PEKING / LONDON (IT BOLTWISE) – Spektakuläre humanoide Roboter-Videos aus China zeigen viel Tempo, aber noch nicht die nötige Alltagssicherheit. Der TU-München-Robotik-Professor Alexander König erklärt, warum Menschen in der Pflege andere Verfügbarkeits- und Zuverlässigkeitsanforderungen erwarten als in Fabriken. Sein Beispiel Garmi ist auf assistierende Handgriffe ausgelegt und soll Aufgaben abnehmen, nicht menschliche Nähe ersetzen. Zudem ordnet König die Entwicklung als schrittweise Softwarereise ein, die einen echten Durchbruch nicht vor 2036 erwarten lässt.

Die Diskussion um humanoide Roboter bekommt aktuell Rückenwind durch spektakuläre Videos aus China: Ein System läuft scheinbar schneller als ein Sprintstar und „führt“ dann eine akrobatische Aktion aus, bevor es sichtlich scheitert. Alexander König von der TU München nimmt diese Clips als Ausgangspunkt, aber nicht als Beleg für Alltagstauglichkeit: Die gezeigten Manöver seien eindrucksvoll, häufig jedoch nicht unabhängig verifiziert und stützten sich zunächst auf Herstellerangaben. Das eigentliche Problem sieht er weniger in der Dynamik als in der fehlenden Robustheit gegenüber realen Bedingungen. Sobald die Umgebung nicht mehr streng kontrolliert ist, kippt die Zuverlässigkeit schnell von „funktioniert im perfekten Versuch“ zu „funktioniert nicht reproduzierbar“.
Genau deshalb verlagert König den Fokus von der Show in Richtung Assistenz. Mit Garmi existiert ein humanoider Roboter, der im Oberkörperbereich gestaltet ist, zwei Arme besitzt und über eine Bewegungsmechanik verfügt, die sich an menschlichen Bewegungsabläufen orientiert. Entscheidend ist aber die Systemarchitektur: Statt auf zwei Beine setzt das Team bewusst auf eine rollende Plattform. Der Grund ist technisch und pragmatisch zugleich. Ein Zweibeiner wirkt nur dann „elegant“, wenn die Software stabil läuft und die Energieversorgung robust bleibt; fällt eines davon aus, kippt das Gesamtsystem. Für den Pflegeeinsatz soll die Maschine stattdessen vor allem eine sichere Basis haben, damit Assistenzfunktionen auch bei Störungen nicht sofort in ein Risiko übersetzen.
Der Einsatz in der Pflege unterscheidet sich laut König zudem fundamental von Robotik in Fabrikhallen. Produktionen sind hochgradig strukturiert: Lichtverhältnisse, Sicherheitsregeln und Bewegungsräume lassen sich kontrollieren, Messpunkte sind klar definiert, und Abweichungen sind oft vorhersehbar. Das Zuhause dagegen beschreibt er als „perfektes Chaos“: Jede Wohnung sieht anders aus, Positionen verändern sich über den Tagesverlauf, und Gegenstände tauchen an Orten auf, die kein Modell zuverlässig „vorhersehen“ kann. Für humanoide Systeme bedeutet das: Sie brauchen nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern vor allem Sicherheit, Verlässlichkeit und eine saubere Interaktion mit der physischen Welt. In der Pflege sei eine Fehlerquote nicht akzeptabel, die in anderen Robotikdomänen noch als beeindruckender Teilerfolg durchgeht.
Technisch lässt sich dieses Dilemma an einem Alltagsbeispiel erklären. Das Greifen eines Eis oder das Halten einer Tasse klingt nach einer Lernaufgabe, wird aber erst durch die Kraftregulation und die Rückkopplung mit der Umgebung wirklich schwierig. König schildert den Kern: Simulationen können zwar Kräfte modellieren und Bewegungsabläufe demonstrieren, sie bilden die Realität aber nie exakt ab. Und selbst „zehnmal gezeigt“ heißt nicht automatisch verstanden, weil Roboter nicht nur Bewegungen abspulen dürfen, sondern Begriffe und Objektvorstellungen bilden müssen. Als moderner Ansatz nennt er sogenannte World Models, die physikalische Abläufe vorhersagen sollen. Auch das löst das Grundproblem seiner Darstellung nach noch nicht vollständig, denn die Maschine muss bei einem neuen Kontext erkennen, was eine „Tasse“ überhaupt ist und wie sich das Greifen an Materialunterschieden, Reibung und Position orientiert.
