LONDON (IT BOLTWISE) – Bitari Inc. treibt ein Bitcoin-Mining-IPO voran und verlangt von öffentlichen Käufern in der Vorab-Fassung ihres S-1-Prospekts nahezu die gesamte angegebene Gegenleistung. Im Gegenzug erhalten sie laut Tabelle rund 10% der nach dem Angebot ausstehenden Aktien, während bestehende Anteilseigner den Großteil behalten. Zusätzlich bleibt das Deal-Setup bis zur endgültigen Nasdaq-Genehmigung abhängig, und die Platzierung soll ohne festen Zeitplan starten. Im Finanzteil fällt auf, dass die jüngsten Umsätze und Gewinne gegenüber dem Vorjahr bereits rückläufig waren.

Bitari Inc. sucht den Weg an die Börse über eine geplante Bitcoin-Mining-IPO an der Nasdaq, doch die Mechanik des Angebots wirkt für Privatanleger und andere öffentliche Investoren ungewöhnlich: In der vorläufigen S-1-Fassung stellt das Unternehmen den Kaufpreis als den mit Abstand größten Anteil der „listed consideration“ dar, gibt den neuen Käufern dafür aber nur einen kleinen Aktienanteil. Konkret vergleicht die Unterlage die Zahlung von 30.000.005 US-Dollar durch neue Investoren mit einer Summe von 45.000 US-Dollar für bereits bestehende Inhaber. Das Verhältnis wird dabei als 99,8% zu 0,2% der in der Tabelle ausgewiesenen Gegenleistung beschrieben, während die Aktienstruktur die Eigentumsquote deutlich stärker nach dem neuen Investorengeld „verwässert“ als es in klassischen IPOs oft der Fall ist.
Die Zahlen lassen sich sauber auseinanderziehen, wenn man betrachtet, dass Bitari nicht einfach eine Unternehmensbewertung (Enterprise Value) ableitet, sondern eine Gegenleistungs-Logik nutzt: Die S-1 sieht vor, dass 4.285.715 Aktien zu einem erwarteten Preis von 7 US-Dollar pro Aktie verkauft werden. Daraus resultieren die genannten 30.000.005 US-Dollar an Bruttoerlösen. In der Darstellung entspricht dieser Betrag dann 99,8% der gesamten Gegenleistung der Angebotsstruktur. Für die Käufer bedeutet das jedoch unmittelbar eine erste Verwässerung, weil sie nach der „base offering“-Logik nur etwa 10% der voraussichtlich 43.085.715 ausstehenden Aktien halten sollen – während die Altaktionäre rund 90% behalten.
Noch stärker wird das Bild, wenn man sich die Kontrolle über die Stimmrechte anschaut. Laut S-1 soll AI Power X Inc. nach dem Basisangebot 85,87% der ausstehenden Aktien besitzen. Der kontrollierende Stimmhebel ergibt sich daraus nahezu spiegelbildlich: Chair Pei Zhao, als wirtschaftlich Berechtigter dieser Anteile, würde einen entsprechend großen Anteil der Stimmrechte ausüben können. Damit wird der Deal nicht nur als Finanzierungsmaßnahme lesbar, sondern als Struktur, die neue Liquidität einsammelt, die Entscheidungsgewalt aber weitgehend bei den bereits dominierenden Anteilseignern belässt.
Die Verwässerung lässt sich Bitari zudem in eine betriebsnahe Kennzahl übersetzen: Das Unternehmen gibt an, dass das Angebot den net tangible book value pro Aktie von 0,06 US-Dollar auf 0,69 US-Dollar anheben würde. Gleichzeitig weist es für die Käufer eine unmittelbare Verwässerung von 6,31 US-Dollar je 7-US-Dollar-Aktie aus. Genau an dieser Stelle wirkt die Logik zweigleisig: Einerseits spricht das Unternehmen von einem buchhalterischen Wertzuwachs, andererseits macht es transparent, dass der Einstiegskurs für neue Käufer sofort rechnerisch „teurer“ wird, als es die rein auf den Zahlungsstrom bezogene Betrachtung vermuten lassen würde.
