KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Deutschlands geplanter Steuerbonus für die Games-Branche kommt vorerst nicht voran. Bei der Gamescom signalisierte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zwar Gesprächsbereitschaft, verwies aber auf eine schwierige Haushaltslage. Der Branchenverband fordert konkrete Schritte, während Länder wie NRW grundsätzlich zustimmen wollen. Parallel bleibt das Förderbudget zwar hoch, steht aber beim Abruf noch hinter den Erwartungen.

Auf der Gamescom in Köln drehte sich die politische Debatte um ein Thema, das für viele Studios im Produktionsalltag eher wie ein stiller Engpass wirkt: steuerliche Anreize. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagte, dass die Bundesregierung Gespräche zu den im Koalitionsvertrag angekündigten Steuererleichterungen für die Games-Branche führe, verwies jedoch klar auf die angespannte Haushaltslage. Damit verschiebt sich die konkrete Umsetzung weiter – obwohl der Vizekanzler grundsätzlich hinter dem Vorhaben steht und ausdrücklich betont, dass man „etwas hinbekommen“ wolle, auch gemeinsam mit den Ländern.
Technisch und haushaltspolitisch laufen solche Modelle in der Praxis häufig über Tax Credits, also eine staatliche Steuergutschrift, die Firmen für förderfähige Kosten erhalten können. Für Gamesstudios heißt das vor allem: Projektaufwände, die unter die Definition fallen, lassen sich steuerlich absetzen oder über die Gutschrift teilweise kompensieren. Kurzfristig führt das nicht zu „mehr Geld“, sondern zu geringeren Steuerzahlungen in der Phase, in der die Förderung gewährt wird. Langfristig soll sich der Effekt über Wachstum, mehr Beschäftigung und eine stärkere Wertschöpfung in Deutschland in zusätzliche Einnahmen übersetzen – allerdings ist genau diese zeitversetzte Logik politisch schwer gegen Budgetsperren zu verteidigen.
Der Druck aus der Branche kommt inzwischen deutlich spürbar. Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbandes Game, forderte bei der Gamescom-Bühnenveranstaltung Fortschritte beim steuerlichen Standortvorteil. Seine Argumentation setzt auf Vergleichbarkeit: In Ländern wie Frankreich, Irland, Australien, Kanada und Großbritannien existieren solche Fördermechanismen bereits, Deutschland müsse nun „auf das nächste Level kommen“. Dabei ging es Falk weniger um Symbolik als um die Geschwindigkeit der Umsetzung: Wenn Wettbewerber Steueranreize routiniert in ihre Produktions- und Investitionsplanung integrieren, wird der Kostenvorteil dort zur strukturellen Planungsgröße.
Parallel zur Steuerfrage bleibt die Förderung über direkte Budgets ein zweiter Hebel. Die Bundesregierung hat demnach das Förderbudget für die Games-Branche aufgestockt: 2025 waren es rund 88 Millionen Euro, in diesem Jahr 125 Millionen Euro. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass das Geld bisher nur teilweise abgerufen ist: Von den 125 Millionen Euro seien bislang etwa 40 Millionen bewilligt oder beantragt. Genau diese Lücke liefert Stoff für die Debatte, ob die Branche „so viel Fördergeld“ überhaupt brauche. Falk verwies darauf, dass die Aufnahme neuer Mittel bei einem Ökosystem aus Studios, Dienstleistern und Projektträgern Zeit erfordert – in Branchen, die von Entwicklungszyklen und langen Produktionszeiten geprägt sind, ist die Verteilungslogik selten sofort.
Auf Seiten der Bundesregierung lautet die Linie indes: kein Zurückfahren, sondern Kontinuität. Klingbeil widersprach dem Hinweis, dass der Fördertopf wegen der bislang geringeren Beteiligung im kommenden Jahr verkleinert werden könnte, und stellte fest, dass man auch in den nächsten Jahren auf dem hohen Förderlevel bleiben wolle. Die für Games zuständige Bundesforschungsministerin Dorothee Bär bekräftigte dies ergänzend und sagte, dass man nicht kürzen werde – auch nicht im nächsten Jahr. Für Unternehmen bedeutet das vor allem Planungssicherheit beim direkten Förderzugang, während der steuerliche zweite Schritt weiterhin auf eine politische Einigung mit den Ländern wartet.
Genau an diesem Punkt entscheidet die praktische Umsetzung. Die Quelle macht deutlich, dass die Bundesländer den Steuererleichterungen zustimmen müssen. NRW, vertreten durch Ministerpräsident Hendrik Wüst, signalisierte ebenfalls bereits beim vorigen Jahr und erneut bei der Gamescom: Sein Bundesland will mitmachen, wenn der Koalitionsvertrag umgesetzt werden soll. Das ist für Studios mehr als eine Geste, denn bei Tax-Credits hängt der reale Effekt davon ab, wie schnell die Kriterien, die Zuständigkeiten und die Verfahren für Antragstellung und Bewilligung stehen. Für die Marktlogik heißt das: Steueranreize sind dann besonders wirksam, wenn sie nicht nur beschlossen, sondern in laufende Finanzierungs- und Produktionsprozesse integrierbar sind.
Unterm Strich zeigt die Entwicklung, wie Governance und Technologie in der Games-Industrie zusammenhängen. Gaming ist längst ein Milliardengeschäft im Digitalzeitalter; bessere visuelle Möglichkeiten und die Nutzung über Smartphone, Konsole und Desktop treiben Nachfrage an. Deutschland spielt dabei im finanziellen Vergleich laut der vorliegenden Einordnung jedoch nur eine Nebenrolle: Etwa fünf Prozent des Geldes, das für Games ausgegeben wird, fließt in „Games made in Germany“. Aus Unternehmenssicht wäre ein schneller Übergang von der Förderankündigung zur funktionierenden Tax-Credit-Mechanik ein Hebel, um zusätzliche Investitionen und die langfristige Bindung von Talenten zu erleichtern. Ohne die Einigung über die Steuerseite bleibt der wichtigste kurzfristige Unterschied derzeit jedoch die Frage, wie zügig das erhöhte Förderbudget tatsächlich in bewilligte Projekte mündet.
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