LONDON (IT BOLTWISE) – Diesel in den USA liegt laut AAA bei 5,62 US-Dollar je Gallone und damit 53 % über dem Vorjahr. Wegen kriegsbedingter Störungen bei der Rohöl- und Raffinerie-Infrastruktur schiebt sich der Preis in Richtung Rekordniveau. Für Landwirte und kleine Speditionen wird das in der Ernte- und Transportkette schnell teuer: In einem Beispiel steigen die Treibstoffkosten auf mehr als 40.000 US-Dollar. Die Lage verschärft zugleich den Kosten- und Margendruck, während Raffinerien bessere Erlöse pro Barrel Diesel erzielen.

Dieselpreise nahe Rekord: Warum Ölkonzerne profitieren und Betriebe unter Druck geraten
Dieselpreise nahe Rekord: Warum Ölkonzerne profitieren und Betriebe unter Druck geraten (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenn sich Dieselpreise dem Rekord nähern, trifft das nicht nur die Tankstellen, sondern vor allem die „Arbeitsfähigkeit“ ganzer Wertschöpfungsketten. In den USA lag der durchschnittliche Dieselpreis diese Woche nach Angaben des AAA-Motorclubs bei 5,62 US-Dollar je Gallone, also 53 % höher als im Vorjahr. Für einen Landwirt im Bundesstaat Iowa bedeutete das konkret: Randy Madden verschob den Einkauf im Mai, weil er die Richtung der Preisentwicklung früh sah. Noch bevor die Ernte in die heiße Phase geht, kalkuliert er nun mit mehr als 40.000 US-Dollar allein für Treibstoff – grob doppelt so viel wie in der typischen Spanne von Spätsommer bis Ende des Jahres.

Damit wird deutlich, warum die aktuelle Dynamik so schwer abzufedern ist: Diesel ist in vielen Industriezweigen kein „nice to have“, sondern Betriebsmittel. Diesel treibt laut der Darstellung in der Quelle nicht nur Landmaschinen und schwere Fahrzeuge, sondern auch Teile des Güterverkehrs wie Züge und sonstige große Maschinenflotten. Sobald die Preise steigen, müssen Unternehmen den Mehrbetrag häufig entlang der Liefer- und Preislogik weitergeben. Daan Struyven, Commodities-Analyst bei Goldman Sachs, ordnet Diesel dabei als Kraftstoff für den Unternehmens- und Mittelstandsbereich sowie für spezialisierte Betriebe ein: Während Benzin stärker als Konsumtreibstoff wahrgenommen wird, wirkt Diesel wie ein Kostentreiber auf Unternehmensseite. Genau hier liegt der harte Teil der Rechnung – besonders für Firmen, die nicht jede Preiserhöhung sofort weiterreichen können.

Der Engpass beginnt technisch gesehen nicht beim Tank, sondern in den Raffinerien und in den globalen Transportwegen für Rohöl und Zwischenprodukte. Die Quelle beschreibt, dass es schlicht nicht genügend verfügbaren Diesel gibt, um die weltweite Nachfrage zu decken. Raffinerien stellen Diesel, Benzin, Kerosin und andere Kraftstoffe durch „Cracking“ her, also durch Erhitzen und Aufspalten von Rohöl in verwertbare Fraktionen. Die Kapazitäten konzentrieren sich dabei stark auf einige Regionen: Die USA und China gelten in der Quelle als die wichtigsten Raffinerie-Standorte, gefolgt von Ländern wie Russland und Indien. Für den aktuellen Schub ist aber besonders relevant, dass Russlands Fähigkeit, Diesel herzustellen, durch ukrainische Angriffe auf Raffinerien stark eingeschränkt wird: Laut Angaben von Bank of America verarbeiteten russische Raffinerien im Juli etwa 3,9 Millionen Barrel pro Tag, nach 5,3 Millionen Barrel im Jahr zuvor. Zudem wird berichtet, dass Russland Diesel-Exporte zeitweise aussetzt.

