LONDON (IT BOLTWISE) – Ab dem 30. Oktober 2026 könnte am US-Aktienmarkt eine als günstig eingestufte 18-Monats-Phase starten. Laut dem technischen Analysten Jay Kaeppel folgt aus einer über 100-jährige Auswertung für den S&P 500 ein Muster aus abwechselnd günstigen und ungünstigen Zeitfenstern. In den bisherigen günstigen Phasen lag die durchschnittliche Rendite bei 26,8 Prozent, während sie in den ungünstigen Phasen bei 4,9 Prozent lag. Gleichzeitig deutet der bisherige Verlauf der seit Februar 2025 laufenden ungünstigen Phase darauf hin, dass Anleger das Timing nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage nutzen sollten.

US-Aktien: Ab 30. Oktober könnte ein 18-Monats-Zyklus günstig starten
US-Aktien: Ab 30. Oktober könnte ein 18-Monats-Zyklus günstig starten (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um den nächsten möglichen Drehpunkt an der Wall Street entzündet sich an einem Terminvorschlag, der erst auf den ersten Blick nach „Kalender-Romantik“ klingt: Am 30. Oktober 2026 soll laut dem technischen Analysten Jay Kaeppel eine als günstig eingestufte 18-Monats-Phase im US-Aktienmarkt beginnen. Der Reiz an solchen Zyklusannahmen ist nicht die Idee, Märkte seien mechanisch vorhersagbar, sondern die Hoffnung, dass sich statistische Häufungen nutzen lassen. Kaeppel beschreibt dafür ein wiederkehrendes Muster, das sich über Jahrzehnte erstrecke: Aus seinem Sieben-Jahres-Zyklus bilde sich jeweils ein günstiger und ein ungünstiger Abschnitt ab, wobei die günstige Seite in eine 18-Monats-Phase fällt.

Technisch betrachtet lohnt sich dabei der Blick auf die Definition des Musters: Kaeppel spricht von einer Unterteilung in zwei Teilzyklen von jeweils dreieinhalb Jahren. Innerhalb dieser beiden Hälften wechseln sich wiederum 18-Monats-Fenster ab, die er als günstig beziehungsweise ungünstig klassifiziert. Am 30. Oktober 2026 markiert er den Start des nächsten günstigen Fensters. Wichtig ist: Er räumt selbst ein, dass er bislang keine „schlüssige Erklärung“ dafür gefunden habe, warum das Muster über die Jahrzehnte so zuverlässig sein soll. Genau diese Spannung zwischen empirischer Statistik und fehlender kausaler Begründung ist für viele Anleger der entscheidende Punkt, denn ohne Erklärung bleibt der Zyklus potenziell anfällig für Regimewechsel.

Die quantitativen Unterschiede zwischen beiden Phasentypen sind jedoch deutlich genug, um zumindest eine konkrete Erwartungshaltung zu stützen. In 106 Jahren habe der S&P 500 in günstigen Phasen in 27 von 30 Fällen zugelegt; die Aufwärtsquote liegt damit bei 90 Prozent. Noch aussagekräftiger wirken die Renditekennzahlen: In diesen günstigen Zeitfenstern betrug die durchschnittliche Rendite 26,8 Prozent, der Median sogar 29,1 Prozent. In den ungünstigen Phasen ist das Bild deutlich anders: Dort stieg der Index in 69 Prozent der Fälle, die durchschnittliche Rendite lag bei 4,9 Prozent, der Median bei 6,3 Prozent. Zusätzlich unterscheiden sich die maximalen Verlustspannen: Während günstige Phasen historisch mit einem maximalen Rückgang von 26 Prozent einhergingen, konnten ungünstige Phasen bis zu 69,5 Prozent Verlusten ausgesetzt sein.

