BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Heidelberger Druckmaschinen meldet für das erste Quartal 2026/2027 einen Umsatzrückgang auf 404 Millionen Euro und einen Verlust nach Steuern von minus 32 Millionen Euro. Parallel treibt der Konzern den Umbau in Richtung Technologie- und Systemgeschäft mit Drohnen und Batteriespeichern voran. Mit Skyeton sollen autonome Luft-Boden-Systeme entstehen, auf ONBERG-basiertem Feld wird der Verteidigungsfokus sichtbar. Beim zweiten Standbein setzt Heidelberg zudem auf industrielle Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriespeichern über HD Advanced Technologies.

Die aktuellen Zahlen von Heidelberger Druckmaschinen sind weniger als Momentaufnahme zu lesen, sondern als Belastungsspitze im laufenden Transformationsprozess: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 fiel der Umsatz auf 404 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch 466 Millionen Euro erreicht wurden. Noch deutlicher drückt die operative Hebelwirkung durch, denn die bereinigte Ebitda-Marge kollabierte auf 0,2 Prozent. Gleichzeitig stieg der Verlust nach Steuern von minus 11 Millionen Euro auf minus 32 Millionen Euro – damit verschärft sich die rote Linie in einem Umfeld, in dem der Konzern eigentlich gerade strukturell umstellen will.
Technisch und kaufmännisch hängt das Kerngeschäft damit eng an der Auslastung von Druckkapazitäten und an Investitionszyklen der Kunden. Der Konzern nennt als Hauptgrund für den Umsatzeinbruch das Auslaufen eines staatlichen Förderprogramms in Italien, das zuvor offenbar Bestellungen für Druckmaschinen angeschoben hatte. Genau solche Sondereffekte machen die Vergleichsbasis im Maschinenbau häufig unruhig: Fällt ein Impuls weg, sieht die Statistik sofort schlechter aus, auch wenn das Produkt- oder Servicekonzept grundsätzlich nicht „kaputt“ ist. Für das Management bedeutet das jedoch eine schwierige Gleichzeitigkeit – Umbauaufwand trifft auf ein schwächeres Nachfragefenster im klassischen Geschäft.
Während die Maschine sich also wirtschaftlich noch durch die Gegenwart kämpft, verschiebt Heidelberg die strategische Landkarte mit einem Doppelstrang. Im Verteidigungsumfeld will der Konzern über die Sparte ONBERG künftig autonome Luft-Boden-Wirkverbünde entwickeln: Gemeinsam mit dem ukrainischen Drohnenentwickler Skyeton soll ein System entstehen, das Überwachungsdrohnen mit einem unbemannten Bodenfahrzeug verbindet. Damit geht Heidelberg über die traditionelle Rollenverteilung eines Druckmaschinenherstellers hinaus; statt mechanischer Präzisionskomponenten und Serviceprozessen rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie man die Integration heterogener Plattformen – also Luft- und Bodensysteme – operationalisiert und zu einem funktionierenden Verbund macht.
Parallel dazu wird ein zweites Feld finanziell und organisatorisch neu aufgestellt. Über die Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies steigt Heidelberg gemeinsam mit PHENOGY AG in die industrielle Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriespeichern ein. HDAT soll dabei Beschaffung, Produktion, Rollout sowie Service und Wartung übernehmen – also entlang des gesamten Lebenszyklus arbeiten, nicht nur Komponenten liefern. Für die technische Einordnung ist das relevant, weil Natrium-Ionen-Batterien in der Praxis häufig mit dem Versprechen von alternativen Materialpfaden und einer potenziell kostennäheren Skalierung verbunden werden; entscheidend wird aber, wie zuverlässig sich Zell- und Systemparameter im Feld abbilden lassen. Genau hier entscheidet sich, ob das Batteriespeicher-Thema von Anfang an als stabiles zweites Standbein oder zunächst als Investitionsposten wahrgenommen wird.
Dass der Umbau trotz laufender Verluste nicht intern ins Stocken gerät, zeigt auch die Kapitalmarktseite: Auf der virtuellen ordentlichen Hauptversammlung stimmten die Hauptaktionäre allen Beschlussvorschlägen der Verwaltung geschlossen zu. Dazu gehörte der vollständige Verzicht auf eine Dividende für das Geschäftsjahr 2025/2026 – angesichts der aktuellen Verlustlage wenig überraschend, aber ein deutliches Signal für die Bereitschaft, Ressourcen in die Transformation zu lenken. Der Vorstand nutzt den Termin zudem, um die Ausrichtung auf ein Systemintegrator-Modell zu betonen und den Ausbau der neuen Geschäftsfelder weiter zu untermauern.
Auch im angestammten Druckmaschinengeschäft bleibt Bewegung sichtbar, was in der Logik der Turnaround-Strategie wichtig ist: Im Juni übernahm Heidelberg wesentliche Teile des globalen Service- und Ersatzteilgeschäfts sowie geistige Eigentumsrechte der insolventen Manroland Sheetfed. Rund 35 Vertriebsgesellschaften und 600 Mitarbeiter wurden integriert – ein Ansatz, der das Servicegeschäft als stabilisierenden Umsatz- und Margenhebel stärken soll. Ebenso wurde Mitte Juli mit ChromaStar ein neues Farbdosiersystem für Verpackungsdruck vorgestellt, während Wintipak Anfang Juli eine Großformatmaschine des Typs Boardmaster orderte. Solche Einzelbewegungen deuten darauf hin, dass Nachfrage in Nischen – etwa im Verpackungssegment – nicht vollständig abreißt, aber der Konzern muss in den kommenden Quartalen zeigen, ob die neuen Felder (Drohnenabwehr und Batteriespeicher) nicht nur strategisch stimmig, sondern auch messbar umsatzwirksam werden.
Die Börse betrachtet den Wandel bislang jedoch mit Skepsis. In der Argumentation der Analysten spielt dabei eine wiederkehrende Erfahrung eine Rolle: Heidelberger Druckmaschinen habe in der Vergangenheit seine Erwartungen im Jahresverlauf wiederholt nach unten korrigieren müssen. Für Investoren heißt das in der Praxis, dass sie künftig sehr wahrscheinlich stärker auf kurzfristige KPIs schauen: Wie schnell entstehen erste wiederkehrende Umsätze in den neuen Geschäftsfeldern, wie hoch bleibt der Anlaufaufwand, und wie stark wird das klassische Geschäft durch externe Förderzyklen wie in Italien weiter überlagert. Erst wenn diese drei Ebenen – Kostenkurve, Umsatzbeitrag und Stabilität im Kerngeschäft – zusammenpassen, kann der „Umbau zum Technologieunternehmen“ auch wirtschaftlich glaubwürdig werden.
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