LONDON (IT BOLTWISE) – David Tepper hat in seinem Q2-Portfolio über die 13F-Ausweisung den KI-Schwerpunkt spürbar verschoben. Micron kürzte Appaloosa Management um 690.000 Aktien auf 975.000 und verkaufte SanDisk vollständig. Die freigesetzten Mittel flossen vor allem in AWS-/Rechenzentrum-nahe Gewinner und in Energieversorger wie Vistra und NRG. Im Hintergrund steht die Idee, dass Rechenlasten unabhängig vom jeweiligen Chip-Sieger immer mehr Strom benötigen.

Appaloosa Management, der Fonds von David Tepper, zeigt in der Q2-13F-Offenlegung (eingereicht am 14. August 2026) eine klare Portfolio-Story: Nach einer starken ersten Jahreshälfte im Bereich der KI-Teilkomponenten setzt Tepper in der zweiten Quartalshälfte weniger auf “nur” Speicher- und Chip-Produzenten und mehr auf Ebenen, die sich auch dann bezahlt machen, wenn die Halbleiter-Dynamik wieder schwankt. Laut der Ausweisung lag die Rendite im ersten Halbjahr 2026 bei 32%, bevor der Fonds im zweiten Quartal Positionen im Speicher- und Chip-Segment sichtbar reduzierte. Der Bericht ist ein Stichtagsfoto zum 30. Juni 2026 und wurde rund 45 Tage später bekannt; daraus folgt, dass sich die heutige Gewichtung inzwischen wieder verändert haben kann.
Beim Rückzug aus dem klassischen Speicher-Trade waren die Zahlen konkret. Micron Technology wurde um 690.000 Aktien auf 975.000 Stück gekürzt; die Position wird in der Offenlegung mit $1,125,432,750 bewertet. SanDisk dagegen ist vollständig aus dem Portfolio geflogen: Tepper verkaufte alle 281.250 Aktien. Die Logik dahinter passt zu dem Muster, dass Tepper offenbar nicht nur auf “Wachstum”, sondern auch auf Zyklusrisiken reagiert. Im Quellenkontext wird außerdem erwähnt, dass Micron bereits eine spürbare Abschwächung der Rate der Preissteigerungen signalisiert hatte; damit sinkt für Anleger die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Bewertungsprämie rein aus steigenden Preisen weiter verlängert.
Die Rotation blieb nicht auf Speicher-Chips begrenzt. Tepper reduzierte auch fabless Chipdesigner: Advanced Micro Devices wurde um 23.900 Aktien auf 197.500 reduziert, Qualcomm um 248.613 Aktien auf 250.000 gekürzt. Gleichzeitig zeigt die Offenlegung, dass der Fonds die frei gewordenen Mittel nicht ins Leere laufen ließ, sondern den KI-Stack breiter und “oben” in der Wertschöpfungsschicht ergänzt. So stockte Appaloosa Management Amazon um 680.000 Aktien auf 5.000.000 auf, eine Linie im Bericht mit $1,191,700,000; das wird als größte offengelegte Position geführt. Dazu kamen Aufstockungen bei Taiwan Semiconductor Manufacturing: 322.500 Aktien mehr auf 1.650.000, bewertet mit $787,990,500. Außerdem wurde NVIDIA um 53.500 Aktien aufgestockt.
Besonders bemerkenswert ist die Bewegung hin zu einem sehr energiegetriebenen Teil des KI-Ökosystems. Der Fonds eröffnete eine neue Position in CoreWeave mit 1,078,248 Aktien ($107,328,806). Das passt inhaltlich zu Rechenzentrums-Workloads, denn gerade Infrastrukturbetreiber und Cloud-/Inference-Provider müssen die Hardwarelast betreiben und aus dem Betrieb heraus skalieren. Die eigentliche Überraschung kommt jedoch aus der “Power Trade”-Ecke: Appaloosa erhöhte Vistra um 192.940 Aktien auf 2.215.272 Stück (Bewertung $351,408,597) und legte NRG Energy um 25.558 Aktien auf 1.760.000 auf (Bewertung $257,065,600). Interessant ist dabei die Gegenbewegung zur reinen Kursperformance: In der Quelle werden für beide Werte Abschläge im laufenden Jahr genannt (Vistra -7,91%, NRG -19,95%), während die Chipwerte zuvor stark gelaufen waren.
Warum sich Tepper ausgerechnet dort engagiert, wird im Bericht über konkrete Investitions- und Partnerschaftssignale untermauert. Vistra soll mit Helix Digital Infrastructure gemeinsam mit NVIDIA, KKR und Kuwait Investment Authority Strukturen aufgebaut haben. NRG wiederum verpflichtete sich zu $3,2 Milliarden für ein 1,2-Gigawatt-Projekt in Texas, adressiert als investitionsgradfähige Plattform für einen hyperskalierenden Ausbau; in der Quelle werden $500 Millionen jährliches EBITDA sowie eine ungelevered IRR vor Steuern von 12% bis 15% als Zielwerte genannt. Ergänzend prognostiziert das Department of Energy, dass Rechenzentren bis 2028 auf bis zu 12% der US-Stromnachfrage kommen könnten. Technisch betrachtet ist das die Verschiebung von der reinen Chip-Wette hin zu einer Infrastruktur-Wette: Sobald Trainings- und Inferenzlasten dauerhaft steigen, wird die Strombeschaffung zu einem Engpassfaktor, der nicht vollständig durch bessere Chips allein entschärft wird.
Aus Anlegersicht lässt sich die These auch über Bewertungsspannen zuspitzen. Laut Quelle notieren Vistra und NRG mit einem forward P/E von 16 bzw. 14, während die genannten Halbleiter-Referenzen höher bewertet werden: Für Taiwan Semiconductor wird ein forward P/E von 25 genannt, und die Chipdesigner kommen im Text auf 63 für die Gruppe der genannten Designer. Das ist kein Freifahrtschein, aber es beschreibt ein mögliches Chance-Risiko-Profil: Energieversorger handeln häufig stärker über Cashflows aus regulierten oder langfristig abgesicherten Kontrakten, während zyklische Komponenten im KI-Stack stärker von Preis- und Auslastungszyklen abhängen. In der Komposition erkennt man damit ein wiederkehrendes Muster: Tepper war früh bei Speicherwerten vorn dabei, verschiebt aber den Trade “eine Ebene tiefer” in die Infrastruktur, die die Speicher- und Rechenkapazität überhaupt erst nutzbar macht.
Für die weitere Marktlogik ist das vor allem deshalb relevant, weil es die KI-Industrie nicht nur als Halbleiterstory erzählt. Amazon Web Services wird in der Quelle mit 37% Wachstum im Vorquartalsvergleich genannt, TSMC fertigt “für praktisch alle”, und CoreWeave wird über einen $104 Milliarden Revenue-Backlog beschrieben. All diese Punkte deuten darauf hin, dass der Engpass “Strom und Netzanschluss” im Betrieb nachhaltiger wird als die Frage, ob genau dieser Speicher-Chip oder jener Grafikbeschleuniger der Gewinner ist. Wer in der Investmentpraxis KI-Abhängigkeiten managt, dürfte daher den Blick auf Energie, Kapazitätsverträge und Infrastruktur-Finanzierungen stärker in den Mittelpunkt rücken, anstatt sich allein an Chip-Gewinnern festzuhalten. Die nächste Quartals-13F wird zeigen, ob Tepper die Rotation fortsetzt oder ob die Zyklusbewegung in den Halbleitern erneut eine Rückkopplung auslöst.
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