LONDON (IT BOLTWISE) – H-Power wechselt in die Bau- und Demonstrationsphase einer Kooperation mit Komatsu: Nach der ersten Machbarkeitsstudie soll die Ammoniak-Cracking-Technologie mit industriellen Dieselmotoren gekoppelt werden. Das Projekt ist mit rund 2 Millionen US-Dollar veranschlagt und läuft von September 2026 bis Dezember 2027. Parallel treibt das Unternehmen die Auslieferung von LC30-Wasserstoff-Brennstoffzellengeneratoren voran, deren Start an die CE-Zertifizierung gekoppelt ist. Am Kapitalmarkt bekommt H-Power zudem einen weiteren Corporate Broker an die Seite, während automatisierte Modelle die Kursziele nach unten korrigierten.

H-Power, das vormals als AFC Energy firmierende Unternehmen, arbeitet mehrere technische und kommerzielle Stränge parallel aus. Der auffälligste Schritt liegt in der neuen Phase der Zusammenarbeit mit Komatsu Ltd: Nachdem die erste Machbarkeitsstudie im Rahmen der gemeinsamen Entwicklungsvereinbarung erfolgreich abgeschlossen wurde, startet nun der Bau- und Demonstrationsabschnitt. In dieser Phase geht es nicht mehr nur um Labor- oder Systemtests, sondern um die reale Kopplung der firmeneigenen Ammoniak-Cracking-Technologie mit industriellen Dieselmotoren. Laut Unternehmensangaben ist dafür ein Volumen von rund 2 Millionen US-Dollar vorgesehen, der Zeitraum wird von September 2026 bis Dezember 2027 beziffert.
Technisch betrachtet zielt die Kombination auf ein durchgängiges Energie-Handling ab: Ammoniak wird dabei als Ausgangsstoff genutzt, bevor es im Rahmen des Cracking-Prozesses zu wasserstoffbasierten Energieträgern wird. Die Integration in industrielle Dieselmotoren ist besonders anspruchsvoll, weil sie Schnittstellen betrifft, die nicht nur den Brennstofffluss, sondern auch Regelung, Lastprofile und Safety-Mechanismen einschließen. Genau deshalb ist die Demonstrationsphase ein wichtiger Meilenstein für die Skalierbarkeit. Für die Bewertung am Kapitalmarkt ist entscheidend, ob die Pilot- und Demo-Ergebnisse später zu Anlagen- und Betriebsverträgen führen, statt nur als einzelnes Engineering-Projekt zu enden.
Während Komatsu die nächste große Bühne öffnet, hängt bei den mobilen Generatoren der unmittelbare Rollout an einem regulatorischen Taktgeber: Im Juni meldete H-Power eine Nachbestellung seines Joint-Venture-Partners Speedy Hire über 15 Wasserstoff-Brennstoffzellengeneratoren des Typs LC30. Die Auslieferung steht unter dem Vorbehalt der CE-Zertifizierung, die das Management weiterhin für August 2026 in Aussicht stellt. Damit wird die Frage nach der Liefergeschwindigkeit praktisch zu einer Frage der Zertifizierungsarbeit: Ohne die passende Freigabe bleibt die Kette zwischen Produktion, Logistik und tatsächlicher Inbetriebnahme in der Praxis unterbrochen. Parallel dazu unterzeichnete H-Power im selben Zeitraum einen Vertrag mit TAMGO, dem exklusiven Vertriebspartner in Saudi-Arabien, für den Verkauf von zwei LC30-Generatoren für Testeinsätze in der Golfregion.
Auch der Wasserstoffhandel selbst zeigt Bewegung, allerdings in einem frühen, markennahen Rahmen. Bereits im Juni sicherte sich H-Power nach eigenen Angaben den ersten kommerziellen Verkauf von aus gecracktem Ammoniak gewonnenem Wasserstoff in Großbritannien. Konkret liefert das Unternehmen 5.000 Kilogramm brennstoffzellentauglichen grünen Wasserstoff aus der Pilotanlage in Dunsfold an den Abnehmer Protium. Das ergänzt das Geschäftsmodell um eine zusätzliche Einnahmequelle jenseits des reinen Anlagenverkaufs und verschiebt die Aufmerksamkeit von „Technologie fertigstellen“ hin zu „Lieferfähigkeit im Markt belegen“. Gerade für Unternehmen in der Energietechnik zählt dieser Nachweis, weil er zukünftige Verträge erleichtern kann, wenn Kunden sehen, dass die Supply Chain bis zum Abnahmepunkt funktioniert.
Am Kapitalmarkt bleibt das Bild indes verhalten. Für die Aktie nennt der Bericht zuletzt einen uneinheitlichen Handel: Am Freitag schloss das Papier bei 0,1288 Euro und büßte 0,6 Prozent ein. Auf Sicht von sieben Tagen liegt dennoch ein Plus von 2,2 Prozent, seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus 8,8 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem Mai ist die Aktie aber weiterhin deutlich entfernt; der Abstand liegt bei 37 Prozent. Dass operative Fortschritte bei Komatsu, Speedy Hire und Protium bislang nicht zu einer nachhaltigen Kurserholung geführt haben, passt zu dem Muster, das viele Energie- und Infrastrukturwerte in Zertifizierungs- oder Projektübergängen zeigen: Solange konkrete Umsetzungen und Serienlieferungen noch an Prüfpunkte wie CE-Freigaben oder an Demo-Startdaten gekoppelt sind, bleibt die Neubewertung häufig zurückhaltend.
Neue Impulse kommen zwar auch aus dem Kapitalmarkt-Umfeld: Am 10. August berief H-Power Canaccord Genuity Limited als weiteren Corporate Broker. Das Unternehmen soll künftig neben den bestehenden Häusern Peel Hunt und Zeus aktiv sein. Aus Sicht der Marktmechanik kann mehr Broker-Abdeckung die Sichtbarkeit erhöhen und die Abdeckung für institutionelle Investoren verbessern, auch wenn das für sich allein selten den Bewertungshebel ersetzt. Zusätzlich wurden die Kursziele offenbar durch automatisierte Bewertungsmodelle spürbar gesenkt: Der durchschnittliche Zielwert rutschte von 0,74 auf 0,61 britische Pfund; ein einzelnes Modell reduzierte seine Einschätzung von 0,63 auf 0,55 Pfund. Solche Screener-Anpassungen spiegeln vor allem feinjustierte Bewertungsannahmen wider und sollten nicht automatisch als inhaltliches Fundamentalkorrektiv missverstanden werden.
Für die nächsten Wochen dürften daher zwei Termine im Fokus stehen: Zum einen die erwartete CE-Zertifizierung im August 2026, die den Weg für die Auslieferung der LC30-Einheiten Richtung Speedy Hire und damit für potenzielle Folgeumsätze ebnet. Zum anderen ist die Demonstrationsphase bei Komatsu der strukturelle Prüfstein, der ab dem September-Start zeigen muss, ob die Ammoniak-Cracking-Technologie in einer industriellen Umgebung zuverlässig mit Motoren und Betriebsprofilen zusammenarbeitet. Anleger dürften genau zwischen diesen Daten abgleichen, wann aus Projektfortschritten wieder wiederkehrende Erlöse werden können – und ob die derzeit verhaltene Marktreaktion sich in eine belastbarere Neubewertung verwandelt.
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