Damit verbunden ist eine zweite Hoffnung: kollektives Lernen. Der Gedanke dahinter ist ein Transfer von Wissen über mehrere baugleiche Roboter hinweg. König nutzt das Bild mit dem Klavierspielen, um den Unterschied zu Robotern zu betonen: Wenn eine Person übt, hilft das nicht automatisch der nächsten Person. Bei Robotern soll eine gelernte Fähigkeit hingegen in andere Exemplare einfließen, sodass alle von einem einmal trainierten „Können“ profitieren. Die entsprechende Architektur existiere allerdings noch nicht vollständig. Das bremst den Zeitsprung, den viele aus dem Bereich der KI-Entwicklung erwarten, und erklärt zugleich, warum man eher über Updates als über „über Nacht alles können“ sprechen muss.
In diesem Zusammenhang ordnet König den Zeitplan nüchtern ein: Einen echten Durchbruch erwartet er nicht vor 2036. Das bedeutet nicht, dass 2050 plötzlich überall Allzweck-Roboter in Wohnungen stehen, die jede Aufgabe erledigen. Wahrscheinlicher sei ein schrittweiser Rollout: Zuerst übernimmt ein System einzelne Aufgaben, anschließend ergänzt Softwareupdates weitere Fähigkeiten. König nennt als Beispiele Hol- und Bringdienste, Erinnerung an Medikamente, Kommunikation oder Unterstützung bei Bewegungsabläufen. Insgesamt identifiziert das Team rund 500 pflegerische und pflegenahe Aufgaben, die ein Assistenzroboter perspektivisch übernehmen könnte. Damit verschiebt sich das Wertversprechen weg vom „menschlichem Ersatz“ hin zu Zeitgewinn, wobei König ausdrücklich sagt, dass die Nähe zum Menschen nicht ersetzt werden soll.
Die Markt- und Gesellschaftsfrage bleibt trotzdem offen und ist in der Argumentation eng mit Software verknüpft. Wenn Pflege heute knapp ist, akzeptieren viele Beteiligte kurze Besuchsfenster; wird Pflege jedoch stärker verfügbar, entstehen laut König auch andere Erwartungshaltungen und längere Betreuungszeiten. Für die Finanzierung unterscheidet er außerdem zwischen Hardwarekosten und dem, was er „die entscheidende Frage“ nennt: welche Intelligenz im Roboter steckt und wie gut er mit anderen Systemen vernetzt ist. Für Deutschland sieht er eine strukturelle Lücke: Während Forschung, Produktion und sicherheitskritische Anwendungen stark seien, gelinge nicht in ausreichendem Maße die Überführung in tragfähige Geschäftsmodelle. China könne aufgrund staatlicher Nachfrage und Massenproduktion in großen Stückzahlen liefern, die USA stünden dank Kapitalzufluss besser da, während Deutschland in beiden Bereichen hinterherhinke.
Für politische Stellschrauben zieht König den Staat als möglichen Katalysator heran. Er beschreibt Kapital als zentralen Faktor und nennt als Beispiel, dass in China staatliche Abnahme die Markteinführung stützen kann, bis sich die Nachfrage selbst trägt. Gleichzeitig warnt er vor einem zu schnellen Absenken von Standards: „Made in Germany“ stehe für Qualität und Sicherheit, und in ethischen Fragen dürfe man keine Kompromisse machen. Die Lösung sieht er daher weniger im Aufweichen von Regeln, sondern in gezielter Entlastung dort, wo regulatorische Hürden seiner Ansicht nach keinen Mehrwert liefern. Im internationalen Wettbewerb sieht er trotzdem Chancen – aber nicht überall. In Nischen wie der Pflege könne Deutschland früh genug einen Vorsprung aufbauen, wenn aus technischer Stärke ein konsequentes Geschäftsmodell wird.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Humanoide Pflege-Roboter: Warum der Durchbruch erst nach 2036 realistisch ist" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Humanoide Pflege-Roboter: Warum der Durchbruch erst nach 2036 realistisch ist" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Humanoide Pflege-Roboter: Warum der Durchbruch erst nach 2036 realistisch ist« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!