MADISON / LONDON (IT BOLTWISE) – CellTrack nutzt ein PET-Scan-basiertes Verfahren, um die Erfolgswahrscheinlichkeit von Zelltherapien bei Krebs vorherzusagen. Die Gründerseite peilt für eine nächste Seed-Runde 5 Millionen US-Dollar an, parallel läuft bereits eine Pre-Seed-Finanzierung über 600.000 US-Dollar. Das Startup führt Pilotprojekte mit frühen Kunden durch und will die Technologie über präklinische Schritte bis zu klinischen Studien in den Einsatz bringen. Ziel ist ein companion-diagnostic-ähnliches Werkzeug, das vor klinischen Trials die Entwicklung unterstützen soll.

CellTrack sammelt Seed-Kapital für KI-gestützte Prognose von Zelltherapien
CellTrack sammelt Seed-Kapital für KI-gestützte Prognose von Zelltherapien (Foto: IT BOLTWISE)
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CellTrack treibt eine Spezialidee aus der Medizinphysik in Richtung Kapitalmarkt und Produktentwicklung: Das Startup, geführt von Victor Santoro Fernandes aus der UW-Madison Medical Physics, will die Frage nach dem “Wird die Zelltherapie beim einzelnen Patienten wirken?” messbar machen. Als technische Basis nennt die Gründungsstrategie einen PET-Scan-Ansatz, der sich in der Fachsprache dort verorten lässt, wo Diagnostik und Therapie zusammenwachsen: In der Radiopharmazie wird das häufig als Radiotheranostics bezeichnet, und CellTrack ordnet sich sinngemäß als “Cell Theranostics” ein. Genau diese Brücke ist für Unternehmen attraktiv, die nicht nur die Wirksamkeit einer Therapie entwickeln, sondern vor allem die klinische Entwicklung effizienter steuern möchten.

Aus operativer Sicht ist entscheidend, wie so ein companion-diagnostic-ähnliches Prinzip technisch in den Entwicklungsprozess passt. Santoro Fernandes beschreibt die Zielarchitektur so, dass das diagnostische Werkzeug vor dem eigentlichen klinischen Einsatz zunächst als Tool für die Drug-Entwicklung dient: Bevor klinische Studien beginnen, kommen präklinische Studien – und genau dort will die Plattform wirken. Praktisch bedeutet das, dass Entwickler ihrer Zelltherapie frühzeitig Datenpunkte hinzufügen können, um Hypothesen zu ihrer späteren klinischen Erfolgschance zu testen, statt erst nach teuren Trial-Phasen Gewissheit zu bekommen. Wenn dieses Vorgehen funktioniert, könnte die Plattform als Entscheidungs- und Entwicklungsunterstützung auftreten, ohne dass sie sofort selbst die gesamte klinische Produktzulassung übernehmen muss.

Finanzierungsseitig beginnt das Vorhaben mit überschaubaren, aber gezielt eingesetzten Mitteln. CellTrack sammelt derzeit 600.000 US-Dollar für eine Pre-Seed-Runde, wobei bereits 400.000 US-Dollar zugesagt sein sollen. Der nächste Schritt ist deutlich größer: Für eine kommende Seed-Funding-Runde nennt der Gründer ein Volumen von 5 Millionen US-Dollar, wobei die Mittel nach seiner Darstellung in die gemeinsame Finanzierung klinischer Studien mit einem Partner fließen sollen – inklusive dem Anspruch, die Technologie in Menschen zu validieren. Dieses Muster passt zu vielen frühen MedTech-Startups: Zuerst werden Piloten, Machbarkeit und Datenqualität aufgebaut, danach folgt ein größerer Finanzierungsschub, der den Übergang Richtung Human-Studien absichert.

