LONDON (IT BOLTWISE) – Die KI-Implementierung im Bauwesen und bei Gewerbeimmobilien nimmt sichtbar Fahrt auf. Laut RICS nutzen bereits rund zwei Drittel der Fachkräfte KI in unterschiedlichem Umfang. Gleichzeitig scheitern viele Organisationen daran, Pilotprojekte in den täglichen Betrieb zu überführen. Der Bericht macht klar, dass es bei der Skalierung vor allem um Integration, Schulung sowie Datenqualität und Datenschutz geht.

Die Dynamik im Bau- und Gewerbeimmobiliensektor ist bemerkenswert, aber sie zeigt auch, wie groß die Kluft zwischen Experiment und Betrieb bleiben kann. Eine aktuelle Studie der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) verortet die KI-Nutzung nicht mehr am Rand, sondern mitten in der Projektpraxis: Auf Basis globaler Rückmeldungen von über 3.100 Branchenexperten setzen mittlerweile etwa zwei Drittel der Fachkräfte im Bausektor KI in unterschiedlichen Intensitäten ein. Das ist ein Signal für steigende Bereitschaft zur digitalen Transformation in einer Branche, die traditionell stark über Prozesse, Schnittstellen und Haftungslogiken organisiert ist.
Interessant ist dabei weniger die reine Adoptionsquote als das Muster dahinter. Die RICS-Daten lassen erkennen, dass sich KI-Anwendungen entlang konkreter Wertschöpfungsstufen verteilen: von der Optimierung der Planungsprozesse über vorausschauende Wartung bis hin zu datenbasierter Entscheidungsfindung bei Immobilieninvestitionen. Solche Use Cases profitieren häufig davon, dass im Bauwesen große Mengen historischer Daten aus Planung, Ausführung und Betrieb vorliegen. Gleichzeitig entsteht der Engpass dort, wo KI nicht nur Vorschläge macht, sondern in bestehende Workflows eingebettet werden muss – inklusive Freigaben, Verantwortlichkeiten und dokumentierbarer Ergebnisse.
Aus technischer Sicht liegt die Kernschwierigkeit oft in der Integration neuer Modelle in gewachsene Infrastruktur. Viele Organisationen betreiben heute bereits unterschiedlich strukturierte Systeme für CAD-/BIM-Workflows, Projektcontrolling, Wartungsdaten oder Asset-Management – teils heterogen über Standorte, Softwarestände und Lieferketten hinweg. KI-Modelle brauchen jedoch verlässliche Eingaben, konsistente Datenformate und klar definierte Rückkopplungsschleifen. Wenn diese Voraussetzungen fehlen oder nur teilweise erfüllt werden, funktionieren Pilotprogramme zwar im begrenzten Rahmen, bleiben in der Skalierung aber instabil oder liefern nicht die gewünschte Robustheit im Alltagsbetrieb.
Der Bericht adressiert außerdem einen Punkt, der in technischen Projekten häufig unterschätzt wird: Der Weg von der anfänglichen Nutzung hin zur umfassenden operativen Anwendung erfordert umfangreiche Schulungen für Mitarbeitende. Es geht dabei nicht nur um „Bedienkompetenz“ für Tools, sondern um Rollenverständnis entlang der Prozesskette. Wer bewertet KI-Ausgaben im Rahmen einer Investitionsentscheidung? Wie wird mit Abweichungen zwischen Modellprognose und Baustellenrealität umgegangen? Gerade im Zusammenspiel von Planung, Ausführung und Betrieb müssen Organisationsdesign und Trainingskonzept zusammenpassen, sonst bleibt KI bei einem Zusatznutzen stehen.
Eng verbunden damit sind Fragen der Datenqualität und des Datenschutzes. Bau- und Gewerbeimmobilienprozesse sammeln Daten aus vielen Quellen: Mess- und Sensordaten, Dokumente, Angebote, Vertragsunterlagen sowie operative Betriebsinformationen. Wenn Datensätze unvollständig sind, inkonsistent gemappt wurden oder wesentliche Kontextvariablen fehlen, verschlechtert sich die Vorhersagegüte. Datenschutzrechtliche Anforderungen verstärken den Aufwand zusätzlich, weil sensible Informationen in der Modellkette nicht einfach „mitlaufen“ dürfen. Für Unternehmen bedeutet das: KI-Integration wird zum Datenprojekt, nicht nur zu einem Modellprojekt.
In der Umsetzung zeigt sich zudem, dass „skalieren“ nicht automatisch „optimieren“ heißt. Pilotprogramme erzielen oft schnelle Resultate, weil sie bewusst klein gehalten sind: ein Standort, ein Gebäudetyp, ein begrenzter Zeitraum, ein Team mit hoher Sichtbarkeit. Im breiteren Rollout entstehen dagegen zusätzliche Varianten – andere Bauweisen, neue Lieferanten, wechselnde Datenverfügbarkeit und unterschiedliche Reifegrade von Systemlandschaften. Die RICS-Studie macht damit deutlich, warum die persisting challenges besonders beim Transfer in den operativen Alltag auftreten: Genau dort werden die Randbedingungen kritisch, die im Labor oder im Pilotsetting noch kontrollierbar waren.
Für Unternehmen leitet der Bericht deshalb einen klaren Handlungsrahmen ab: Wer die Vorteile von KI ausschöpfen will, muss neben der Technologie auch eine strategische Roadmap für die Implementierung entwickeln. Dazu zählen laut RICS die Schaffung klarer Richtlinien, der Aufbau interner Kompetenzen und die Förderung einer Kultur der Offenheit gegenüber technologischem Wandel. Praktisch heißt das für Projekt- und IT-Leiter, dass Governance und Enablement früh mitgedacht werden sollten – etwa durch Standards für Datenzugriff und -freigabe, messbare Zielbilder für Pilot-zu-Produktiv-Übergänge und Schulungspläne, die Verantwortlichkeiten konkretisieren. Der RICS-Bericht dient damit als belastbare Grundlage, um KI nicht als Einmalinitiative zu behandeln, sondern als programmierbaren Bestandteil der Organisationsentwicklung.
Damit rückt auch die Wettbewerbsdynamik in den Fokus: Wenn sich KI-Nutzung bereits bei zwei Dritteln der Fachkräfte findet, entsteht der Differenzierungshebel weniger aus der Frage „Wer experimentiert?“, sondern aus der Frage „Wer skaliert zuverlässig?“. Für den Markt im Bau- und Gewerbeimmobiliensegment bedeutet das, dass Anbieter von KI-Funktionalitäten stärker in Richtung Integrationsfähigkeit, Datenhygiene und langfristige Betriebsmodelle gedrängt werden. Organisationen, die ihre Pilotprogramme strukturiert in den Alltagsbetrieb überführen, können Effizienzgewinne in Planung, Wartung und Investitionsanalyse schneller operationalisieren – und die Lücke zwischen Datenpotenzial und tatsächlicher Wirkung schließen.
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