LONDON (IT BOLTWISE) – Der CEO des World Gold Council, David Tait, hält Bitcoin auf lange Sicht für einen Kandidaten, der wertlos werden kann. Er stützt die Einschätzung weniger auf eine Bewertung, sondern auf ein persönliches Händlergefühl. Als Hauptgrund nennt er, dass sich Bitcoin in Stressphasen eher wie ein Risiko-Asset verhält statt wie ein Krisen-Hedge. Gleichzeitig verweist er auf die robuste Nachfrage nach Gold durch Zentralbanken und Investoren.

David Tait bringt 2026 eine besonders harte These in die Diskussion um Bitcoin: Der CEO des World Gold Council sagt, er erwarte, dass Bitcoin „will go to zero“. Der Ton ist auffällig klar, die Begründung hingegen ungewöhnlich pragmatisch, denn Tait stellt ausdrücklich klar, dass sein Null-Szenario nicht aus einem Bewertungsmodell abgeleitet ist. Damit bleibt die Aussage zwar als persönliche Risikowahrnehmung gekennzeichnet, sie ist aber gerade deshalb interessant: Viele Marktdebatten über Krypto kreisen um Regeln, Kennzahlen und Szenariorechnungen, während Taits Argument stärker auf Marktverhalten in Ausnahmesituationen zielt.
Im Kern unterscheidet Tait zwischen dem, was Bitcoin sein soll, und dem, was er in der Praxis beobachtet. Seine Kritik richtet sich gegen das Narrativ vom „digitalen Gold“: Wenn Bitcoin als defensives Wertaufbewahrungsmittel taugen soll, müsste es in Phasen erhöhter Marktanspannung typischerweise stabiler reagieren als klassisch riskante Assets. Laut Taits Beobachtung bewegt sich Bitcoin in Stresszeiten jedoch häufig parallel zu anderen Risikoanlagen und liefert damit keinen verlässlichen Gegeneffekt. Für Entscheider ist das weniger ein theoretischer Punkt, weil sich Portfolio-Absicherungen in der Realität an Korrelationen und Liquidität orientieren – und beides wirkt in Korrekturen besonders sichtbar. Dass Bitcoin laut Quelle am 14. August zeitweise bei rund 62.500 US-Dollar gehandelt wurde, also etwa 50 % unter einem Rekord von rund 126.223 US-Dollar im Oktober 2025, macht den Kontext unmittelbar greifbar.
Damit springt der zweite Teil seines Arguments auf eine langfristige Haltbarkeitsebene. Tait beschreibt die Werthaltigkeit von Gold als Ergebnis einer sehr langen Geschichte monetärer Nutzung, kombiniert mit physischer Knappheit und Nachfrage aus mehreren Gruppen: Privatanleger, Konsumenten und vor allem auch Zentralbanken. Bei Bitcoin sieht er dagegen eine andere Mechanik am Werk: Der Wert hängt stärker davon ab, dass Marktteilnehmer weiterhin bereit sind, einem digitalen Netzwerk eine Geldfunktion zuzuweisen. Diese Gegenüberstellung ist nicht neu, aber sie erhält durch die erwähnten Zahlen zusätzliche Substanz. Laut Quelle haben Zentralbanken im Jahr 2025 863 Tonnen Gold gekauft; in den drei Jahren zuvor lagen die jährlichen Zuflüsse jeweils über 1.000 Tonnen. Für das erste Quartal 2026 werden weitere 244 Tonnen genannt. Parallel dazu verbindet Tait die jüngste Goldstärke mit zunehmenden Sorgen rund um Staatsschulden statt mit kurzfristigen geopolitischen Schocks.
