LONDON (IT BOLTWISE) – Das Krypto-Collateral bei Bitcoin-Futures ist laut Glassnode über Jahre von nahezu 100% auf rund 12% gefallen. Gleichzeitig kam es in 24 Stunden zu Liquidationen in Höhe von 570,08 Mio. US-Dollar, wobei Shorts stärker getroffen wurden. Der Kurs sprang von etwa 57.000 US-Dollar auf einen wöchentlichen Schluss nahe 79.175 US-Dollar. Damit passt vieles zu einem Short-Squeeze, aber nicht zwingend zum Ende der Bewegung.

Bitcoin: Rückgang des Krypto-Collaterals und Liquidationen werfen Fragen nach dem Short-Squeeze auf
Bitcoin: Rückgang des Krypto-Collaterals und Liquidationen werfen Fragen nach dem Short-Squeeze auf (Foto: IT BOLTWISE)
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Die jüngsten Zahlen wirken auf den ersten Blick wie eine Beruhigungspille für alle, die den Bitcoin-Short-Squeeze schon „abgehakt“ sahen. Denn die offenen Positionen in Krypto-gestützten Bitcoin-Futures sind deutlich kleiner geworden: Auf Basis einer Langzeitkennzahl von Glassnode liegt ihr Anteil aktuell bei rund 12% über alle Börsen hinweg. In der Phase 2019 bis 2020 lag dieser Anteil nach denselben Datenquellen noch nahe 100%. Der Kernunterschied liegt im Margin-Mechanismus: Bei Krypto-margined Kontrakten steckt als Sicherheit ausgerechnet der gehandelte Vermögenswert selbst im Margin-Topf, wodurch ein Kursrückgang die Puffer sofort schrumpfen lässt und so die Wahrscheinlichkeit für Margin Calls erhöht, während der Markt häufig ohnehin im ungünstigsten Moment beschleunigt.

Technisch betrachtet verändert die Verschiebung hin zu Stablecoin-Margin das Risiko-Profil, aber nicht die Grundlogik von Leverage. Stablecoin-margined Positionen sind in USD-Begriffen „abgepuffert“, weil die Sicherheiten wertstabil bleiben, während sich der Kurs der Basis dynamisch bewegt. Dadurch entsteht weniger ein Feedback-Loop aus sinkendem Preis und gleichzeitig schneller schwindendem Sicherheitspolster. Wer BTC-Futures handelt, bekommt damit statistisch gesehen nicht weniger Volatilität zu spüren, aber die Zahlungsfähigkeit des Margin-Systems reagiert weniger abrupt. Dass sich derivate Handelspraktiken über die Jahre weiter professionalisiert haben, zeigt sich auch daran, wie institutionelleren Flüssen oft leichter Zugang zu Fiat-Ökosystemen folgt: Sobald sich Liquidität und Sicherheiten stärker in Richtung Dollar-Äquivalente verlagern, sinkt tendenziell die unmittelbare Abhängigkeit vom Coin-Preis für die Margin-Wirkung.

In den letzten Tagen prallten diese strukturellen Veränderungen jedoch auf ein sehr kurzfristiges Ereignis: Innerhalb von 24 Stunden wurden 570,08 Mio. US-Dollar an Kontrakten liquidiert. Laut den genannten Daten wurden dabei Shorts mit 329,60 Mio. US-Dollar deutlich stärker reduziert als Longs mit 240,48 Mio. US-Dollar. Der Preisverlauf liefert das passende Bild: Bitcoin sprang von ungefähr 57.000 US-Dollar auf einen wöchentlichen Schluss nahe 79.175 US-Dollar und legte am Tag danach um rund 1,88% zu. Dieses Muster – Preis steigt, liquidierte Shorts überwiegen, Verluste wachsen mit der Beschleunigung – entspricht dem typischen Charakter eines Short-Squeezes. Die Aufteilung der liquidierten Beträge zeigt dabei zudem eine weitere Besonderheit: Bitcoin habe den größten Anteil an den Verlusten ausgemacht; ein einzelner BTC-Positionseinbruch von 103,54 Mio. US-Dollar auf Bitget wurde als größter „Blowup“ genannt, basierend auf CoinGlass-Daten.

Wichtig ist an dieser Stelle die Trennung zweier Geschichten, die sich zwar gleichzeitig zeigen, aber nicht kausal ineinander greifen müssen. Der kollaterale Strukturwandel – also der langfristige Wechsel von Krypto-zu Stablecoin-Margin – erklärt nicht automatisch die Liquidationswelle von dieser Woche. Auch wenn Stablecoin-Margin den Markt „dämpfen“ kann, heißt das nicht, dass Leverage verschwindet. Leverage bleibt Leverage, egal ob die Sicherheit in BTC oder einem USD-nahen Token liegt: Sobald die Positionsgrößen groß genug sind und der Markt in kurzer Zeit gegen die Positionen läuft, können auch dollarbasierte Sicherheiten in ein Liquidationsszenario kippen. Genau deshalb wirkt die Aussage „Short-Squeeze vorbei“ ohne weitere Daten zu kurz: Die Architektur des Marktes hat sich verändert, aber sie verhindert keine nächsten Disruptionen, sondern verschiebt eher, wie schnell und wie abrupt Margin-Risiken in Liquidationen überspringen.

Dass die Marktstruktur derzeit eher „stabile“ Collateral-Logiken nutzt, spiegelte auch der Kontext der Derivate-Nutzung wider. In der Berichterstattung werden mehrere Signale genannt, die auf institutionellen Flow hindeuten: Coinbase habe in Großbritannien Derivate über Hyperliquid mit bis zu 50x Leverage geöffnet, Bitcoin-ETFs hätten in fünf Tagen 854 Mio. US-Dollar angezogen, und Strategy habe laut den genannten Hinweisen einen Teil seines Bitcoin-Bestands reduziert. Gleichzeitig blieb die Spot-Nachfrage in derselben Woche offenbar unberührt: Der Kurs erholte sich aus einer Phase niedriger Volatilität, in der sich Bitcoin mehrere Monate zwischen 60.000 und 68.000 US-Dollar „driftete“. Damit entsteht ein wichtiges Gesamtbild: Auch wenn Derivate stärker mit Dollar-Logiken arbeiten, bleibt die Kursbildung im Spot- und Derivate-Nexus sensibel für Repositionierungen, insbesondere dann, wenn Liquiditätszonen und Stop-Mechaniken vieler Marktteilnehmer gleichzeitig „reagieren“.

Für Marktteilnehmer ergibt sich daraus vor allem eine praktische Konsequenz: Wer Liquidationen nur über den Kollateraltyp interpretiert, läuft Gefahr, den eigentlichen Trigger zu übersehen. Der Anteil Krypto-margined Open Interest von etwa 12% signalisiert, dass ein Teil der früheren Feedback-Loop-Wirkung strukturell reduziert wurde; zugleich zeigt die Liquidationsstatistik, dass kurzfristige Hebelwirkung weiterhin messbar ist. Die zwei Datenpunkte, die hier nebeneinander stehen – die langsame Marktarchitektur im Derivate-Setup und die Tages-„Noise“ einer Liquidationswelle – müssen daher getrennt betrachtet werden. Aus den vorliegenden Angaben lässt sich gerade deshalb kein klares Ende des Short-Squeezes ableiten; vielmehr spricht die Kombination dafür, dass weitere Bewegungen möglich bleiben, solange Leverage in Summe hoch genug ist und Positionscluster auf ähnliche Preisbereiche konvergieren.


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