LONDON (IT BOLTWISE) – „Bitcoin Infinity Day“ fällt auf Freitag, den 21. August, und die Idee lautet: nicht verkaufen, sondern entweder Bitcoin kaufen oder einfach abwarten. Der Name verweist angeblich auf 8 als Unendlichkeits-Symbol und 21 als Hinweis auf den festen Angebotsrahmen von 21 Millionen Coins. Hintergrund ist die Erzählung, dass das knappe, unveränderliche Angebot bei gleichbleibender Nachfrage immer wieder neuen Preisdruck erzeugen kann. Gleichzeitig bleibt die Wirkung auf den Kurs im Alltag umstritten – ein einzelner Tag sei gegen das globale Spot-Volumen vermutlich zu klein.

Bitcoin Infinity Day: Warum am 21.8. das Verkaufen „verboten“ sein soll
Bitcoin Infinity Day: Warum am 21.8. das Verkaufen „verboten“ sein soll (Foto: IT BOLTWISE)
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Am 21. August verdichtet sich im Krypto-Alltag eine recht simple, aber wirkungsstark erzählte Regel: Halter sollen an diesem „Infinity Day“ entweder kaufen oder sich zumindest beim Verkauf zurückhalten. Die Idee wirkt wie ein Ritual, weil sie ein Verhaltensmuster vorgibt, das sich leicht in sozialen Netzwerken wiederholen lässt. Der Kern bleibt dabei bewusst unscharf genug, um als gemeinsames Narrativ zu funktionieren: Wer „mitmacht“, verzichtet für einen Tag auf Verkäufe, wer nicht „kauft“, hält ebenfalls an der Position fest. Genau dieses Zusammenspiel aus symbolischer Datierung und kollektiver Selbstbindung ist der Grund, warum das Datum Jahr für Jahr wieder auftaucht, auch wenn sich die echte Marktmechanik dadurch nicht mathematisch verändert.

Technisch betrachtet berührt das Konzept zwei Ebenen, die im Krypto-Marketing oft ineinanderfließen: Zum einen die symbolische Codierung der Zahl 8/21, zum anderen die harte Angebotslogik von Bitcoin. In der Erzählung soll die 8 durch die Rotation zum Unendlichkeitszeichen werden, während die 21 für den festen Cap von 21 Millionen Coins steht. Diese Verbindung ist nicht nur Deko, sondern dient als Story-Begründung: Die Knappheit entstehe nicht durch „Verknappung im laufenden Betrieb“, sondern durch die vorab definierte Emissionskurve, die sich über die Zeit hinweg nicht „umbiegen“ lässt. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass selbst ein fester Supply-Schedule keinen automatischen Preisanstieg garantiert; dafür braucht es Nachfrage, Liquidität und ein über den Tag hinaus wirkendes Gleichgewicht. Dennoch ist die psychologische Komponente real: Ein gemeinsamer Kalendertag erzeugt sichtbare Verhaltensgleichförmigkeit, zumindest in den Köpfen der Teilnehmer.

Als Ursprung wird eine Idee des schwedischen Autors Knut Svanholm genannt, der das Konzept am 10. August 2021 skizziert haben soll. In der damaligen Darstellung ging es um eine koordinierte Pause beim Verkauf, die sich offenbar über Hashtags schnell verbreitete. Svanholm arbeitete dabei mit einer eigenen Gedankenlinie zur Zahl 1/21 Million als Leitsatz für „alles geteilt durch einen festen Nenner“ und verband daraus das „∞/21M“-Symbol, das er bis heute im Umfeld seiner Darstellung nutzt. Entscheidend ist: Der Vorschlag formuliert keine technische Änderung an Bitcoin, sondern eine soziale Regel. Genau deshalb bleibt das Ganze in erster Linie eine Verhaltens- und Narrativfrage – und erst in zweiter Linie eine potenzielle Ursache für kurzfristige Marktbewegungen.