Spannend ist zudem, dass Tait die Null-These zeitlich nicht bei Null anfangen lässt. Die Quelle ordnet ein, dass er bereits im März 2025 eine offenere Form vertreten habe: Damals sei er zwar ebenfalls davon ausgegangen, Bitcoin könne auf null gehen, habe aber zugleich bewusst keine unvermeidliche Kollaps-Entwicklung prognostiziert. Die aktuelle Position gilt daher als deutlich bearishere Eskalation. In der Unternehmens- und Investitionslogik ist diese Differenz relevant, weil sie zeigt, wie sich das Argument von „kann“ zu „wird“ verschiebt – und damit die Kommunikations- und Erwartungshaltung im Markt potenziell stärker beeinflusst. Gleichzeitig bleibt ein entscheidendes Detail bestehen: Taits Null-Ziel ist kein Modell-Ergebnis, sondern eine Art Instinkt-Check gegen das beobachtete Verhalten von Bitcoin.
Über den Einzelfall hinaus verweist die Quelle auf eine wiederkehrende Musterlinie in der öffentlichen Debatte: Prominente Marktstimmen hatten immer wieder vor einem möglichen Wertverlust oder sogar einem „Zero-Outcome“ bei Bitcoin gewarnt. Unabhängig davon, ob man diese Aussagen für überzogen hält, zeigt das Muster, wie hart die Lagerbildung inzwischen ist. Auf der anderen Seite steht der systemische Gegenwind, der in der Quelle ebenfalls genannt wird: institutionelle Adoption, ein festes Angebot (fixed supply) und fortgesetzte Netzwerknachfrage. Gerade der Punkt „fortgesetzte Netzwerknachfrage“ ist dabei nicht bloß Marketing, sondern berührt die Frage, ob Nutzung, Liquidität und Ökosystem-Dynamik reichen, um die Preisbildung auch dann zu stützen, wenn Korrelationen zu Risiko-Assets zeitweise dominieren.
Technisch betrachtet ist die Aussage „Bitcoin verhält sich wie ein Risiko-Asset“ kein Zauberspruch, sondern lässt sich in Marktmechaniken übersetzen: In Stressphasen dominieren häufig Deleveraging, Margin-Logiken und das schnelle Umpositionieren von Kapital. Selbst wenn ein Asset langfristig als Wertaufbewahrung gerahmt wird, kann die kurzfristige Preisbildung durch Kapitalflüsse und Risikoparitäts-Strategien geprägt sein. Für Gold spricht dagegen eine andere Transmission: Dort wirken physische Beschaffung, Lager- und Eigentumsstrukturen sowie der institutionelle Bedarf – insbesondere wenn Zentralbanken ihre Reserven diversifizieren oder ihre Abhängigkeit von einzelnen Finanzrisiken reduzieren wollen. Dass Tait gerade diesen institutionellen Gold-Kern mit konkreten Tonnen-Zahlen belegt, ist deshalb strategisch, weil es seine These von „Gefühl“ für das eine Asset zu „Fundament“ für das andere macht.
Für Unternehmen und CIOs ergibt sich daraus eine praktische Frage, die über die Schlagzeile hinausgeht: Welche Rolle soll Bitcoin im Risikoprofil spielen – und wie belastbar sind die Annahmen zur Korrelation in echten Stressphasen? Die Quelle liefert keine neue Methodik, aber sie liefert einen Stresstest fürs Denken: Wenn eine prominente Stimme wie Tait nicht auf ein mathematisches Kursziel setzt, sondern auf die beobachtete Eigenschaft als Risiko-Asset argumentiert, dann verlagert sich die Diskussion hin zur Portfolio-Operationalisierung. Das heißt konkret, dass selbst Anhänger oder Nutzer von Bitcoin zusätzliche Sensitivitäten prüfen sollten, etwa über Zeitfenster hinweg, statt nur auf langfristige Narrative zu vertrauen. Gleichzeitig bleibt Gold als Benchmark für „monetäre Dauer“ durch die beschriebenen Zentralbankkäufe sichtbar, während Bitcoin als digitales System weiter daran gemessen wird, ob die Geldzuschreibung auch dann stabil bleibt, wenn der Markt stark schwankt.
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