BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Oliver Merkel, Seriengründer hinter Flink, bringt mit Blocks einen KI-Agenten an den Start. Major Tom soll die Cloud-Infrastruktur von Startups und Scaleups überwachen, verwalten und optimieren. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die AWS-Kosten, die laut Unternehmen sinken sollen. Merkel begründet den Schritt mit Erfahrungen aus Hyperwachstum, Krisenmanagement und der Suche nach schwer kopierbaren Wettbewerbsvorteilen.

Der nächste Gründungsschritt von Oliver Merkel wirkt zunächst wie ein Rollenwechsel: Vom Quick-Commerce mit versiegeltem Tempo hin zur IT-Infrastruktur, in der das Tempo meist als Kostenrisiko auftaucht. In Berlin gründete der Seriengründer gemeinsam mit Andreas Schroeter das Startup Blocks. Die Idee: Cloud-Ressourcen sollen nicht mehr nur administriert, sondern aktiv gesteuert werden – mit einem KI-Agenten namens Major Tom, der unternehmenseigene Umgebungen kontinuierlich im Blick behält. Damit greift Blocks ein Thema auf, das in vielen Startups erst spät sichtbar wird: Kostenexplosionen entstehen oft nicht durch einzelne Fehlkonfigurationen, sondern durch kumulierte Ineffizienzen über Projekte, Teams und Launch-Zyklen hinweg.
Technisch betrachtet setzt Blocks auf einen KI-Agenten, der für die Cloud-Infrastruktur entwickelt wurde und damit eine konkrete Domäne adressiert, statt nur „allgemeine“ Hilfe anzubieten. Major Tom soll nach Angaben des Unternehmens Workloads überwachen, so dass Ressourcen dort angepasst werden können, wo Effizienz fehlt. Gerade bei AWS ist das Spektrum an Stellschrauben groß: Es geht dabei typischerweise um die Abstimmung von Rechenleistung und Lastprofilen, um die richtige Dimensionierung von Speichern und Netzkomponenten und auch darum, Services so zu betreiben, dass sie nicht dauerhaft in überdimensionierten Betriebszuständen laufen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Optimierung an einem Punkt, sondern das Zusammenspiel aus Monitoring, Verwaltung und wiederholter Anpassung – also ein Prozess, der DevOps-Arbeit verschiebt und im besten Fall reduziert.
Blocks positioniert seine KI zudem bewusst als weniger generisch, sondern stärker an proprietären Daten ausgerichtet. Merkel erklärt, dass die Modelle auf unternehmensspezifischen Datensätzen trainiert werden, wodurch sie Standardmodelle aus seiner Sicht übertreffen sollen. In der Praxis ist das mehr als ein Marketing-Satz: Wenn ein System Kostenmuster, Nutzungshistorien und interne Betriebslogiken versteht, kann es Empfehlungen mit weniger „Übersetzungsarbeit“ ausgeben. Gleichzeitig macht das Unternehmen aus der technischen Erklärung eine für Nicht-Cloud-Spezialisten verständliche Botschaft – nach dem Motto einer garantierten Senkung der AWS-Kosten um 20 Prozent. Dass das Geschäftsmodell über eine solche Consumer-Logik in den B2B-Kontext gebracht wird, ist ein bemerkenswerter Kontrast zur typischen SaaS-Kommunikation, die oft über Features und Modellbegriffe argumentiert.
Merklers Weg von der Beratung zum eigenen Unternehmen liefert den Hintergrund für diese Mischung aus operativer Härte und klarer Produktkommunikation. Aus seiner Zeit bei Bain und BCG sagt er vor allem mitgenommen zu haben, wie CEOs in Drucksituationen Entscheidungen treffen, während man als Berater zwar nah an wichtigen Transaktionen ist, aber die Verantwortung am Ende nicht selbst trägt. Genau dort verortet Merkel den Wendepunkt: In der eigenen Firma kann er Entscheidungen treffen, Risiken eingehen und die Richtung selbst vorgeben. Der Sprung nach Südafrika und die frühere Gründung Flaconi beschreibt er dabei als Etappe, in der „Blut geleckt“ wurde – eine frühe Bestätigung, dass Unternehmertum ihn stärker anspringt als die Rolle als externer Ratgeber.
Mit Flink erlebte Merkel dann, wie schnell Erwartungen in hyperwachsender Nachfrage kippen. Quick-Commerce mit dem Versprechen „zehn Minuten“ startete mit Skepsis, weil viele das Modell für unnötig hielten; doch die Nutzungsroutine verschob sich, bis Kundenerwartungen selbst bei Sekundenabständen wurden. Als Risiko blieb das nicht nur strategisch, sondern auch finanziell: Merkel schildert, dass Flink im Vergleich zu manchen Wettbewerbern nicht mit Milliardenummen auskam, sondern mit „einigen Hundert Millionen“ deutlich kapitaleffizienter arbeiten musste. Der Tiefpunkt kam im Dezember 2023, als die Wachstumsdynamik in eine Krise umschlug und das Thema Insolvenzrecht plötzlich zur operativen Realität wurde. Seine Lehre: In solchen Situationen darf Unsicherheit nicht nach außen durchsickern, er muss als Geschäftsführer der Puffer sein und die Mannschaft durch eine klare Richtung führen.
Diese Erfahrungen fließen bei Blocks in eine andere Art von Skalierung zurück. Merkel unterscheidet klar zwischen dem operativen Aufwand bei Flink – dort gab es über 10.000 Fahrer auf der Payroll – und dem Ansatz bei Blocks, der als „AI Company“ aufgebaut werden soll. Weniger Personal für Wachstum klingt in vielen Pitch Decks gut, ist aber im Alltag nur dann plausibel, wenn Prozesse digitalisiert, Zuständigkeiten reduziert und Entscheidungen datenbasiert gestützt werden. Der Ansatz bei Blocks zielt genau darauf: Major Tom soll die Cloud-Kontrolle so übernehmen, dass Unternehmen weniger DevOps-Ressourcen benötigen oder zumindest früher ohne einen großen Ausbau auskommen. Dazu passt, dass das Unternehmen nach eigener Darstellung nach einem Jahr bereits hochprofitabel sein will – eine Aussage, die nicht nur eine Kennzahl ist, sondern als Strategie verstanden werden sollte: Profitabilität soll Freiheit geben, statt Wachstum in eine dauerhafte Finanzierungsabhängigkeit zu verwandeln.
Für den Markt ist besonders interessant, wie Blocks den Wettbewerb in einer Nische sucht, die nicht sofort in jedem Haus identisch nachbaubar ist. Merkel nennt als Beispiel die exklusive Einkaufskooperation mit Rewe bei Flink, die seiner Ansicht nach schwer kopierbar war; bei Blocks verweist er auf eine exklusive Partnerschaft mit AWS. Unabhängig von der Frage, wie schnell sich einzelne Teile dieser Wertkette replizieren lassen, hat der Ansatz eine klare industrielle Logik: Cloud-Kosten sind ein Querschnittsthema für viele Startups und Scaleups, und dort entscheidet die Summe aus Lastprofilen, Service-Choice und Betriebsdisziplin darüber, ob das Produkt wächst oder der Runway schmilzt. Wenn Blocks diese Lücke über KI-Agentik statt über reine Beratung füllt, verschiebt sich das Rollenbild für Infrastrukturteams – von „reagieren“ hin zu „automatisiert steuern“.
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