SALT LAKE CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Viele US-Familien erleben in dieser Rückkehr zur Schule spürbar höhere Preise für Ordner, Hefte und Papier. Laut einer Analyse zweier Thinktanks liegt der typische Warenkorb für Schulsachen inzwischen bei fast 175 US-Dollar, rund 8% über dem Vorjahr. Gleichzeitig melden Eltern steigende Kreditkartenschulden, während andere auf Spenden, Gutscheine und deutlich günstigere Varianten ausweichen. Auch Lehrkräfte berichten, dass sie für Basismaterialien häufig selbst in die Tasche greifen müssen.

Der Start ins neue Schuljahr trifft in den USA auf eine besonders empfindliche Mischung aus Belastungen: zurückgehende finanzielle Spielräume treffen auf spürbar teurere Alltagsprodukte. Was für viele im Alltag noch als „Kleinigkeiten“ gilt, wird beim Einkauf für Schule und Unterricht schnell zu einem Budgettreiber. In Berichten aus unterschiedlichen Bundesstaaten schildern Eltern, dass sie bei Ordnern, Stiften oder Heften nicht nur genauer vergleichen, sondern teils ganz auf das verzichten müssen, was früher selbstverständlich war. Eine Mutter aus Salt Lake City beschreibt den Effekt mit konkreten Belegen: Sie habe 2025 für einfache Ordner 1 US-Dollar pro Stück bezahlt, während der gleiche Bedarf im aktuellen Jahr bei 2,79 US-Dollar liege.
Die Preisentwicklung lässt sich auch über Zahlen einordnen. Laut einer Analyse von Groundwork Collaborative und The Century Foundation kostet der typische Schulsacheneinkauf – darunter Notizhefte, Papier, Bleistifte und Klebestifte – inzwischen nahezu 175 US-Dollar. Das entspricht fast 8% mehr als 2025. Besonders auffällig sind dabei Positionen, die in vielen Haushalten regelmäßig benötigt werden: Lunchboxen, Notizhefte und Taschentücher sollen laut Analyse teilweise um 20% oder mehr über dem Vorjahresniveau liegen. Für einen Teil der Verteuerung werden Effekte genannt, die mit dem Tariff-Programm der US-Regierung und den gestiegenen Kosten für im Ausland gefertigte Waren zusammenhängen – wobei der Datenhintergrund auf Angaben der Federal Reserve verweist, die höhere Kosten bei Importen für US-Konsumenten beschrieben hat.
Neben klassischen Schulsachen rücken auch Alltagsprodukte mit technischen oder routinemäßigen Anforderungen stärker in den Fokus. Die gleiche Auswertung nennt etwa Elektronik wie Kopfhörer: Deren Preise sollen im betrachteten Zeitraum um 6,6% gestiegen sein. Bei Lebensmitteln für das Pausenbrot zeichnet sich ebenfalls eine Breite ab, die viele Familien besonders spüren: Typische Lunch-Positionen sollen um 10,9% teurer geworden sein; die Spannbreite reicht dabei von Beeren wie Blaubeeren bis zu Deli-Fleisch. Dass das Thema nicht isoliert betrachtet werden kann, zeigt der Kontext: Während Haushalte bereits unter Inflationsdruck und hohen Kraftstoffkosten leiden, verschiebt sich die Priorisierung im Konsum. Für manche bedeutet das, dass sie im Zeitraum vor Schulbeginn Schulden aufnehmen oder die eigenen Ausgaben stärker staffeln.
Die Nachfrage nach Rabatten und günstigeren Alternativen steigt entsprechend. Aus einer Erhebung von NerdWallet geht hervor, dass etwa 62% der Rückkehr-zur-Schule-Käufer in diesem Jahr eher nach Sales suchen. Zusätzlich planen rund ein Viertel, schulspezifische Ausgaben zu reduzieren; 72% geben an, dass sich Kleidung, Schulsachen und Elektronik im Vergleich zu 2025 deutlich teurer anfühlen. Eltern greifen damit nicht nur zu Verkaufsaktionen, sondern selektieren auch konsequent nach Preis und Funktion: So berichten Familien, dass sie „schönere“ Varianten mit auffälligen Motiven zugunsten von schlichten, günstigeren Ausführungen zurückstellen. Die Konsequenz ist weniger Komfort, dafür weniger Risiko beim Monatsbudget.