Für die Verwendung der Erlöse baut Bitari eine weitere Schicht in die Kapitalallokation ein. Aus Sicht des Unternehmens sollen vor einer möglichen Mehrzuteilung rund 26,95 Millionen US-Dollar an Nettoerlösen entstehen. Davon sind 40% (etwa 10,78 Millionen US-Dollar) für strategische Akquisitionen und Investitionen vorgesehen, wobei noch keine konkrete Zielgesellschaft benannt, noch keine vorläufigen Gespräche geführt und noch kein Akquisitionsvertrag unterschrieben ist. Die restliche Allokation verteilt sich auf globale Marktexpansion und Markenaufbau (30%), neue Mining-Operationen und Infrastruktur (15%), Forschung und Entwicklung (10%) sowie allgemeine Unternehmenszwecke und Working Capital (5%). Für Analysten ist das relevant, weil ein großer, noch unkonkretisierter Investitionsblock die Frage nach Prioritäten und Timing aufwirft: Entweder werden Projekte schnell identifiziert und umgesetzt, oder die Kapitalintensität bleibt länger im Schwebezustand.
Auch die operative Basis stimmt diese Unschärfe teilweise ein. In den neun Monaten bis zum 30. April sank der Umsatz auf 8,37 Millionen US-Dollar von 8,59 Millionen US-Dollar im Vorjahresvergleich; der Net Income ging auf 183.905 US-Dollar zurück, nachdem im Vorjahr noch 990.960 US-Dollar ausgewiesen wurden. Zusätzlich zeigt sich bei den Cashflows eine Verschiebung: Aus den operativen Aktivitäten flossen 689.760 US-Dollar ab, nachdem im vergleichbaren Vorjahreszeitraum 1,37 Millionen US-Dollar aus dem operativen Geschäft generiert wurden. Das ist zwar nur ein Ausschnitt, aber gerade in der Mining-Branche, in der Kostenstrukturen, Energie- und Network-Effekte sowie Hashrate-Dynamiken eng zusammenhängen, wird die Zeitspanne zwischen Kapitalzufluss und sichtbaren operativen Verbesserungen zu einem kritischen Faktor.
Wie stark der geplante Börsengang bereits „spruchreif“ ist, bleibt laut Einreichung begrenzt. Bitari hat das Handelssymbol BIAI reserviert und eine Anmeldung für die Nasdaq Global Market eingereicht, allerdings schreibt die Unterlage, dass die Nasdaq die Anwendung zu diesem Zeitpunkt noch nicht genehmigt hatte. Der Closing-Zeitpunkt soll damit an die endgültige Listung gekoppelt sein; zudem nennt der Prospekt keinen festen Offering- oder Trading-Termin. Sollte die Struktur wie beschrieben umgesetzt werden, finanzieren neue Käufer einen kontrollierten Mining-Host über eine IPO, die sie unmittelbar bilanziell verwässert und zugleich in eine große, als „discretionary“ wirkende Akquisitionspipeline überführt – im Austausch gegen etwa ein Zehntel der nach dem Angebot ausstehenden Aktien.
Für Marktteilnehmer ist der Fall vor allem deshalb interessant, weil er das klassische IPO-Erzählmuster „Geld rein, Einfluss verteilt“ durchbricht. Stattdessen zeigt die S-1 eine Kombination aus hoher neuer Mittelzufuhr, deutlicher Eigentumsbeschränkung für die Öffentlichkeit und klarer Stimmrechtskonzentration. Genau solche Strukturen prägen die Erwartungshaltung an die kommenden Schritte: Wie schnell Bitari die 40%-Akquisitionsquote konkretisiert, wie nachhaltig das Mining-Geschäft im operativen Umfeld bleibt und ob die Nasdaq-Genehmigung den Start tatsächlich freigibt, werden die entscheidenden Variablen sein, sobald aus dem Vorab-Setup ein realer Handelstag wird.
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