LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue US-Studie ordnet Zucker-Süßgetränke wie Softdrinks, Energy-Drinks und gesüßte Säfte mit einem deutlich erhöhten Risiko für Magenkrebs in Verbindung. Das Team vom Mass General Brigham Cancer Institute berichtet von mehr als einer Verdoppelung der Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu seltenem Konsum. Die Auswertung basiert auf mehr als 100.000 Teilnehmenden und nutzt über Jahrzehnte gesammelte Daten. Künstlich gesüßte Getränke zeigten in der Studie dagegen keinen ähnlichen Effekt.

Zuckergetränke erhöhen laut Studie das Risiko für Magenkrebs
Zuckergetränke erhöhen laut Studie das Risiko für Magenkrebs (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer täglich mindestens ein zuckerhaltiges Getränk trinkt, riskiert nach einer neuen Auswertung aus den USA offenbar mehr als nur kurzfristige Kalorien. In der Studie, die am 17. August 2026 im Journal Gastro Hep Advances veröffentlicht wurde, wird der Konsum von Zucker-Süßgetränken mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs verknüpft. Das Ergebnis bezieht sich dabei explizit auf Getränke, die regelmäßig verzehrt werden – nicht auf einzelne Ausrutscher. Damit rückt eine Alltagskategorie in den Fokus, die in vielen Haushalten dauerhaft auf dem Tisch steht.

Für die Risikobetrachtung nutzen die Forschenden Daten aus mehreren Jahrzehnten von über 100.000 Personen. Konkret berichten sie, dass der Konsum von mindestens einem zucker-süßen Getränk pro Tag mit mehr als einer Verdoppelung des Risikos für die Entstehung von Magenkrebs verbunden ist – verglichen mit Menschen, die solche Getränke nur selten zu sich nehmen. In die Kategorie fielen laut Studie sowohl klassische Softdrinks als auch Energy-Drinks und Säfte, denen zusätzlich Zucker zugesetzt wurde. Gerade diese breite Definition macht das Ergebnis für die Praxis greifbarer, weil sie nicht auf eine einzelne Produktgattung beschränkt bleibt.

Die Studienautoren ordnen die Relevanz auch über die Verbreitung des Konsums ein: Laut Angaben der U.S.-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention gaben 63 % der Erwachsenen ab 18 Jahren an, zucker-süße Getränke zumindest einmal täglich zu trinken. Damit ist der Zusammenhang nicht nur ein theoretisches Risiko für eine kleine Randgruppe. Gleichzeitig betont die Studie, dass es sich um eine Assoziation handelt: Sie zeigt eine statistische Verknüpfung, liefert aber keine direkte Kausalitätsbegründung. Gerade deshalb ist die Frage nach dem „Warum“ so wichtig, weil sich daraus ableiten lässt, welche biochemischen Pfade bei der Ernährung im Hintergrund eine Rolle spielen könnten.

Auf der Mechanismen-Ebene nennen die Forschenden mehrere Kandidaten, darunter Gewichtszunahme, Insulinresistenz und Entzündungsprozesse. Diese Ketten passen grundsätzlich zu dem, was aus der Stoffwechsel- und Ernährungsforschung bekannt ist: Chronisch erhöhte Zuckereinnahmen können langfristig den Glukosestoffwechsel belasten, Entzündungsmarker verändern und dadurch Prozesse fördern, die mit Tumorentstehung einhergehen. Für die nähere Einordnung hebt das Team außerdem hervor, dass Magenkrebs – auch als Magenkarzinom bekannt – in vielen Fällen erst in einem fortgeschrittenen Stadium schwer zu behandeln ist. Allerdings bleibt die biologische Erklärung noch zu bestätigen, weil die Studie den Mechanismus nicht direkt misst, sondern aus plausiblen Pfaden ableitet.

Ein weiterer Punkt für die Interpretation betrifft die Abgrenzung bei gesüßten Alternativen: Künstlich gesüßte Getränke, in der Studie als „low-calorie carbonated beverages“ definiert, waren nicht mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs verbunden. Das heißt nicht, dass solche Produkte automatisch ohne Risiko sind – die Forschenden verweisen hier auf die Debatte um einzelne Süßstoffe. Als Beispiel wird Aspartam genannt: Es wurde zuvor von der International Agency for Research on Cancer als „mögliches Karzinogen“ eingeordnet, während die U.S.-amerikanische Food and Drug Administration Aspartam als sicher für den Konsum innerhalb akzeptabler täglicher Grenzwerte bewertet. Für Ernährungsentscheidungen bedeutet das vor allem, dass Unterschiede zwischen Getränketypen nicht pauschalisiert werden sollten.

Damit rückt auch die Studiogüte in den Blick: Die Forschenden benennen Limitierungen, etwa dass für einige Teilnehmende weniger Informationen zu Gesundheitszustand und Familiengeschichte vorlagen und dass die Stichprobe überwiegend aus weißen Personen im Alter von 30 bis 75 bestand. In der Folge konnten sie laut Text keine ausreichend belastbaren Analysen in kleineren Untergruppen nach Alter oder Ethnie durchführen. Für Unternehmen im Gesundheitsbereich, für Versicherer oder für Betreiber von Ernährungsprogrammen ist das relevant, weil Zielgruppen differenziert angesprochen werden müssen. Gleichzeitig liefert die Kombination aus großer Stichprobe und langfristiger Datengrundlage einen belastbaren Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen.

Aus industrie- und produktstrategischer Sicht zeigt die Studie damit weniger „neue Ernährungsmärkte“ als vielmehr einen klaren Handlungsdruck in der Alltagskommunikation. Hersteller, Retailer und Public-Health-Organisationen werden ihre Botschaften rund um Softdrinks, Energy-Drinks und gesüßte Säfte stärker an messbaren Gesundheitswirkungen koppeln müssen. Für KI-gestützte Ernährungs- und Gesundheitsanwendungen (etwa Empfehlungssysteme in Apps) ergibt sich daraus ein konkreter Nutzen: Nicht nur der kurzfristige Kalorienwert zählt, sondern auch die Art der Zuckerexposition im Zeitverlauf. Ob sich daraus in der Praxis tatsächlich Risikoreduktionen ergeben, wird die nächste Forschungsstufe entscheiden – die Studie fordert dafür explizit weitere Arbeiten zur Bestätigung der biologischen Begründung.


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