LONDON (IT BOLTWISE) – Ever After Foods übernimmt das belgische Biotech Fishway und erweitert damit seine Plattform für kultivierte Proteine um aquatische Zellkultivierung. Fishway bringt tierkomponentenfreie ACF-Nährmedien sowie spezialisierte Zelllinien für die Weiterentwicklung in Europa ein. Parallel zur Transaktion sichert sich Ever After Foods über ein Simple Agreement for Future Equity 2 Millionen US-Dollar für Plattformentwicklung und Kommerzialisierung. Der erste gemeinsame kommerzielle Programmschwerpunkt soll auf funktionale Proteiningredienzien für Premium-Heimtiernahrung zielen.

Die Übernahme von Fishway durch Ever After Foods ist weniger ein klassischer Produkt-Launch als ein Schritt in Richtung Plattform-Konsolidierung: Ever After Foods will seine Produktionskette für kultivierte Proteine um aquatische Zellbiologie und spezialisierte ACF-Nährmedien (tierkomponentenfrei) erweitern. Fishway arbeitet an aquatischen Zelllinien und Nährmedien, die ohne tierische Inputs auskommen sollen – ein technischer Knackpunkt, der in der Branche bis heute nicht trivial ist, weil es neben der Biokompatibilität auch um Stabilität, Skalierbarkeit und Kosten im Herstellprozess geht. Mit dem belgischen Standort verschiebt das Unternehmen zudem einen Teil seiner wissenschaftlichen Basis geografisch nach Europa, während der bisherige Fußabdruck vor allem auf Israel konzentriert war.
Technisch betrachtet knüpft der Deal an eine bereits getestete Zusammenarbeit an: Laut den beteiligten Firmen erfolgte der Kauf im Anschluss an eine Technologiekooperation, in der das Zusammenspiel ihrer Systeme erprobt wurde. Das ist relevant, weil Zellkultivierung in der Praxis selten an einem einzigen Baustein hängt. Vielmehr greifen Biologie (Zelllinien), Medienchemie (hier insbesondere ACF-freie Formulierungen) und Bioprozess-Engineering ineinander; erst wenn diese Ebenen zusammenspielen, entsteht eine industrielle Produktionsplattform. Das Fishway-Team soll künftig als europäisches Kompetenzzentrum für aquatische Zellbiologie fungieren und gleichzeitig die Entwicklung tierkomponentenfreier Nährmedien vorantreiben.
Finanziell bleibt die Transaktion eng mit dem Ausbau der Infrastruktur verknüpft. Ever After Foods sichert sich parallel zur Übernahme über ein Simple Agreement for Future Equity eine zusätzliche strategische Investition in Höhe von 2 Millionen US-Dollar. Das Geld soll nach Angaben der Unternehmen die weitere Plattformentwicklung sowie die Kommerzialisierung finanzieren. Für die Bewertung ist dabei wichtig, dass die Investition nicht als sofortige Vermarktungsmaßnahme formuliert wird, sondern als Finanzierung der nächsten Produktions- und Integrationsschritte – also genau der Bereich, in dem bei kultivierten Proteinen bisher besonders viel Entwicklungs- und Validierungsarbeit anfällt.
Ein weiterer Baustein im Hintergrund ist die Eigentümerstruktur und damit auch die technologische Kontinuität: Ever After Foods gehört mehrheitlich Pluri Inc., das seinen Sitz in Haifa hat. Pluri hatte EAF ursprünglich unter dem Namen Plurinuva ausgegliedert und 2023 umbenannt. Unterstützt wird das Unternehmen vom israelischen Lebensmittelhersteller Tnuva. Inhaltlich beschreibt das Setup eine offene, artenunabhängige Produktionsplattform, die Biologie, Nährmedien, Bioprozesstechnik und Produktionstechnologie zusammenführt. Dazu passt auch, dass Ever After Foods Pluris 3D-Zellexpansionstechnologie lizenziert und die Rechte 2024 auf den Bereich Seafood ausgeweitet wurden – ein Signal dafür, dass die Plattform nicht nur für ein einzelnes Produktsegment gedacht ist.
Die Marktlogik des Deals zeigt sich dann in der geplanten Anwendung: Die Unternehmen wollen ein erstes kommerzielles Programm für kombinierte Plattformfähigkeiten auf kultivierte funktionale Proteiningredienzien für den Premium-Bereich der Heimtiernahrung ausrichten. Heimtiernahrung gilt dabei als Kategorie, die beide Firmen wegen Nachfrage und regulatorischer Position hervorheben. Darüber hinaus soll die Plattform kultiviertes Fleisch, Seafood und weitere Proteinanwendungen für Lebensmittel- und Ingredienzienhersteller unterstützen. Genau an dieser Stelle wird der Wandel sichtbar, den mehrere Anbieter in der Branche derzeit vollziehen: weg von isolierter Technologieentwicklung hin zur industriellen Integration und Vermarktungsfähigkeit. In dem Sinne ist Fishway nicht nur ein zusätzlicher Forschungsstandort, sondern ein Baustein für die Skalierungskompetenz.
Branchenintern ordnet sich der Deal in eine Phase ein, in der Unternehmen für kultivierte Proteine verstärkt Produktionsinfrastruktur bündeln statt ausschließlich eigenständig an einzelnen Produktlinien zu arbeiten. Das trifft besonders auf Pluri zu, das laut Quelle rund 69 Prozent an Ever After Foods hält und in Bereichen wie regenerative Medizin, Longevity und Lebensmitteltechnologie aktiv ist. Gleichzeitig kooperiert Pluri seit Anfang 2025 mit Büchler bei der Entwicklung skalierbarer Produktionssysteme für kultiviertes Fleisch. Solche Partnerschaften zeigen, dass die Wettbewerbsfrage in den nächsten Jahren häufig nicht „wer hat die beste einzelne Technologie“ lautet, sondern „wer integriert am zuverlässigsten mehrere Prozessschritte zu einem wiederholbaren industriellen Ablauf“ – inklusive Qualitätskontrolle und Medienkosten.
Für Unternehmen, die sich mit der Implementierung kultivierter Proteine beschäftigen, heißt das konkret: Die Beschaffung und Formulierung von ACF-freien Nährmedien wird zu einem zentralen Differenzierungsmerkmal, weil tierische Inputs nicht nur aus ethischer Sicht, sondern auch hinsichtlich Lieferketten- und Prozessrisiken relevant sind. Wenn Fishways Expertise in ACF-freien Medien und aquatischen Zelllinien in eine bereits vorhandene Produktionsplattform integriert wird, entsteht eine Richtung, die sowohl den Seafood-Fokus als auch die allgemeine Plattformstrategie stärkt. Für die nächsten Schritte bleibt entscheidend, wie gut die kombinierten Systeme sich in produktionsnahen Pilotläufen stabil betreiben lassen und wie schnell das Unternehmen die geplanten Programmschwerpunkte in industrielle Abläufe überführt – dort, wo Integration, Skalierung und Wirtschaftlichkeit gleichzeitig erfüllt werden müssen.
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