MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Hypershell senkt die Preise für seine Exoskelett-Modelle der X-Serie spürbar. Das X Ultra, das eine Redakteurin in den Ammergauer Alpen ausprobiert hat, kostet aktuell 1.799 Euro statt 1.999 Euro. Im Praxiseindruck funktioniert die automatische Bewegungserkennung meist zuverlässig, allerdings mit spürbarer Verzögerung. Zudem erreicht die angegebene Reichweite von bis zu 30 Kilometern pro Akku auf der Tour die Erwartungen nicht.

Der Preisrutsch ist für viele potenzielle Käufer das deutlichste Signal, aber er löst nicht alle offenen Fragen rund um Exoskelette für Privatnutzer. Hypershell bietet aktuell mehrere Modelle der bisherigen X-Serie günstiger an, darunter das X Pro (899 Euro statt 1.199 Euro), das X Carbon (1.299 Euro statt 1.799 Euro) und das X Ultra (1.799 Euro statt 1.999 Euro). Genau dieses X Ultra hatte eine Redakteurin bei einer Tour in den Ammergauer Alpen im Einsatz, weil sie bei längeren Aufstiegen in ihrer Wandergruppe häufig nicht mithalten konnte. Zwei Motoren an der Hüfte sollten dabei beim Anheben und Vorwärtsführen der Beine unterstützen – also dort, wo beim Berggehen der Energiebedarf typischerweise am stärksten spürbar wird.
Technisch interessant ist weniger der Rabatt an sich als die konkrete Auslegung der Geräte: Das X Pro kommt auf 800 Watt Motorleistung und nutzt zwei wechselbare Akkus, das X Carbon bleibt bei 800 Watt, setzt jedoch laut Vergleich mehr auf Carbon und Titan und wiegt ohne Akku 1,8 Kilogramm statt 2 Kilogramm. Das X Ultra legt mit 1.000 Watt noch eine Schippe nach oben und nennt zwölf Bewegungsmodi. Bei der Akkuseite liegen die Herstellerangaben in derselben Logik: X Pro und X Carbon nennen 17,5 km pro Akku, das X Ultra sogar 30 km pro Akku. Außerdem fällt auf, dass das X Ultra im Alltagstestszenario nicht nur um „mehr Leistung“ geht, sondern um die Abstimmung der Unterstützung auf reale Bewegungen – und genau dort wird es im Praxiseindruck anspruchsvoll.
Im ersten Eindruck überzeugt das Hypershell X Ultra vor allem bei Verarbeitung und Bedienkomfort. Auf ebener Strecke zieht das System die Oberschenkel sichtbar nach vorne, und das reicht anfangs sogar so weit, dass sich die Beine ohne Exoskelett nach etwa 45 Minuten „kurzzeitig ungewöhnlich schwer“ anfühlen – ein Hinweis darauf, dass die Unterstützung nicht nur gefühlt „da ist“, sondern die Muskelarbeit messbar verschiebt. Beim Aufstieg arbeitet das System laut Bericht mit automatischer Bewegungserkennung, die in den meisten Momenten zuverlässig anspringt. Gleichzeitig zeigt sich eine leichte Verzögerung, und auf unebenem Untergrund werden Bewegungen im stärkeren Hyper-Modus stellenweise ruckartig. Dieser Effekt erzeugt das Gefühl, anfangs „gegen“ das Exoskelett zu arbeiten, bevor die Unterstützung wirklich greift.
Der Verlauf der Tour zeigt dann deutliche Grenzen. In der ersten Stunde konnte die Redakteurin noch gut mit Familienangehörigen mithalten, später wurden die Schritte trotz Motorhilfe wieder kürzer. Beim Hochstemmen des eigenen Körpergewichts, also im Moment, in dem Kraft und Stabilität besonders gefragt sind, unterstützt das X Ultra nur begrenzt. Auch bergab entlastet es Knie und Waden nicht so stark, wie erwartet – und das ist ein kritischer Punkt, denn viele Nutzer hoffen gerade bei Abfahrten auf einen spürbaren „Recovery-Effekt“. Nach rund drei Stunden und neun Kilometern war der erste Akku leer; die Herstellervorgabe „bis zu 30 Kilometer pro Akku“ wurde damit deutlich verfehlt. Für Käufer heißt das: Wer das Exoskelett vor allem für flachere Strecken, längere Spaziergänge oder Touren mit weniger Höhenstress einplanen will, bekommt eher eine stimmige Einsatzlogik. Wer hingegen harte Bergtouren „wie mit dem E-Bike“ mühelos bewältigen möchte, wird die Komfort- und Reichweitenversprechen im Alltag sehr wahrscheinlich relativieren müssen.