Damit das nicht nur als Konzept bleibt, nutzt CellTrack derzeit Pilotprojekte mit den ersten Kunden. Als “first customers” werden ausdrücklich die Drug-Entwickler genannt, also die Unternehmen, die Zelltherapien programmatisch in Entwicklungs- und Studienpfade bringen. Genau hier entsteht ein pragmatischer Market-Fit: Entwickler haben ein unmittelbares Interesse an Tools, die Tests strukturieren, Patientenpopulationen besser adressieren oder zumindest die Wahrscheinlichkeit verringern, dass ein Ansatz nach teuren Schritten scheitert. Anders als rein akademische Bildgebung verspricht CellTrack damit eine stärker prozessnahe Anwendung, die an den “Fahrplan” der Wirkstoffentwicklung andockt.

Wettbewerb und Netzwerk spielen in der Wachstumsphase eine messbare Rolle. Santoro Fernandes hat die diesjährige Pressure Chamber Pitch Competition in Madison gewonnen und erhält dadurch einen Platz auf einer Herbstreise des Greater Madison Chamber of Commerce in Richtung Silicon Valley. Dort will er in Gesprächen mit Venture-Capital-Firmen “investors warm up” betreiben, um die Basis für die Seed-Runde zu verbreitern. Die Story wirkt wie ein klassischer Pipeline-Mechanismus in der Startup-Ökonomie: Erst öffnet ein Wettbewerb die Tür zu relevanten Investorenkontakten, anschließend werden diese Kontakte in konkrete Gespräche über Datengüte, Pilotfortschritt und Finanzierungsbedarf übersetzt.

Technisch lässt sich das Vorhaben auch historisch einordnen: Diagnostik wird seit Jahren zunehmend als Teil des Therapiepfads verstanden – von Biomarkern bis zu bildgebenden Verfahren. PET-Scans liefern dabei typischerweise Informationen über Stoffwechsel- und Verteilungsprozesse, wodurch sich Therapieantworten früh erkennen oder zumindest plausibel modellieren lassen können. Die Herausforderung liegt weniger in der Bildgebung als solcher als in der klinischen Übersetzung: Welche Signale korrelieren zuverlässig mit dem Therapieerfolg, wie robust ist die Messung über verschiedene Zentren und Protokolle hinweg, und wie lässt sich daraus eine belastbare Entscheidungslogik ableiten, die Entwickler in Studien tatsächlich nutzen können. Genau diese Phase – vom Pilot bis zur validierten Human-Anwendung – entscheidet über die Skalierbarkeit, denn hier wird aus “versprechend” ein wiederholbares Ergebnis.

Für die Branche ergibt sich daraus eine klare Erwartungslogik: Wenn CellTrack seine Plattform wie geplant über präklinische Schritte in Richtung klinische Studien bringt, könnten sich damit neue Chancen für Entwickler ergeben, Zelltherapien datengetrieben zu priorisieren und ihre Entwicklungsplanung zu rationalisieren. Zugleich steigt der Druck auf das Startup, frühe Piloten nicht nur zu demonstrieren, sondern die Daten so aufzubereiten, dass Partnerunternehmen daraus konkrete Entscheidungen in ihrem eigenen Studien-Design ableiten können. Die kommenden Monate bis zur Seed-Runde werden deshalb weniger von der reinen Präsentationsleistung abhängen, sondern davon, wie schnell sich Pilotresultate in reproduzierbare, investierbare Entwicklungsmeilensteine übersetzen lassen.

Ein weiterer, oft unterschätzter Hebel liegt in der Entstehungsgeschichte: CellTrack soll ein “direct outcome” eines entrepreneurial fellowship Programms der Medical Physics Department sein, das Santoro Fernandes für zwei Jahre unterstützt hat, um IP und Forschung in Richtung Kommerzialisierung zu überführen. Für die Startup-Community rund um Madison bedeutet das auch, dass sich universitär gestartete Forschung systematisch in Partner- und Finanzierungsnetzwerke einweben lässt. Wenn dieses Modell skaliert, könnte es nicht nur CellTrack helfen, sondern auch anderen frühen Teams ähnliche Wege in Richtung klinischer Realisierung eröffnen – vom Pitch bis zur Human-Validierung.


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