DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Caravan-Branche setzt nach dem Corona-Boom zwar auf eine robuste Grundstimmung, doch die Zulassungszahlen geben im Jahr 2026 spürbar nach. In den ersten sieben Monaten sank die Zahl neu zugelassener Reisemobile und Wohnwagen um 3 Prozent auf 63.329 Fahrzeuge. Besonders Reisemobile verlieren an Fahrt, während Caravans vergleichsweise weniger schwächeln. Parallel steigt die Erwartung an den Caravan Salon am 28. August, weil Händler und Hersteller wieder stärker Käufergruppen ansprechen wollen.

Nach dem Corona-Hoch beginnt für Deutschlands Caravan-Branche 2026 eine Phase, die weniger von Enthusiasmus als von nüchterner Mengenentwicklung geprägt ist. Der Caravaning Industrie Verband (CIVD) meldet für die ersten sieben Monate des Jahres 2026 in Deutschland einen Rückgang bei neu zugelassenen Freizeitfahrzeugen: Zusammen kamen 63.329 Reisemobile und Wohnwagen neu auf die Straße, das entspricht einem Minus von 3 Prozent. Im Jahr zuvor war das Bild bereits leicht gedämpft; für das komplette Vorjahr hatte der Verband ein Minus von 2,3 Prozent genannt. Auffällig ist der Kontrast zur Pandemizeit, als sich viele Menschen für Caravaning entschieden, unter anderem wegen der Sorge vor Ansteckungen und wegen Einschränkungen bei Flugreisen.
Technisch betrachtet zeigt sich die Nachfrage hier weniger als “Trendbruch” im Konsum, sondern als Reaktion auf Kaufkraft, Erwartungssicherheit und den Umgang mit gebundenem Kapital. Ein Wohnwagen oder ein Reisemobil ist für viele Haushalte eine Investition, die sich nicht wie ein spontaner Online-Kauf kurzfristig aus dem Budget heraus verschieben lässt. Der CIVD ordnet das deshalb in die schwache Konjunktur ein: Manche Bürger scheuen aktuell hohe Ausgaben, während Hersteller zugleich noch Altbestände abbauen, die sie im Zuge des Corona-Booms produziert hatten. In den Zulassungszahlen schlägt sich das deutlich nach Segmenten nieder: Für die ersten sieben Monate 2026 wurden 50.118 Reisemobile neu zugelassen, das ist ein Minus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei den Caravans lag das Minus bei 1,9 Prozent auf 13.211 neu zugelassene Fahrzeuge.
Der größte Teil des Marktes entfällt damit weiterhin auf Reisemobile, während Caravans eher stabiler bleiben. Für Brancheninsider ist das auch historisch plausibel: Während sich Camping- und Freizeitgewohnheiten fest etabliert haben, verändern Konjunkturphasen die Balance zwischen “kleinerem Einstieg” und “größerer Anschaffung”. Der Verband setzt dabei auf eine doppelte Argumentationslinie. Einerseits sei es nach Corona “normal”, dass die Zuwächse abflachen; andererseits sei das Produkterlebnis robust genug, um Nachfrage nicht vollständig zu verlieren. Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des CIVD, bringt diese Haltung mit der Formulierung auf den Punkt: „Wir machen eine kurze Zwischenpause und atmen durch – und wenn es der Wirtschaft wieder besser geht und der Energieschock vorbei ist, dann wird es wieder besser.“
Dass sich die Perspektive auf das Produkt selbst stützt, zeigt sich auch an den Kennzahlen zur langfristigen Fahrzeugbasis. Der Verband nennt den Oberbegriff Freizeitfahrzeuge und ordnet dessen Entwicklung als strukturelles Wachstum ein: Von 2015 bis 2025 habe sich die Anzahl der Freizeitfahrzeuge verdoppelt. Das Wachstum fand demnach vor allem bei Reisemobilen statt; die Zahl der Caravans stagnierte. Aktuell sind in Deutschland rund 1,8 Millionen Freizeitfahrzeuge zugelassen. Interessant ist daran weniger die absolute Größe allein, sondern die Konsequenz für Ersatzkäufe: Wenn ein großer Bestand existiert, entsteht zwar grundsätzlich die Möglichkeit für einen späteren Austauschzyklus, aber dieser läuft in einer Abschwungphase häufig langsamer an. Onggowinarso verweist deshalb auf die Kundenbindung und auf die Produktdauer: „Wir haben eine emotionale Klientel, die an ihrer Reiseform hängt – wir bauen nur einfach zu gute Produkte, die gehen nicht kaputt, es gibt keinen Bedarf, etwas auszutauschen.“
Für Unternehmen wirkt das wie eine Blaupause, wie man in schwankenden Absatzphasen plant: Nicht nur den Absatz heute betrachten, sondern die gesamte “Nutzungsdauer-Ökonomie” im Bestand. Genau hier wird auch klar, warum der Caravan Salon als Scharnier zwischen Angebot und Kaufinteresse zählt. Der Event startet am 28. August und soll nach Angaben der Veranstalter mehr als 830 Aussteller bündeln. Das ist mehr als der Rekordwert des Vorjahres mit 810 Ausstellern. Parallel nennt die Messe Düsseldorf Besuchszahlen aus dem vergangenen Jahr: 269.000 Menschen seien in die Hallen gekommen; der Besucher-Höchstwert von 2019 sei nur knapp verfehlt worden. Für 2026 peilt Stefan Koschke von der Messe Düsseldorf mindestens 250.000 Besucherinnen und Besucher an, betont aber zugleich, dass es nicht primär um Masse geht.
Das Marketingziel lautet demnach “Käuferklientel statt reine Frequenz”. Koschke stellt heraus: „Wir wollen Käuferklientel ansprechen – darauf zielt unser ganzes Marketing, unser ganzes Tun.“ Dahinter steckt eine für die Branche entscheidende Erkenntnis: Selbst wenn ein Markt temporär weniger Neuzulassungen zeigt, bleibt die Kaufentscheidung im Umfeld von Messen und Händlernetzwerken häufig konzentriert. In einer Phase, in der sich Altbestände und neue Produktion zeitlich überlagern, gewinnt die konkrete Auslastung der Vertriebswege an Gewicht. Für Hersteller bedeutet das außerdem, dass Preis- und Finanzierungsangebote vermutlich stärker differenziert werden müssen, statt pauschal auf Volumen zu setzen. Und für Händler kann es sich lohnen, mehr Energie in Bestandsfahrzeuge mit klarer Spezifikation zu investieren, statt sich allein auf den “nächsten Modelljahrgang” zu verlassen.
Auch wenn die Zahlen für die ersten sieben Monate 2026 ein spürbares Minus zeigen, bleibt die strukturelle Nachfrage nach Caravaning nach Aussage des Verbandes groß. Gerade weil die emotionale Bindung hoch ist und Freizeitfahrzeuge inzwischen in viele Lebensentwürfe gehören, dürfte das Tal weniger auf “fehlendes Interesse” als auf “verschobene Anschaffungen” zurückzuführen sein. Ein weiterer Treiber ist dabei die Konjunktur-Sensitivität: Sobald sich die wirtschaftliche Lage stabilisiert und die Rahmenbedingungen für Haushaltsbudgets besser werden, kann ein Teil der Nachfrage wieder in den Neukauf kippen. Für die nächsten Monate wird deshalb entscheidend, ob sich die Zulassungen nur kurzfristig beruhigen oder ob ein erneuter Anstieg einsetzt – und ob der Caravan Salon gelingt, aus Besuchern wieder gezielt Konsumenten zu machen.
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