LONDON (IT BOLTWISE) – Ross Stores verzeichnet im zweiten Quartal einen Anstieg der vergleichbaren Verkäufe um 10% und damit das zweite Quartal in Folge zweistelliges Wachstum. Die Zahl der Kundenbesuche steigt im selben Zeitraum um mehr als 16%, laut Daten von Placer.ai. Das Unternehmen führt die Entwicklung auf neue Käufer, zurückkehrende ehemalige Kunden und höhere Besuchsfrequenz bestehender Stammkunden zurück. Gleichzeitig signalisiert Ross mit angehobenen Filialplänen, dass die aktuelle Dynamik in der zweiten Jahreshälfte weiter anhalten soll.

Ross Stores zeigt im Off-Price-Segment, wie stark Preisdisziplin und Ladenpräsenz zusammenwirken können: Im zweiten Quartal kletterten die vergleichbaren Verkäufe (Comparable Sales) um 10% im Vergleich zum Vorjahr. Damit bleibt das Wachstum nicht nur stabil, sondern setzt sich auch in das Quartalsmuster fort, das Analysten ausdrücklich als „zweites straight quarter“ mit zweistelligen Coiomps einordnen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Kennzahl selbst, sondern der Treiber dahinter: Laut Placer.ai stiegen die Store Visits im Zeitraum um mehr als 16%. Genau diese Kombination aus Frequenz und Conversion ist im stationären Einzelhandel oft der Unterschied zwischen „guten“ Umsätzen und wirklich nachhaltigem Marktanteilsgewinnen.
Auf der Transaktionsebene deutet Ross die Verschiebung so: Neue Kunden kamen hinzu, abgewanderte Kunden kehrten zurück und bestehende Käufer gingen häufiger in die Filialen. Für ein Unternehmen wie Ross ist diese Aufteilung besonders relevant, weil sie die Wirkung unterschiedlicher Hebel erklärt – etwa Ansprache und Sortimentsanpassungen auf der einen Seite, sowie ein passendes Preis-Leistungs-Verhältnis auf der anderen. Der Bericht verknüpft die Entwicklung zudem mit der CEO-Linie von James Conroy, der laut Unternehmensdarstellung bereits früh im vergangenen Jahr die Ausrichtung stärker auf Merchandising und Marketing ausgebaut hat. In der Praxis bedeutet das meist mehr „Brand Names“ im Sortiment und eine konsequentere Store-Revitalisierung, also Maßnahmen, die Kunden nicht nur einmal anziehen, sondern wiederkehren lassen.
Finanziell sticht vor allem die Qualität der Ergebnisentwicklung hervor. Insgesamt stiegen die Q2-Umsätze um 13% auf 6,3 Mrd. USD; gleichzeitig erweiterte sich die operative Marge um 205 Basispunkte. Ein wesentlicher Teil dieses Margenschubs hängt mit einem Sondereffekt zusammen: Ross meldet tariff refunds in Höhe von 253 Mio. USD. Diese Refunds lieferten 405 der insgesamt 610 Basispunkte, die die operative Marge im Quartal ausmachten; die Marge lag damit insgesamt bei über 1 Mrd. USD. Damit zeigt sich ein typisches Muster im Off-Price-Handel: Auch wenn Sondereffekte die kurzfristige Marge sichtbar verbessern, bleibt die Frage, wie stark die operative Basis ohne diese Effekte trägt. Gleichzeitig untermauern die Zahlen, dass das operative Geschäft nicht „nur“ durch Rückflüsse läuft, denn Ross hebt für die nächsten Quartale erneut eine Fortsetzung der Comp-Stärke in Aussicht.
Im Marktvergleich wird Ross’ Ergebnis besonders deutlich, weil das Wachstum nicht in einem allgemeinen Branchenhoch „untergeht“. Der Off-Price-Leader TJX Cos. meldete für die Marmaxx-Division inklusive US-Ketten wie T.J. Maxx und Marshalls dagegen nur einen überraschend schwachen Anstieg von 1% bei den vergleichbaren Verkäufen. Während Ross also zweistellig wächst, stagniert TJX in der relevanten Kennzahl. Analysten ordnen den Kontrast unter anderem mit der unterschiedlichen Preisstrategie ein: Ross habe sich in der Preisgestaltung eher konservativ verhalten, was in einem Umfeld hilft, in dem Verbraucher laut der Berichterstattung „laser-focused“ auf den Preis vieler Warengruppen sind – von Lebensmitteln über Kraftstoff bis hin zu diskretionären Ausgaben. Genau hier liegt der Kern des Wettbewerbs: In Phasen, in denen Preiserhöhungen bei Wettbewerbern stärker durchschlagen, kann ein „value“-Narrativ den Anteil verschieben.
Die Marktanteilsfrage greift das Berichtsmuster dann auch in der Interpretation der Analysten auf: Wenn Ross’ Comp-Dynamik deutlich stärker ausfällt als die von TJX, liege die Vermutung nahe, dass Ross Marktanteile im Off-Price-Bereich gewinnt. Der CEO lässt sich dazu allerdings nicht auf einen einzelnen Wettbewerber festnageln. Conroy erkennt an, dass Ross Anteil im Off-Price nimmt, will aber nicht zustimmen, dass dies aus einer bestimmten Richtung „nur“ von einem Konkurrenten komme. Seine Aussage zielt eher auf eine mathematische Gesamtentwicklung über die letzten Quartale: Ross habe sich stärker entwickelt als „each of the other two players“, inklusive einer Einordnung, dass das Unternehmen damit als größerer Anteilseigner dastehe, weil es schneller wachse als andere Marktteilnehmer. Gleichzeitig betont er, dass die großen Off-Price-Retailer grundsätzlich „sehr gut geführt“ seien und sich ein Teil der Wachstumsstory auch über die Abgrenzung hinaus erkläre: Off-Price konkurriert nicht nur untereinander, sondern zieht auch Käufer aus anderen Teilen des Einzelhandels.
Auch mit Blick auf die Wachstumsplanung wird die aktuelle Stärke in konkrete Investitionen übersetzt. Ross erhöhte seine Expansionspläne für 2026 von rund 110 neuen Standorten auf 115; im zweiten Quartal eröffneten 35 Ross-Stores und 12 DD’s Discounts-Filialen. Für die Bewertung ist das mehr als nur eine Filialzahl: Im Off-Price-Modell hängt die Wirkung neuer Standorte stark davon ab, wie gut das Ladenformat und die Sortimentslogik in der jeweiligen Region greifen und wie schnell sich die Frequenz etabliert. Wenn gleichzeitig die Besucherzahlen laut Placer.ai deutlich steigen, wirkt die Expansion als Verstärker, statt als reiner „Wachstumshebel“. Zusammengefasst entsteht damit ein Bild, in dem Ross sowohl Nachfrage als auch Ergebnisqualität adressiert – mit einer Preis- und Merchandising-Strategie, die in einem preissensiblen Konsumumfeld kurzfristig Momentum erzeugt und mittelfristig die Grundlage für anhaltende Comp-Werte schaffen soll.
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