Parallel dazu werden Spenden und Freitüten zunehmend zu einem infrastrukturellen Bestandteil des Schulstarts. In vielen Orten stellen Initiativen kostenlose Rucksäcke, Hefte und weiteres Material bereit. In einer Region in Ost-Zentral-Florida etwa habe eine Schulstiftung im Jahr 2023 noch etwa 3.100 Schülerinnen und Schüler mit Rucksäcken versorgt und im Folgejahr bereits knapp 5.000 erreicht. Die Motivation dahinter ist zweigeteilt: Eltern sollen Entlastung bekommen, und Lehrkräfte sollen häufiger fehlende Grundausstattung kompensieren können, wenn Kinder ohne Materialien in den Unterricht kommen. Dort, wo Schulbudgets knapp kalkuliert sind, kippt die Lücke leicht in einen Alltagseffekt: Materialschränke werden leerer, Feldfahrten geraten unter Druck, und an vielen Stellen werden kurzfristige Ersatzlösungen gesucht.
Auch der Lehrbetrieb bleibt davon nicht unberührt. Viele Lehrkräfte müssen laut Berichten Basismaterialien wie Tücher, Desinfektionsmittel, Papier oder Stifte teilweise selbst bezahlen, weil Schulzuweisungen oft begrenzt sind. In einem Beispiel wird genannt, dass Lehrkräfte an einer Schule nur 200 US-Dollar pro Jahr als Ausstattungspauschale erhalten sollen. Elternvereine und lokale Fundraiser übernehmen dann häufig eine Ausgleichsfunktion, doch das reicht nicht immer aus: Spenden können helfen, sind aber zeitlich und mengenmäßig nicht beliebig skalierbar. Am Ende entsteht so ein System, in dem Preissteigerungen unmittelbar auf Lernbedingungen und Unterrichtsqualität wirken.
Unternehmen und Hersteller verweisen ihrerseits auf die Kostenseite, um Preisbewegungen zu erklären. Newell Brands, zu deren Marken unter anderem Sharpie, EXPO, Paper Mate sowie Elmer’s gehören, habe Preisanpassungen vorgenommen, um Tariff-bedingte Kosten in Höhe von mehr als 170 Millionen US-Dollar zu kompensieren. ACCO Brands nennt als Gegenwind ebenfalls Kosten aus Zöllen und zusätzlich Belastungen durch Konfliktlagen im Nahen Osten, die künftig höhere Endkundenpreise wahrscheinlicher machen. Für Käufer heißt das: Die Preiswirkung ist nicht nur tagespolitisch, sondern entlang der Lieferkette sichtbar – von der Beschaffung über die Produktion bis hin zur Konsumentenebene im Einzelhandel.
Für Unternehmen und Entscheider ergibt sich daraus ein präzises Bild darüber, wie stark „geringe“ Preisaufschläge kumulativ werden können. Ein Warenkorb, der sich um wenige Prozent verschiebt, wird für einkommensschwache Haushalte schnell zur Grenze, an der Kreditkarten genutzt oder Sparpuffer aufgebraucht werden. Dass der Druck in Schuld und Konsumgestaltung mündet, passt zu einer Erhebung von Credit Karma: 57% der Eltern sollen in die Rückkehr-zur-Schule-Saison mit Kreditkartenschulden gehen, und knapp die Hälfte plane, neue Kredite aufzunehmen, um die Ausgaben zu bewältigen. Der Befund wirkt wie ein Stresstest für das öffentliche Umfeld von Schule: Wer die Materialversorgung absichern will, braucht nicht nur gute Angebote, sondern auch stabile, planbare Kostenstrukturen.
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