Zusätzlich wirkt die Geometrie der Energiehandelsrouten als Verstärker. Die Quelle nennt die Straße von Hormus als Engstelle, über die rund ein Fünftel des weltweit verschifften Rohöls transportiert wird. Wenn der Fluss in der Region eingeschränkt ist, betrifft das nicht nur Rohöl, sondern auch die Lieferkette für Diesel und andere Erdölprodukte. Auf dieser Basis schiebt sich der globale Ölpreis nach oben; in der Quelle ist von einem Anstieg um rund 20 % die Rede, auf etwa 86 US-Dollar je Barrel. Auch die Angebotsseite in der Region Mittlerer Osten wird quantifiziert: Laut S&P Global sanken laut einem Bericht die Mengen des im Mittleren Osten raffinierten Rohöls 2026 auf etwa acht Millionen Barrel pro Tag, also 1,6 Millionen Barrel weniger als 2025. Gleichzeitig versuchen US-Raffinerien den Ausfall zu kompensieren, indem sie mit hoher Auslastung laufen; die Energy Information Administration führt hierfür rund 97 % Kapazitätsauslastung an, während Exporte von Diesel und verwandten Kraftstoffen im Vergleich zum Vorjahr um etwa 28 % steigen und die US-Bestände spürbar zurückgehen.

Für die Gewinnerseite ist die Mechanik vergleichsweise nüchtern: In einer Situation, in der Dieselknappheit Preise hochzieht, steigen die Erlöse pro Barrel für Raffinerien. Die Quelle nennt als Größenordnung, dass Raffinerien bei einem moderateren Ölpreis von etwa 70 US-Dollar je Barrel typischerweise rund 20 bis 30 US-Dollar pro Barrel verdienen, das sie als Diesel verkaufen. In der aktuellen Phase liegt der Gewinn pro Barrel laut der Darstellung deutlich höher – näher an 90 US-Dollar. In den Ergebnissen für das zweite Quartal berichten demnach Unternehmen wie Valero Energy und Marathon Petroleum, dass sich ihre Gewinnmargen beim Umwandeln von Rohöl in Kraftstoffe gegenüber dem Vorjahr ungefähr verdoppelt haben. Für die Verliererseite ist dieselbe Rechnung jedoch ein Liquiditätsproblem: Landwirte brauchen Betriebskredite, um Kosten für Reparaturen, Saatgut, Dünger und Treibstoff zu decken. Wenn diese Ausgaben im Kreditplan nicht sauber abgebildet sind, wird der Puffer kleiner – und genau das wird in der Quelle anhand von John Boyd geschildert, Gründer der National Black Farmers Association: Viele Landwirte hätten die höheren Kosten nicht hinreichend eingeplant, einige stünden dadurch unter existenziellem Druck.

Auch im Transportsektor zeigt sich, wie asymmetrisch die Last verteilt ist. Große Logistikunternehmen können die Mehrkosten für Treibstoff oft zumindest teilweise an Kunden weitergeben, kleinere Betreiber oder selbstständige Fahrer dagegen stoßen schneller an Grenzen. Zach Miller, Vizepräsident für Government Affairs bei der Trucking Association of New York, beschreibt das Problem als direkten Eingriff in die Kalkulation: Diesel fließt in die Kosten pro Kilometer bzw. pro Strecke ein, sodass am Ende von der ursprünglichen Marge weniger übrig bleibt. Die Frage, wann sich das entspannt, ist dabei nicht nur eine Preisfrage, sondern eine Infrastrukturfrage. Die Quelle erinnert daran, dass die letzte US-Raffinerie 1977 gebaut wurde und seitdem überwiegend in Bestandsanlagen investiert wurde, statt neue Kapazitäten aufzubauen. Der Bau solcher Industrieanlagen dauert Jahre und kostet Milliarden; Investoren wollen zudem Planungssicherheit für die langfristige Nachfrage nach fossilen Energieträgern.

Gleichzeitig existieren zumindest zwei „Hebel“, die künftig gegen oder für eine Entspannung wirken könnten. Die Quelle nennt als möglichen Angebotsimpuls, dass sich die Dieselmenge erhöhen kann, falls China stärker exportieren würde – allerdings gibt es dort laut Darstellung Einschränkungen an Raffinerieexporten, um die heimische Versorgung nach Kriegsbeginn zu sichern. In vielen Ländern ist der Kapazitätsausbau laut der Quelle außerdem langsamer geworden; neue Raffinerieanlagen verlagern sich eher in Schwellen- und Entwicklungsländer. Als Beispiel werden neue Projekte in Indien erwähnt, und in Nigeria wird die Dangote Petroleum Refinery als bedeutender Ausbaupfad beschrieben: Dort sei die Rohölverarbeitung zuletzt um 25 % erhöht worden, mit dem Ziel, die Gesamt-Kapazität bis 2028 zu verdoppeln. Für Unternehmen bleibt das zentrale Muster damit klar: Solange globaler Diesel knapp bleibt und Raffinerie- sowie Transportwege gestört sind, dominieren Preisrisiken und Margenverschiebungen – nicht die kurzfristige Hoffnung auf sinkende Einkaufspreise.


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