PEKING / LONDON (IT BOLTWISE) – Humanoide Roboter von Galbot haben bei den 2. World Humanoid Robot Games in Peking mehr als 100 autonome Ballwechsel gegen Menschen gezeigt. Die Vorführung lief im National Speed Skating Oval („Ice Ribbon“) live übertragen und kombinierte Echtzeit-Entscheidungen mit Bewegungen ohne Fernsteuerung. Laut Angaben der Entwickler erkennt der ET1 das Spielgeschehen eigenständig, spielt kontrollierte Schläge und richtet sich nach Gleichgewichtsverlusten selbst wieder auf. Mit gemeldeten 90,9 % Erfolgsquote bei Vorhandschlägen rückt die Technik schneller in Richtung dynamischer, realer Interaktion.

Die Vorführung des Galbot ET1 bei den 2. World Humanoid Robot Games zeigt, wie schnell sich humanoide Robotik von Laboraufbauten in Richtung Sport- und Interaktionsszenarien bewegt. Während der Eröffnungszeremonie absolvierten die Maschinen im National Speed Skating Oval in Peking – dem sogenannten „Ice Ribbon“ – mehr als 100 aufeinanderfolgende autonome Ballwechsel gegen menschliche Gegenspieler. Das ist nicht nur eine Signalwirkung für Publikum und Medien, sondern ein harter Funktionstest für Wahrnehmung, Reaktionsfähigkeit und motorische Stabilität unter Zeitdruck.
Technisch beschreibt der ET1 ein System, das das Spielgeschehen eigenständig wahrnimmt und Entscheidungen in Echtzeit trifft, ohne externe Fernsteuerung oder fest vordefinierte Bewegungsfolgen. In der Praxis bedeutet das: Der Roboter muss die Flugbahn des Balls fortlaufend schätzen, daraus eine Zielposition und eine Schlagstrategie ableiten und diese dann mit der eigenen Körperkoordination in Bewegung umsetzen. Besonders betont wurde dabei die Anpassungsfähigkeit an Spielsituationen sowie die Fähigkeit, nach einem Gleichgewichtsverlust wieder selbstständig aufzurichten – ein Detail, das für humanoide Plattformen häufig der Unterschied zwischen „zeigt sich im Standbild“ und „besteht auch bei Fehlern“ ist.
Als konkretes Matchbeispiel nannten die Veranstalter die Begegnung in einem gemischten Doppel gegen die Tennisspielerin Zheng Jie und den Schauspieler Li Yunrui. In dem direkten Vergleich überstanden die Roboter drei Runden, jede mit mehr als 20 Schlägen pro Ballwechsel. Die gemeldeten Leistungswerte untermauern den Anspruch: 0,1 Sekunden Reaktionszeit bei der Ballerkennung und eine Erfolgsquote von 90,9 % bei Vorhandschlägen. Für die Bewertung ist auch die autonome Laufzeit relevant – während einer Sequenz von 263 Sekunden agierte das System durchgängig in voller Autonomie.
Unter der Haube steckt beim eingesetzten Robotertyp das Modell Galbot ET1, das gemeinschaftlich von Galbot und der Tsinghua-Universität entwickelt wurde. Als technische Grundlage wird das einheitliche Modell „AstraBrain“ (auch als „Galaxy Star Brain“ bekannt) genannt, das Funktionen aus den Bereichen „Gehirn“, „Kleinhirn“ und neuronaler Steuerung integrieren soll. Trainiert wurde demnach nicht nur mit synthetischen Simulationsdaten, sondern zusätzlich mit Bewegungsdaten von Menschen, um die komplexe Körperkoordination beim Tennisspielen abzubilden. Genau diese Kombination aus Simulation und realen Bewegungsbeispielen ist ein etablierter Weg, um Lernkurven in der Robotik abzukürzen, weil reine Realwelt-Datenerhebung bei dynamischen Sportaufgaben kosten- und zeitintensiv wäre.
Auch die Physik des Spiels wurde adressiert: Die Ballgeschwindigkeiten lagen in den Angaben bei über 50 km/h, die Aufschlaggeschwindigkeit erreichte in Spitzenwerten sogar über 100 km/h. Der ET1 beherrschte demnach neben klassischen Grundschlägen und Netzspiel auch Slices und Spin-Bälle – also die Variation von Rotation und Flugkurve, die die Vorhersage der Flugbahn zusätzlich erschwert. In einem bewegten Setup ist das entscheidende Problem häufig nicht die einzelne Aktion, sondern die nahtlose Verkettung aus Wahrnehmung, Entscheidung und dynamischer Bewegungskontrolle, damit der Roboter nicht nach jedem Schlag „nachjustieren“ muss, sondern wirklich Ballwechsel im Takt hält.
Für den Markt ist die Veranstaltung zugleich ein Stimmungsbarometer: Die 2. World Humanoid Robot Games liefen vom 22. bis 26. August 2026 in Peking, insgesamt nehmen 2.056 Roboter und 666 Teams aus 16 Ländern teil. In 51 verschiedenen Events fanden 1.301 Wettkämpfe statt, und Tennis wurde als neue Disziplin aufgenommen, um Fortschritte bei Echtzeit-Interaktion und dynamischer Balancehaltung zu testen. Der ET1 tritt damit in einen Wettbewerb ein, der nicht nur „Kamera und Motor“ bewertet, sondern die Fähigkeit zur robusten Handhabung von Unschärfen, unerwarteten Ballverhalten und unvermeidbaren kleinen Fehlern im Gleichgewicht. Das ist industrie-relevant, weil ähnliche Anforderungen in der Logistik, in der Fertigung oder in assistiven Szenarien auftreten, wenn Systeme in der realen Welt nicht nur arbeiten, sondern mit Menschen interagieren müssen.
Bemerkenswert ist außerdem, dass der ET1 bereits zuvor auf der World Robot Conference öffentlich seine Fähigkeiten im autonomen Tennisspiel gezeigt hatte. Die erneute Demonstration in Peking unterstreicht damit weniger einen einzelnen „Show-Moment“ als vielmehr die Tendenz, solche KI-gesteuerten Modelle schneller in physische Robotersysteme zu integrieren. Besonders der Mix aus hoher Reaktionsgeschwindigkeit und physischer Erholung nach Stürzen dürfte in den kommenden Iterationen entscheidend werden, wenn humanoide Plattformen in dynamischen Umgebungen verlässlicher werden sollen. Für Unternehmen, die Robotik und KI in Richtung Produktentwicklung bringen, ist das Signal klar: Nicht nur die Modellgüte zählt, sondern auch die Kopplung von KI-Inferenz, Regelung und Körperdynamik im laufenden Betrieb.
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