Für das Timing im laufenden Markt ist diese Statistik spannend, aber nicht automatisch handlungsleitend. Die seit dem 13. Februar 2025 laufende, nach Kaeppel eigentlich als ungünstig klassifizierte Phase entwickelt sich bislang dennoch stark: Der S&P 500 liegt laut den genannten Daten seit dem Start dieser Phase um mehr als 26 Prozent im Plus. Als Hintergrund wird ein Bullenmarkt beschrieben, der wesentlich von Technologie- und KI-bezogenen Werten getragen wurde und sich dem vierten Jahrestag nähert. Damit treffen zwei Ebenen aufeinander: Kalendermuster auf der einen Seite und ein faktenbasierter, fundamental geprägter Aufschwung auf der anderen. Wenn ein ungünstiges Zeitfenster trotzdem eine robuste Performance zeigt, spricht das dafür, dass Faktoren wie Bewertungsniveau, Unternehmensgewinne, Kapitalflüsse und das Sentiment für KI-nahe Segmente kurzfristig stärker wirken können als ein historisch beobachtetes Raster.

Gerade für Investoren mit technologieorientierter Ausrichtung liegt hier ein realer Praxisnutzen: Zyklusdaten können helfen, das Risiko-Rendite-Profil über einen längeren Horizont bewusster zu planen, etwa bei der Frage, wie viel „Stabilitätspuffer“ man vor potenziell unruhigen Zeitfenstern einplant. Gleichzeitig muss die fehlende Kausalität ernst genommen werden. Wenn der Ansatz nur auf der statistischen Häufung beruht, bleibt die zentrale Frage offen, ob sich das Muster in einem neuen Marktregime ebenso wiederholt, etwa wenn sich Zinserwartungen, Volatilität oder die Zusammensetzung des S&P 500 strukturell verändern. Kaeppels Hinweis auf die Kalender-Komponente als zusätzliche Dimension neben anderen Mustern wirkt deshalb eher wie eine Ergänzung denn wie ein Ersatz für fundamentale und technische Risikoanalyse.

Für die Marktbreite bedeutet das auch: Selbst wenn ab dem 30. Oktober 2026 historisch bessere Chancen für die Bullenphase genannt werden, entscheidet nicht nur „wann“, sondern auch „wie“ und „womit“. Der bisherige Lauf seit Februar 2025 zeigt, dass eine ungünstige Einstufung das Marktgeschehen nicht zwingend bremst, solange die Kapitalnachfrage für Wachstums- und KI-getriebene Thesen anhält. Umgekehrt können günstige Phasen in der Praxis Phasen hoher Schwankungen enthalten, was sich an den Maximalverlusten ablesen lässt. Für Unternehmen, die über Kapitalmarktplanung, Investorenkommunikation oder Mitarbeiterbeteiligungsprogramme indirekt mit Börsenstimmung gekoppelt sind, heißt das: Timing-Überlegungen sollten zwar im Portfolio- und Treasury-Kontext eine Rolle spielen, aber durch Szenarien, Liquiditätsplanung und eine klare Risikofähigkeit abgesichert werden.

Letztlich bleibt der Kern der Meldung zweigeteilt: Einerseits liefert die historische Auswertung für günstige 18-Monats-Fenster eine klare Überlegenheit bei Aufwärtswahrscheinlichkeit und Rendite. Andererseits zeigt der Verlauf der aktuellen, als ungünstig bezeichneten Phase, dass Märkte nicht „nach Lehrbuch“ laufen. Anleger, die Kaeppels Zyklus als Signal aufnehmen, sollten ihn daher eher als statistische Eintrittswahrscheinlichkeit verstehen und ihn mit anderen Beobachtungen koppeln: etwa mit der Bewertungssensitivität gegenüber Zinsen, dem Momentum in den KI-orientierten Segmenten und der Breite der Kursbewegungen im Index. Dann kann das Muster zumindest eine zusätzliche Perspektive liefern – ohne den Anspruch, den Markt damit kausal zu erklären.


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