LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft zeigt deutliche Lücken beim Hitzeschutz. Nur 41 Prozent der Kliniken können Patientenzimmer überhaupt aktiv kühlen, etwa per Klimaanlage. Selbst wenn eine Grundkühlmöglichkeit vorhanden ist, werden im Mittel nur 24 Prozent der Zimmer tatsächlich gekühlt. Als Hauptbremse nennen die Befragten vor allem Geldmangel und unzureichende Investitionskostenfinanzierung der Länder.

Wenn Hitzeperioden wie im aktuellen Sommer in vielen Regionen Deutschlands auf knapp bewohnbare Temperaturen klettern, entscheidet sich der Schutz im Krankenhaus nicht an der medizinischen Dringlichkeit allein, sondern auch an der Raumtechnik. Laut einer Umfrage, die das Deutsche Krankenhausinstitut für die Deutsche Krankenhausgesellschaft erhoben hat, können lediglich 41 Prozent der Krankenhäuser Patientenzimmer aktiv kühlen. In 59 Prozent der Häuser gibt es demnach keine entsprechende Möglichkeit – also auch nicht in der Notwendigkeitssituation, in der Patienten besonders empfindlich auf Überwärmung reagieren.
Die Zahlen wirken noch schärfer, wenn man die Verfügbarkeit auf Zimmer-Ebene betrachtet. Von den Kliniken, die grundsätzlich über eine Kältemöglichkeit verfügen, wird im Mittel nur rund jedes vierte Zimmer gekühlt: 24 Prozent. Die Intensivbereiche bleiben dabei ausdrücklich ausgenommen – ein wichtiger Punkt, weil sich die Versorgungssituation dort häufig durch andere Technik, engere Überwachung und separate Infrastruktur unterscheidet. Der Mittelwert wird zudem dadurch geprägt, dass viele Häuser zwar Kälte „irgendwo“ vorhalten, aber nur begrenzt: Die Hälfte verfügt dem Bericht zufolge über höchstens elf Prozent gekühlter Zimmer, während das obere Viertel mindestens 30 Prozent schafft.
Warum diese Verteilung so unterschiedlich ausfällt, wird in der Umfrage vor allem mit strukturellen Finanzierungsproblemen erklärt. 97 Prozent der Befragten sehen finanzielle Gründe als Hindernis für einen Ausbau beim Hitzeschutz. Neben dem Geld kommen weitere Bremsen hinzu: hoher bürokratischer Aufwand sowie fehlende Flexibilität für Fördermaßnahmen. Technisch ließe sich Kühlen zwar grundsätzlich über mehrere Wege organisieren – etwa durch Klimaanlagen oder andere Kälteverteilung –, doch ohne belastbare Investitionsmittel bleibt die Umsetzung oft auf einzelne Bereiche beschränkt statt auf die Breite der Patientenzimmer zu kommen.
In diesem Kontext spielt die Frage der Investitionskostenfinanzierung eine zentrale Rolle. Der Chef der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, führt als Ursache die unzureichende Investitionskostenfinanzierung der Länder an: Die Länder deckten die Kosten nur zu rund 60 Prozent, während die Krankenhäuser den Rest für Kühltechnik und weitere notwendige Investitionen nicht allein tragen könnten. Um den Vergleich greifbar zu machen, nimmt er dabei die Logik der Grundversorgung in den Blick: Niemand plane ein Krankenhaus ohne Heizung – beim Kühlen werde fehlende Technik aber offenbar häufig weiterhin als Normalfall behandelt. Für Kliniken bedeutet das in der Praxis, dass Modernisierungen häufig dann scheitern, wenn sie gleichzeitig Planungssicherheit, Bauzeiten und Budgetdruck unter einen Hut bringen müssen.
Der gesundheitliche Hintergrund macht die Lage zusätzlich dringlich. Das Robert-Koch-Institut meldete für diesen Sommer 12.500 Hitzetote; neue Zahlen werden für den weiteren Verlauf erwartet. Gaß beschreibt den Befund als beschämend und kritisiert, dass erst die große Zahl an Todesfällen Bewegung in die Debatte um Hitzeschutz in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen bringt. Für Entscheider ist dabei weniger die Schlagzeile entscheidend als die Systemwirkung: Wenn Schutzmaßnahmen erst spät nachgesteuert werden, leiden Patienten während der Extremphase unter fehlender thermischer Kontrolle – und das betrifft nicht nur akute Fälle, sondern auch Erholung, Schlafqualität und Stabilität im Behandlungsalltag.
Welche Konsequenzen sich daraus für die nächsten Sommer ergeben, hängt stark davon ab, wie schnell und wie breit Kliniken Kälteleistung in die Fläche bringen können. Die Umfrage weist außerdem darauf hin, dass Allgemeinkrankenhäuser Patientenzimmer im Schnitt besser kühlen als Psychiatrien – ein Hinweis darauf, dass bauliche Anforderungen, Bettenstrukturen und Betriebskonzepte je nach Fachrichtung zu unterschiedlichen Technikumsetzungen führen. Für Betreiber stellt sich damit vor allem die Frage nach Priorisierung: Reicht eine „punktuelle“ Kälteversorgung für besonders gefährdete Patientengruppen, oder muss sich der Standard auf einen größeren Anteil der Zimmer ausweiten, um in Hitzeperioden tatsächlich Wirkung zu entfalten?
Aus Branchen- und Managementsicht geht es bei dem Thema letztlich um Resilienz: Hitzeschutz ist keine Komfortfunktion, sondern Teil der Versorgungssicherheit. Wenn 59 Prozent der Häuser keine aktive Kühlung anbieten können und selbst bei vorhandener Infrastruktur nur 24 Prozent der Zimmer gekühlt werden, entsteht ein strukturelles Risiko, das sich bei steigender Hitzefrequenz verstärkt. Der Bericht legt nahe, dass die Debatte nicht bei der Medizintechnik stehen bleiben darf, sondern die Investitionslogik, Fördermechanismen und Planungsfähigkeit der Betreiber zusammengeführt werden müssen – mit dem Ziel, dass „spürbar besser“ nicht erst im nächsten Sommer als Hoffnung formuliert wird, sondern durch nachweisbare Kapazitäten in den Patientenzimmern.
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