Dieses Jahr bekommt das Narrativ zusätzlich Rückenwind durch die Marktlage: Bitcoin stieg den Angaben zufolge um 8,37 % pro Tag auf rund $75.360, und die Marktbewertung lag wieder über $1,51 Billionen. Noch auffälliger wirkt der Stimmungsumschwung, weil der Crypto Fear and Greed Index laut den genannten Zahlen von 46 auf 62 kippte – also vom Bereich „Fear“ in Richtung „Greed“. In so einer Konstellation können sich Short-Seller besonders anfällig zeigen, wenn steigende Kurse wie ein Katalysator für „Eindeckungen“ wirken. Berichten zufolge wurden Short-Positionen im Wert von etwa $1,06 Milliarden innerhalb eines einzigen Tages ausradiert, und die daraus resultierende Squeeze-Dynamik kann kurzfristig weiteren Kaufdruck erzeugen. Dass solche Bewegungen parallel zum Infinity-Day-Ritual passieren, macht die Geschichte plausibel – beweist aber nicht automatisch die Ursache.

Die Kritik setzt genau dort an: Ein einzelner Freitag mit Verkaufsverzicht sei im Verhältnis zum globalen Spot-Volumen vermutlich kaum isolierbar. Zudem gibt es auch Gegenstimmen innerhalb der Bitcoin-Community. Adam Back etwa soll einen früheren Impuls, den Cap von Bitcoin anzuheben, als „false narrative“ zurückgewiesen haben; damit adressiert er im Kern die Behauptung, Knappheit ließe sich „wegdiskutieren“. Parallel warnte Changpeng Zhao zuletzt davor, dass viele Millionäre sich bald nicht mehr leisten könnten, mindestens einen ganzen Bitcoin zu halten – seine Argumentation zielt auf das reale „Float“-Problem ab: Dormante und verlorene Coins schrumpfen den tatsächlich handelbaren Anteil. Und in eine andere Richtung zeigt das Beispiel Jeff Booth, der nach eigener Darstellung sehr lange mit dem Thema Bitcoin beschäftigt war und seine Perspektive auf Investitionen angepasst hat. In Summe zeigen diese Stimmen, wie unterschiedlich derselbe Kern (knappes Angebot, feste Geldpolitik durch Code) interpretiert wird: als langfristige These für strukturellen Wert, als kurzfristiges Narrativ oder als reines Storytelling ohne messbare Kurswirkung pro Tag.

Die Spannbreite wird auch durch historische Kursniveaus sichtbar: Bitcoin erreichte laut den genannten Angaben am 6. Oktober 2025 ein Hoch von $126.080, liegt demnach aber noch etwa 40 % darunter. Genau in diesem Umfeld bleibt die Knappheitsrhetorik erstaunlich robust. Der Infinity Day funktioniert dabei weniger wie ein „Handelsmechanismus“ und mehr wie ein gemeinsames Protokoll: Für eine begrenzte Zeit wird das Verhalten standardisiert („kaufen oder nicht verkaufen“) und der Markt bekommt dadurch ein wiederkehrendes Signal, das in Social Feeds, Watchlists und teils auch in Liquiditätsentscheidungen sichtbar wird. Für Investoren bedeutet das vor allem: Wer das Ritual verfolgt, setzt weniger auf eine deterministische Preisformel und mehr auf eine Wahrscheinlichkeitsschätzung, wie sich Stimmung, Orderbuch-Mechanik und Rollverhalten am Tag selbst verhalten könnten. Ein solches Muster kann kurzfristig Volatilität verstärken, ersetzt aber keine belastbare Evidenz, dass der einzelne Tag in jedem Zyklus tatsächlich eine überdurchschnittliche Kursänderung verursacht.

Für Marktteilnehmer, die das Ganze praktisch einordnen wollen, liegt die wichtigste Frage daher nicht in der Symbolik 8/21, sondern in der messbaren Marktstruktur rund um den Stichtag: Wie groß ist die erwartete Netto-Kauf- oder Netto-Verkaufsdifferenz, wie stark sind Margin- und Short-Positionen gespannt und wie schnell füllt sich fehlende Liquidität über Arbitrage? Im Kern wird das Ritual damit zu einem Stresstest für die Marktpsychologie. Und gerade diese Mischung erklärt, warum „Infinity Day“ trotz fehlender Belege für eine isolierte Kausalwirkung weiterlebt: Er liefert eine klare Handlungsoption in einem Markt, in dem viele Entscheidungen sonst diffus bleiben. Wenn die Stimmung – wie in den genannten Tagen – ohnehin Richtung Risikoappetit kippt, kann das zusätzliche Gewicht des Rituals die ohnehin vorhandene Dynamik verstärken. Ob das am Ende „am Datum liegt“ oder „nur im gleichen Zeitfenster“ entsteht, bleibt aber vor allem eine Frage der Auswertung über mehrere Zyklen hinweg.


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