CAMP GRAFTON, NORTH DAKOTA / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Pentagon plant im Oktober den Demonstrator „GroundBreaker 1“, bei dem Industrie-Prototypen für unbemannte Bodenfahrzeuge unter realistischen Feldbedingungen getestet werden. Vorgesehen ist ein Verfahren mit physischen Operational Assessments und iterativen Verbesserungen, begleitet durch die Einbindung in DoW-Systeme. Bemerkenswert ist dabei die Vergabe-Logik über Other Transactions Agreements (OTAs), die klassische Beschaffungsprozesse abkürzen sollen. Zusätzlich wird die UGV-Sparte auf der „Drone Marketplace“-Plattform vorbereitet, die aktuell noch im Entwicklungsstatus ist.

GroundBreaker 1: Pentagon testet autonome UGVs mit Industrie-Prototypen in North Dakota
GroundBreaker 1: Pentagon testet autonome UGVs mit Industrie-Prototypen in North Dakota (Foto: IT BOLTWISE)
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Im mittleren Oktober bekommt das Thema unbemannte Bodenfahrzeuge eine neue Beschleunigung: Im Rahmen der Joint Unmanned Ground Vehicle (UGV) demonstration „GroundBreaker 1“ sollen industriegebaute Robotik-Plattformen auf dem Gelände von Camp Grafton in North Dakota praktisch vorgeführt werden. Laut einer am 21. August veröffentlichten Bekanntmachung läuft der Zulauf über sogenannte White Papers, also eine Vorauswahl von Anbietern, bevor es zu konkreten technischen und operationellen Tests kommt. Der Hintergrund ist weniger ein einzelnes Fahrzeugmuster als vielmehr ein Beschaffungs- und Integrationsversuch: Das Verteidigungsressort will uncrewed Systeme stärker in seine Flotte bringen, nachdem die bisherige Priorisierung bei Drohnen und maritimen unbemannten Systemen schneller vorangekommen war.

Technisch liegt der Fokus dabei auf genau den Fähigkeiten, die UGVs im Gelände von reinen „Roboter auf Karten“ unterscheiden. Das Programm adressiert explizit Hinderniserkennung und autonome Obstacle Avoidance, verlangt all-terrain Mobility und kombiniert das mit Softwareanforderungen: Gewünscht sind „open-system, hardware-agnostic software architectures“, die sich „seamlessly“ in militärische Netzwerke sowie Command-and-Control-Strukturen integrieren lassen. Für Teams aus der Industrie ist das vor allem deshalb anspruchsvoll, weil eine hardware-agnostische Architektur nicht nur Sensoren und Aktuatoren betrifft, sondern auch Kommunikations- und Schnittstellenmodelle – also genau die Schicht, die in der Praxis oft am längsten zwischen Prototyp und Einsatzfähigkeit klemmt.

Beschaffungsseitig setzt die Initiative auf Other Transactions Agreements (OTAs), um die typische Bürokratie klassischer Beschaffungswege zu umgehen. In der Logik der Bekanntmachung sollen OTAs nicht nur nicht-traditionellen Anbietern den Einstieg erleichtern, sondern auch die Zeit bis zur Bereitstellung neuer Technik an die Truppe verkürzen. Interessant ist dabei die organisatorische Klammer: Teilnehmen dürfen laut Notice nur Mitglieder des DoW Drone OTA Consortiums. „DoW“ steht in diesem Kontext als Abkürzung für Department of War, das bevorzugte Kürzel der Trump-Regierung für das Verteidigungsministerium. Das Konsortium wurde erst vor wenigen Monaten aufgesetzt, um die „rapid solicitation, evaluation, and award“-Schritte für OTAs zu koordinieren – also schnellere Runden für Prototyping und Produktion zu ermöglichen.

Der Test soll nicht im luftleeren Raum stattfinden, sondern mit realistischem Feldbetrieb. Für GroundBreaker 1 heißt das, dass die Plattformen „in realistic field conditions“ betrieben werden und Rückmeldungen von Service Members zur Usability sowie zur Gesamtwirksamkeit des Einsatzes liefern sollen. Diese Rückkopplung ist ein kritischer Teil der UGV-Realitätsprüfung: Auf dem Boden entscheidet nicht nur die Reichweite oder die Motorleistung, sondern auch die Robustheit gegen unvorhergesehene Hindernisse, Funklöcher und unerwartete Fahrwerksbelastungen. Gerade weil UGVs im Vergleich zu Luft- und Seesystemen deutlich stärker mit Unebenheiten und vielfältigen Barrieren im Gelände kämpfen müssen, gilt der Bodenbereich in der US-Einsatzlogik historisch als schwerer zu „eskalieren“.

Als sachlichen Treiber nennt die Bekanntmachung die Erfahrungen aus dem Russland-Ukraine-Krieg, in dem UGVs auf beiden Seiten für verschiedene Aufgaben genutzt wurden. Das ist für die Pentagon-Planung ein Signal, dass der Nutzen nicht nur theoretisch ist, sondern sich in operativen Szenarien bewiesen hat – vor allem mit Blick darauf, Soldaten aus potenziell gefährlichen Situationen herauszuhalten. Für die Oktober-Demo suchen die Verantwortlichen Plattformen, die mindestens eine „core mission“-Kategorie abdecken. Genannt werden unter anderem Reconnaissance und Surveillance, der Transport von supplies und equipment, Explosive ordnance disposal und route clearance, Search and Rescue, Force protection und perimeter security, casualty evacuation sowie „Other Support/Multi-Domain Operations“.

Für Anbieter bedeutet das eine klare Ausrichtung: Die Bekanntmachung zielt auf „complete UGV systems“, die sowohl in taktischen als auch nicht-taktischen Umgebungen genutzt werden können. Das Testdesign kombiniert dabei mehrere Teilschritte: ausgewählte Anbieter sollen operative Assessments vor Ort unterstützen, iterativ an der Technologie nachschärfen und direkt in DoW-nahe Systeme integrieren. Wenn ein System während des Camp-Grafton-Setups einen hohen taktischen Mehrwert und eine ausreichende technische Reife zeigt, kann das den nächsten Schritt auslösen: Dann sollen die Teams in eine Phase übergehen, in der ein vollständiger technischer und Kostenvorschlag für eine OTA-Award zur Prototypenarbeit erwartet werden kann.

Parallel läuft eine Plattformstrategie, die erklärt, warum das Programm gerade jetzt sichtbar wird. Das Pentagon bereitet die UGV-Angebote in der Drone Marketplace vor, die kürzlich online gegangen ist; in der Plattformlogik gibt es Portale für unmanned aerial systems, uncrewed surface vessels, underwater vehicles, UGVs und counter-drone platforms. Der Zugriff auf den UGV-Bereich führte laut Bericht am Montagmorgen jedoch zu einer Meldung, dass dieser Abschnitt „currently under development“ ist. Für die Praxis heißt das: Während die digitale Beschaffungsoberfläche noch nachzieht, wird die eigentliche technische Reife schon durch Demonstrationen im Feld vorangetrieben. Aus Marktsicht ist das ein relevanter Taktgeber, weil erfolgreiche UGV-Anbieter nicht nur das Demonstrationsfenster gewinnen, sondern potenziell auch den Weg in wiederholbare Integrations- und Beschaffungszyklen ebnen.


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