LONDON (IT BOLTWISE) – Für das erste Jahr nach Apples erwartetem Markteintritt bei faltbaren Smartphones nennt IDC eine sehr optimistische Versandprognose. Wie aus dem Umfeld der Schätzung hervorgeht, sollen es mehr als 10 Millionen Geräte sein, obwohl das erwartete Einstiegsniveau beim Preis deutlich höher liegt als bei vielen Android-Alternativen. Parallel zeigt sich auch beim Marktmix ein Trend: Book-Style-Modelle gewinnen weiter an Gewicht. Entscheidend bleibt, ob sich die Nachfrage trotz des Premium-Segments nachhaltig verstetigt.

Apples Weg in den faltbaren Smartphone-Markt steht unmittelbar bevor: Für den 9. September wird das erste buchförmige, seitlich aufklappbare Modell erwartet. Während in der Vergangenheit vor allem Skepsis gegenüber Haltbarkeit, Nutzen im Alltag und dem Mehrpreis gegenüber klassischen Smartphones im Vordergrund stand, verschiebt IDC diese Diskussion nun mit einer klar positiven Schätzung für die ersten zwölf Monate nach Markterfassen. Laut der genannten Einschätzung soll das faltbare iPhone im ersten Jahr auf mehr als 10 Millionen Lieferungen kommen.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Zahl selbst, sondern auch der Kontext der Annahmen. Der Markt für faltbare Smartphones war in den letzten Jahren durch einen Mix aus technischen Hürden und begrenzter Konsumentenbereitschaft geprägt: Scharniere, Display-Faltradius, Schutzschichten und der zusätzliche Aufwand in der Fertigung bleiben kostenintensiv. Gleichzeitig berichten Marktstudien, dass sich die Nachfrage zunehmend um Modelle konzentriert, die sich wie ein Buch öffnen und dabei ein über längere Zeit nutzbares Format bieten. In genau diese Richtung zielt die Erwartung, dass Apples Einstieg das Segment insgesamt stabilisiert.
Counterpoint Research hatte zuletzt eine Verschiebung im Gerätetyp prognostiziert: Für 2026 sollen Book-Style-Modelle voraussichtlich 76% der globalen Foldables ausmachen, nach 52% im Jahr 2025. Gleichzeitig wird ein strukturelles Wachstum des Marktes erwartet, das im Jahresvergleich bei 21% liegen soll. Wichtig ist der zeitliche Abgleich: Counterpoints Anteilsschätzung bezieht sich auf das Kalenderjahr 2026, während IDC die mehr als 10 Millionen sich auf die gesamte erste Verfügbarkeitsperiode des jeweiligen Apple-Modells bezieht. In der Praxis kann beides zusammenpassen, etwa wenn Apple in den Aufbau der zweiten Jahreshälfte fällt und der Marktmix währenddessen sichtbar weiter Richtung Book-Form kippt.
Der Preis ist dabei der zentrale Belastungstest. Gerüchte zufolge könnte das faltbare iPhone rund 2.500 US-Dollar kosten, was es in das Premiumfeld setzt, in dem Preiselastizität meist stärker wirkt. Zum Vergleich nennt der Source-Text das neue Galaxy Z Fold 8: Es startet bei 1.899 US-Dollar für eine Konfiguration mit 256 GB Speicher und 12 GB RAM. Aus technischer Sicht bedeutet dieser Vorsprung im Einstiegspreis, dass Apple nicht nur neue Kundengruppen erschließen muss, sondern auch im Wettbewerb die wahrgenommene Alltagstauglichkeit überzeugen muss: von der Display-Qualität im gefalteten Zustand über die Bedienlogik im hochgeklappten Modus bis hin zu Reparatur- und Service-Erwartungen.
Genau hier setzt die optimistische Marktlogik von IDC an. In der genannten Darstellung heißt es, Apples Eintritt werde helfen, eine doppelte prozentuale Dynamik abzufedern, konkret das Risiko eines zweistelligen prozentualen Rückgangs im laufenden Jahr für Foldables zu „abzuwenden“. Für die weitere Entwicklung wird ein Wachstum von 12,6% in diesem Jahr genannt, das im nächsten Jahr auf 18% beschleunigen soll. Solche Aussagen sind für Entscheider vor allem deshalb relevant, weil Foldables häufig als „Rollout-Kategorie“ betrachtet werden: Sind die ersten Wellen mit ausreichend positiven Nutzungserfahrungen durchgesetzt, kann sich die Nachfrage schneller wieder aufbauen als in Märkten, die bei jedem neuen Modell erst wieder Grundvertrauen herstellen müssen.
Auch die wettbewerbliche Verteilung bleibt in der Prognose ein Kernpunkt. Counterpoint Research erwartet, dass Samsung 2025 noch mit 40% die größte Rolle im Foldable-Markt spielt, der Anteil aber in 2026 auf 32% sinken soll. Gleichzeitig wird Apple für 2026 mit 25% der Lieferungen in Aussicht gestellt. IDC geht darüber hinaus: Es wird prognostiziert, dass Apple perspektivisch 40% aller Foldable-Shipments im Jahr 2027 erreichen könnte. Für den Markt heißt das: Der Wettbewerb verschiebt sich nicht nur zwischen Marken, sondern auch zwischen Designentscheidungen und Ökosystem-Strategien, denn buchförmige Geräte ziehen typischerweise Nutzer an, die mehr aus Multi-Window-Workflows machen wollen als aus dem reinen „Formfaktor als Gimmick“.
Technisch betrachtet dürfte Apples Erfolg maßgeblich daran hängen, wie konsequent das Unternehmen die Systemintegration auf das gefaltete Gerät abstimmt. In solchen Geräten entscheidet sich die Nutzerwahrnehmung häufig weniger an einzelnen Komponenten als am Zusammenspiel: Touch- und Animationsverhalten, App-Layout-Logik, Übergänge beim Auf- und Zuklappen sowie die Stabilität über lange Nutzungszyklen. Gerade weil Foldables in einem Premiumsegment starten, kann eine einzige Schwachstelle – etwa bei Spaltmaßen, Reflexionen oder bei der reibungsarmen Bedienbarkeit – überproportionalen Einfluss auf Bewertungen haben. Wenn IDC dennoch so hohe Erstjahreszahlen erwartet, deutet das darauf hin, dass Apples Gesamtpaket aus Hardware, Software und Marke im Marktauftritt als stark genug bewertet wird, um skeptische Kaufhürden zu reduzieren.
Für Unternehmen und Entwickler außerhalb der Apple-Community ist die Botschaft trotzdem klar: Der Foldable-Markt wird voraussichtlich nicht als Nische weiterleben, sondern in eine Phase eintreten, in der sich Produktivitäts- und Mediennutzung dauerhaft anders als bei klassischen Smartphones ausprägt. Das bedeutet praktische Implikationen für App-Design, Testing in realen Formfaktoren und die Planung von Support-Zyklen. Wenn sich der Marktmix weiter in Richtung Book-Style verschiebt und die Kategorie laut den genannten Schätzungen wächst, lohnt es sich für Tooling- und Plattformanbieter, schon heute die User Journeys für gefaltete Endzustände sauber zu modellieren. Unterm Strich macht IDC mit der „10+ Millionen“-Zahl deutlich: Diese Generation faltbarer iPhones wird nicht nur angekündigt, sondern soll messbar in der Breite ankommen.
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