LONDON (IT BOLTWISE) – Vija Celmins steht 2025 und 2026 mit mehreren Ausstellungsformaten im Zentrum: In Riehen zeigte die Fondation Beyeler eine große Einzelausstellung. Zeitgleich läuft in New York die Gruppenschau „Summer in the City“ bei Gemini G.E.L. at Joni Moisant Weyl, die mehrere Druckgrafiken der Künstlerin präsentiert. Der Schwerpunkt liegt auf frühen 1980er-Jahren-Arbeiten und Motiven, die zwischen maritimen Oberflächen und dem Sternenhimmel oszillieren. Für Kuratoren und Sammler wird damit erneut sichtbar, wie konsequent Celmins Wiederholung, Tonwertdichte und feine Strukturkontraste in verschiedenen Medien verbindet.

Wer den Ausstellungsbetrieb rund um die Nachkriegs-Malerei und -Zeichnung beobachtet, erkennt an Vija Celmins vor allem eines: Ihre Präsenz wird nicht über Lautstärke erzeugt, sondern über Wiederaufnahme. Die Fondation Beyeler in Riehen hat im Zeitraum vom 15. Juni bis 21. September 2025 eine umfassende Einzelausstellung gezeigt, die als wichtigstes europäisches Schaufenster für ihr Werk seit fast 20 Jahren eingeordnet wurde. Damit rückte eine Werklogik in den Fokus, die sich nicht mit einzelnen Motiven erschöpft, sondern mit einer anhaltenden Methode arbeitet: extrem verdichtete Oberflächenbilder, die zwischen Intimität und Distanz wirken und gerade dadurch den Blick verlangsamen.
Technisch betrachtet ist Celmins Bildpraxis eng mit der Spannung zwischen Prozess und Ergebnis verbunden. Ihre Arbeiten entstehen oft über lange Zeiträume, weil strukturelle Wiederholung und kleinste Tonwertabstufungen nicht als „Stilmittel“, sondern als Arbeitsprinzip durchgezogen werden. Das ist gerade bei Motiven wie Meeroberflächen, Wüstenstrukturen oder Sternenhimmeln relevant: Die dargestellte Welt bleibt zwar erkennbar, aber der genaue Zustand der Oberfläche entzieht sich der schnellen Erfassung. In der Riehener Präsentation wurde diese Arbeitsweise laut Beschreibung explizit über mehrere Medien hinweg lesbar gemacht – Malerei, Zeichnung und Skulptur standen gleichgewichtet nebeneinander.
Auch im Messe- und Biennale-Umfeld spielt diese mediale Breite eine Rolle, weil sie die Wahrnehmung von Celmins Werk von vornherein in unterschiedliche Rezeptionspfade lenkt. Im Kontext der Kunsttage Basel wurde die Ausstellung nicht bloß als Begleitprogramm eines größeren Ereignisses gerahmt, sondern als eigenständiger Ort für die Auseinandersetzung hervorgehoben. Für Kuratoren bedeutet das praktisch: Wer Celmins nur als Zeichnerin oder nur als Malerin betrachtet, greift zu kurz. Umgekehrt gewinnt das Publikum im Raum den Vergleich zwischen verschiedenen Oberflächen-„Sprachen“, also zwischen dem, was Stiftspur, Pinselzug und druckgrafische Entscheidung jeweils an Struktur hervorbringen.
Parallel dazu verschiebt sich der Blick geografisch und in der Materiallogik: In New York läuft 2026 die Gruppenschau „Summer in the City“ bei Gemini G.E.L. at Joni Moisant Weyl. Die Schau ist vom 29. Mai bis 19. September 2026 terminiert und stellt mehrere Druckgrafiken von Celmins in den Mittelpunkt, mit einem Schwerpunkt auf Arbeiten der frühen 1980er-Jahre. Dort wird besonders deutlich, wie Celmins wiederkehrende Interessen an Oberflächenstrukturen in ein Medium übersetzt werden, das präzise Produktionsschritte und kontrollierte Wiedergabefähigkeit voraussetzt.
Konkrete Beispiele aus der Auswahl verdeutlichen die Themenkonstanz: Zu sehen sind Blätter wie „Alliance“, „Drypoint – Ocean Surface“ und „Jupiter Moon – Constellation“ aus dem Jahr 1983. Solche Titel markieren nicht nur das Motiv, sondern auch die Art der Annäherung: Meer und Himmelskörper werden nicht als einzelne Darstellung behandelt, sondern als Serienanlass für das Studium von Übergängen, Körnigkeit und feinen Abstufungen. Gerade „Drypoint – Ocean Surface“ verweist dabei auf eine druckgrafische Technik, die Linien und Mikrostrukturen besonders sichtbar machen kann – ein Effekt, der zur allgemeinen Bildwirkung Celmins passt, weil die Oberfläche selbst zum eigentlichen Ereignis wird.
Im Markt- und Sammlerumfeld erzeugt diese Kombination aus europäischem Museumskontext und US-amerikanischem Druckgrafik-Fokus eine klare Wirkung: Sie stützt die Einordnung von Celmins als Künstlerin, die nicht nur in Sammlungen präsent ist, sondern auch in der Auswahlpraxis einzelner Institutionen. Als wichtige Häuser werden unter anderem das Museum of Modern Art in New York, Tate in London und das Whitney Museum of American Art genannt; außerdem finden sich Werke in der National Gallery of Art in Washington, D.C. sowie in Glenstone. Historisch fügt sich das in die Entwicklung ein, dass Celmins Arbeiten zunehmend nicht als „Genre“ der Nachkriegskunst gelesen werden, sondern als eigenständige Position innerhalb internationaler Kanons – und zwar über verschiedene Generationen hinweg.
Für die Gegenwart lässt sich daraus ein praktischer Schluss ziehen: Wer Celmins in den nächsten Monaten betreut, sollte den Werkbezug bewusst über Werkgruppen statt über Einzelstücke organisieren. Die genannten Schwerpunkte – Ocean-Bilder, Night-Sky-Zeichnungen, Wüsten-Oberflächen und Objektstillleben mit Alltagsgegenständen – lassen sich sowohl im Museum als auch in der druckgrafischen Präsentation als ein zusammenhängendes System zeigen. Nach derzeitigen Angaben gibt es keinen konkret angekündigten Folgetermin im kurzfristigen 30-Tage-Fenster; zugleich bleibt die internationale Ausstellungstätigkeit fortlaufend aktiv. Für Entscheider in Kultur, Galerien und Sammlungsmanagement heißt das: Die strategische Planung lohnt sich, wenn sie die Verbindung von Wiederholung, Tonwertdichte und Motivkontinuität über Medien hinweg mitdenkt – denn genau dort liegt bei Celmins die dauerhafte Spannung.
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