LONDON (IT BOLTWISE) – Sandoz verschiebt 2026 spürbar den Schwerpunkt: Biosimilars entwickeln sich zum wichtigsten Wachstumstreiber des Unternehmens. Im ersten Halbjahr steigt ihr Anteil am Gesamtumsatz auf 33 Prozent und erreicht damit einen neuen Höchstwert. Während das klassische Generikageschäft weiter unter Preisdruck steht, legen die Biosimilar-Umsätze in Nordamerika besonders stark zu. Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll, weil regulatorische Hürden, Qualitätsanforderungen und rechtliche Risiken den Takt der Umsetzung mitbestimmen.

Sandoz: Biosimilars werden 2026 zum Wachstumsmotor – warum das zählt
Sandoz: Biosimilars werden 2026 zum Wachstumsmotor – warum das zählt (Foto: IT BOLTWISE)
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Beim Blick auf Sandoz fällt 2026 vor allem eines auf: Die Biopharma-Ecke des Konzerns ist nicht mehr „zusätzliche Baustelle“, sondern wird zur Umsatzsäule. Laut den genannten Unternehmensangaben entwickelten sich Biosimilars im ersten Halbjahr 2026 zum wichtigsten Wachstumstreiber. Das ist in der Logik des Marktes konsequent, denn mit dem Auslaufen zahlreicher Patente biologischer Medikamente öffnet sich der Raum für preislich wettbewerbsfähige Alternativen. Wer in dieser Phase schnell und zuverlässig liefern kann, gewinnt nicht nur Marktanteile, sondern auch Planbarkeit für die nächsten Quartale.

Technisch und regulatorisch trennt dabei ein zentraler Punkt Generika und Biosimilars. Klassische Generika basieren auf chemisch hergestellten Wirkstoffen und lassen sich dadurch in der Regel nahezu identisch zum Original abbilden. Biosimilars hingegen orientieren sich an biotechnologisch produzierten Arzneimitteln, die aus lebenden Zellen heraus entstehen und deshalb in der Herstellung deutlich komplexer sind. Entsprechend fordert der Regulierungsrahmen vergleichende Nachweise zur Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität. Diese höhere Eintrittsbarriere schützt den Markt zwar nicht vor Wettbewerb, aber sie reduziert den Kreis derjenigen, die als neue Anbieter wirklich liefern können – ein Vorteil für Hersteller mit etablierter Entwicklung und globaler Produktionsinfrastruktur.

Genau an dieser Stelle beschreibt die Sandoz-Strategie ihren eigenen Hebel: Die Basler Gesellschaft will die Position im Generika-Markt halten und parallel den Ausbau bei Biosimilars deutlich beschleunigen. Der Weg dorthin ist auch historisch erklärbar. Bis zur Abspaltung aus dem Novartis-Umfeld im Jahr 2023 stand Sandoz häufig im Schatten des Mutterkonzerns, inzwischen treten die eigenen Wachstumspläne aber klarer hervor. Die Geschäftszahlen untermauern die Richtung: Im zweiten Quartal 2026 stiegen die währungsbereinigten Konzernumsätze um 7 Prozent auf rund 3,0 Milliarden US-Dollar. Besonders dynamisch verlief dabei das Biosimilar-Geschäft, dessen Umsatz um 22 Prozent zulegte; das klassische Generikageschäft bewegte sich dagegen zwar wieder auf einen leichten Wachstumspfad, verzeichnete aber „nur“ ein Plus von 1 Prozent.

Auch die Umsatzstruktur zeigt, dass Biosimilars zunehmend nicht nur strategisch, sondern bilanziell relevant sind. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen laut den Angaben 33 Prozent des Gesamtumsatzes auf Biosimilars; ein Jahr zuvor waren es 29 Prozent. Regional sticht Nordamerika heraus: Dort legten die Biosimilar-Umsätze im ersten Halbjahr währungsbereinigt um 47 Prozent zu. Der US-Markt gilt in diesem Kontext als besonders attraktiv, weil biologische Medikamente dort häufig höhere Preise erzielen als in Europa. Für Gesundheitssysteme bedeutet das eine konkrete Rechnung: Wenn Patentschutz endet und günstigere Alternativen verfügbar werden, sinken potenziell Behandlungskosten – und damit steigt der politische und betriebliche Anreiz, Biosimilars schneller zu integrieren.

Gleichzeitig bleibt das Umfeld für Hersteller wie Sandoz anspruchsvoll. Das klassische Generikageschäft steht laut Angaben seit Jahren unter Preis- und Wettbewerbsdruck, weil Gesundheitssysteme Arzneimittelkosten fortlaufend senken. Dazu kommen steigende Anforderungen an Produktion und Qualität, die sowohl den Aufwand als auch die Komplexität erhöhen. Zudem können geopolitische Entscheidungen den Markt indirekt beeinflussen, etwa wenn in den USA über mögliche Importzölle auf Arzneimittel diskutiert wird. Für global tätige Unternehmen ist dabei weniger die Schlagzeile entscheidend, sondern die genaue Ausgestaltung und welche Produktgruppen betroffen wären; im Bericht wird zudem darauf verwiesen, dass sich die Auswirkungen derzeit noch nicht verlässlich abschätzen lassen.

Ein weiterer Belastungstest betrifft rechtliche Risiken. Anfang August erzielte Sandoz nach eigenen Angaben eine Einigung mit zahlreichen US-Bundesstaaten in einem langjährigen Kartellverfahren über den Generikamarkt. Die Vergleichszahlungen sollen sich insgesamt auf 450 Millionen US-Dollar belaufen; zugleich betont Sandoz, dass man kein Fehlverhalten zugesteht. Solche Settlements sind im Markt üblich, weil sie Verfahren zeitlich beenden und Rechtssicherheit erhöhen können, ohne dass alle Parteien einen endgültigen Schuldspruch benötigen. Operativ zeigt sich dennoch eine klare Verbesserung: Im ersten Halbjahr 2026 stieg das bereinigte operative Ergebnis (Core EBITDA) um 15 Prozent auf über 1,2 Milliarden US-Dollar, die Core-EBITDA-Marge wuchs auf 20,9 Prozent. Parallel bestätigte das Management die Jahresprognose und hält damit am beschriebenen Kurs fest.

Für die nächsten Jahre ist das langfristige Potenzial vor allem durch die Pipeline-Realität zu erklären: Viele biologische Wirkstoffe stehen mittelfristig vor weiteren Patentabläufen, sodass der Biosimilar-Markt weiter wachsen dürfte. In der Branche wird deshalb eine dynamische Phase erwartet, die besonders etablierte Anbieter begünstigt, sofern sie ihre Produktpipelines erfolgreich ausbauen und neue Präparate rechtzeitig in den Markt bringen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Zulassung, sondern auch die Akzeptanz im Alltag: Ärztinnen und Ärzte müssen Biosimilars im Behandlungspfad als gleichwertige Option nutzen können, Patientenzugang und Gesundheitssysteme müssen dafür die Rahmenbedingungen schaffen. Während Generika weiterhin das Fundament bleiben, entwickelt sich das Biosimilar-Geschäft zunehmend zum Wachstumsmotor für Sandoz – und damit auch zum zentralen Bewertungsmaßstab für die nächsten Quartale.


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