LONDON (IT BOLTWISE) – Morgan Stanley verknüpft das Anlegervertrauen bei Tesla eng mit dem Tempo beim Robotaxi-Geschäft. Der Analyst Andrew Percoco verweist zwar auf eine deutliche Verbesserung bei der Adoption von Full Self-Driving in Nordamerika, hält aber nach wie vor greifbare Skalierungsnachweise für notwendig. Gleichzeitig fordert die Bank handfestere Fortschritte bei Optimus, über bloße Produktionsstart-Kommentare hinaus. Damit steigt der Rechtfertigungsdruck für den Milliarden-Investitionszyklus, der 2026 Robotaxi, Optimus und neue Fertigungskapazitäten finanzieren soll.

Der Kurs von Tesla mag kurzfristig auf einzelne Software-Zahlen reagieren, doch Morgan Stanley setzt das Fundament der Bewertung an einer ganz anderen Stelle: bei der Skalierung von Robotaxi und bei messbaren Fortschritten rund um den humanoiden Roboter Optimus. In der Kundennotiz, die Andrew Percoco verfasst hat und die dem Markt über verschiedene Datenzugänge zugänglich wurde, wird Anlegern nicht abgesprochen, konstruktiv gegenüber Teslas Strategie zu bleiben. Gleichzeitig wird aber der Anspruch klar formuliert: Ankündigungen reichen nicht, wenn Investorenthematik „Physical AI“ mit echten Betriebsdaten und nachhaltigen Effekten auf die Profitabilität belegt werden soll.
Technisch betrachtet dreht sich die Diskussion um zwei unterschiedliche Entwicklungsachsen. Beim Robotaxi geht es vor allem darum, dass die Full-Self-Driving-Software nicht nur in einzelnen Regionen „funktioniert“, sondern im Alltag zuverlässig hochgefahren werden kann. Beim Optimus-Programm zählt dagegen weniger die theoretische Fortschrittsstory als vielmehr, ob das Unternehmen die Systemkomplexität bis in die Produktion hinein beherrscht. Percoco stellt dabei nicht nur eine Frage nach dem „Ob“, sondern nach dem „Wie schnell“ und nach dem „Wie sauber“, also nach Kennzahlen, die sich im Betrieb verifizieren lassen – etwa zur Auslastung, zu Sicherheitsaspekten und zu der Fähigkeit, den Betrieb in mehreren Städten gleichzeitig zu betreiben.
Ein Datenpunkt stützt die Tesla-These zumindest in einem Teilbereich: Percoco nennt als konstruktivsten Hinweis die Adoptionsrate der Full-Self-Driving-Software bei Auslieferungen in Nordamerika. Diese Kennzahl wird im Text mit 55 Prozent beziffert und damit deutlich über einer bisherigen Morgan-Stanley-Annahme von 25 bis 30 Prozent eingeordnet. Für Anleger ist das mehr als nur eine Randnotiz, weil es den Erwartungsdruck Richtung Robotaxi erhöht: Wenn mehr Fahrzeuge die Software im Alltag mitbringen, wächst die Basis für Erfahrung, Daten und potenzielle Monetarisierung. Trotzdem bleibt die Einstufung bei „Hold“ und das Kursziel bei 415 US-Dollar bestehen, was zeigt, dass die Bank den positiven Ausreißer nicht als alleinige Rechtfertigung für den weiteren Bewertungsweg akzeptiert.
Die Skepsis speist sich aus dem Finanz- und Investitionskontext. Laut den im Bericht genannten Zahlen veröffentlichte Tesla am 22. Juli die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 mit einem Umsatz von 28,2 Milliarden US-Dollar. Das Non-GAAP-Ergebnis lag bei 0,33 US-Dollar je Aktie, fiel aber offenbar hinter Erwartungen zurück, weil das operative Ergebnis um 57 Prozent einbrach und die Erlöse aus Regulierungsgutschriften stark zurückgingen. Zusätzlich war der freie Cashflow im Quartal negativ, während gleichzeitig ein Investitionszyklus von über 25 Milliarden US-Dollar für 2026 vorangetrieben wird. Damit verschiebt sich die Diskussion vom Software-„Narrativ“ hin zur Fähigkeit, trotz hoher Ausgaben mittelfristig wieder mehr finanziellen Spielraum zu erzeugen.
Beim Robotaxi knüpft Percoco die Messlatte an die nächste Stufe der Skalierung. Robotaxi soll sich demnach weiterhin in bestehenden Städten durch mehr Betrieb bewähren – mit dem Ziel, Sicherheit nicht nur zu behaupten, sondern im Verhältnis zur wachsenden Auslastung sichtbar zu machen. Der Text nennt dafür bereits erste operative Eckdaten: Tesla habe das Robotaxi-Programm auf sieben US-Märkte ausgeweitet und über 380.000 unbeaufsichtigte Meilen ohne Sicherheitsvorfälle ausgewiesen. Parallel startet die Produktion des Cybercab. Dennoch bleibt die Kernfrage, ob diese Entwicklung in eine robuste Skalierung übergeht, die Umsatz- und Margentreiber liefert, statt lediglich Zwischenstufen im Produkt-Rollout zu verlängern.
Auch bei Optimus erwartet Morgan Stanley nach Percocos Darstellung mehr als kommunikative Fortschritte. Die Bank sei weiterhin auf der Suche nach Belegen jenseits von Kommentaren rund um den Produktionsstart. Das ist für Unternehmen besonders relevant, weil „Start“ in der Praxis häufig mehrere Ebenen meint: von der Pilotfertigung über die Qualitätsstabilisierung bis zur Wiederholbarkeit in der Lieferkette. Der Bericht deutet zudem an, dass Schwächen bei Bruttomargen, höhere F&E-Ausgaben und ein länger anhaltender Verzehr von freiem Cashflow den Fokus auf messbare Fortschritte bei beiden Themen – Robotaxi und Optimus – verschärfen. Historisch gesehen haben viele Autonomie-Programme genau an dieser Stelle zu Käufen und Verkäufen geführt: Sobald die Kostenkurve steigt, müssen Betriebszahlen und Planerfüllung schneller nachziehen, sonst wächst die Unsicherheit über die Wertschöpfung.
Für den Kapitalmarkt entsteht daraus ein zeitlich getakteter Prüfplan. Wenn Tesla die von Morgan Stanley verlangten „greifbaren Fortschritte“ liefert, könnten sich Erwartungshaltungen schneller drehen, etwa durch weitere Ausweitung des Robotaxi-Betriebs und konkretere Aussagen zum Produktions- und Hochlaufprofil von Optimus. Der nächste Quartalsbericht wird dafür als weiterer Datenanker genannt. Am Montag notiert die Tesla-Aktie im vorbörslichen NASDAQ-Handel zeitweise 0,5 Prozent im Minus bei 340,55 US-Dollar. Entscheidend ist damit weniger der Einzelwert, sondern der Signalcharakter: Software-Adoption liefert Momentum, doch ob der Investitionszyklus von mehr als 25 Milliarden US-Dollar 2026 in Richtung einer nachhaltigen Wertsteigerung „durchzieht“, muss im Betrieb und in der Fertigung gleichermaßen nachgewiesen werden.
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