Dass Hypershell den Preis nun reduziert, hat laut Quelle einen spannenden Hintergrund: Parallel zur alten X-Serie führt der Hersteller eine neue Generation mit Modellen wie X Pro S, X Max S und X Ultra S ein. Die neue Generation soll Bewegungen schneller erkennen und die Motorunterstützung natürlicher anpassen; auch das Tragesystem wurde überarbeitet. Während beim bisherigen X Ultra die Motoren seitlich an der Hüfte sitzen und der Akkupack in den Gurt hinten eingeklickt wird, nennt die Quelle für das S-Modell eine modernisierte Abstimmung. Beim X Pro S kostet das neue Modell 999 Euro und liegt damit nur 100 Euro über dem bisherigen X Pro, liefert jedoch nur einen Akku (während der Vorgänger zwei Akkus beilegt). Bei den größeren Varianten bleibt das Preisgefüge ähnlich: Das bisherige X Carbon liegt 200 Euro unter dem X Max S, das X Ultra ebenfalls 200 Euro unter dem X Ultra S. Wer also vor allem Wert auf verbesserte Bewegungssteuerung und Passform legt, bekommt mit dem S-Modell eher die „nächste Iteration“ – während das gerade rabattierte X Ultra vor allem preisorientierten Nutzern eine günstigere Einstiegschance bietet.
Für die Kaufentscheidung spielt darüber hinaus die Passform eine zentrale Rolle. Das Exoskelett wird mit einem gepolsterten Hüftgurt getragen; seitlich sitzende Motoren bewegen Schienen, die an Manschetten an den Oberschenkeln befestigt sind. Die Grundeinstellungen erfolgen über Tasten am Gerät, feinere Einstellungen und Einrichtung laufen zusätzlich über eine App. Gerade bei kurzen Oberschenkeln oder einer ungünstigen Taillierung gilt: Vor dem Kauf sollten Taillenumfang, Hüftbreite und Oberschenkellänge geprüft werden; in der Quelle wird bei einer Größe von 1,58 Metern erwähnt, dass die Manschetten selbst in der kürzesten Einstellung vergleichsweise nahe am Knie saßen. Außerdem ist wichtig einzuordnen, dass Hypershell das System nicht als Medizinprodukt positioniert: Es richtet sich an Menschen, die selbstständig gehen, Beine ohne Hilfe anheben und ihr Gleichgewicht halten können. Für geschlossene körperliche Einschränkungen ersetzt die Technik damit keine Gehhilfe oder fachliche Beratung.
Schließlich ist auch Konkurrenz ein Faktor, der die Erwartungshaltung an die Technologie realistisch macht. Mit dem Navee Exo S Pro wird in der Quelle ein weiteres Exoskelett für Privatnutzer angekündigt, das 980 Watt leisten, 1,8 Kilogramm wiegen und 1.099 Euro kosten soll – allerdings nur mit einem Akku. Ob der Konkurrent im Alltag die gleichen Effekte wie die Bewegungserkennung und das feinere Timing der Unterstützung besser löst, konnte die Quelle noch nicht selbst prüfen. Für die Branche zeigt das aber vor allem eines: Die entscheidende Differenzierung liegt weniger im reinen Watt-Wert, sondern in der Regelung der Unterstützung, in der Sensorik für Bewegungsphasen und in der Frage, wie konsistent ein Exoskelett Leistung über Stunden und unterschiedliche Untergründe hinweg abrufen kann – genau dort, wo das X Ultra im Praxistest die Erwartungen teilweise nicht getroffen hat.
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