Intervention, sondern als kontinuierliche Kulturpraxis. Wer in Lansing oder im Umfeld nach einem Ort sucht, an dem Männer Gefühle, Sorgen und Lernbedarfe aussprechen können, bekommt mit Men of Honor einen konkreten, bereits etablierten Anker: dritter Sonntag im Monat, in Lansing, mit einem Fokus auf Sichtbarkeit und gegenseitiges „Gesehenwerden“.
Die nächsten Monate werden vor allem zeigen, wie stark die Gruppenlogik trägt, wenn zusätzlich Jüngere dazukommen und die Gesprächskultur entsprechend angepasst werden muss. Bynums eigene Beschreibung der Entwicklung – vom Start des Erwachsenenkreises bis zum Junior-Chapter – deutet auf einen Aufbau hin, der nicht nur Publikum gewinnt, sondern auch die Zielsetzung erweitert. Für Leserinnen und Leser, die nach ähnlichen Ansätzen suchen, liefert das Projekt damit eine greifbare Blaupause: weniger Komplexität in den Regeln, mehr Klarheit im Rahmen, und immer wieder die Gelegenheit, ehrlich zu sprechen.
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