FORT BENNING, GEORGIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Nuklear-Startup Radiant bekommt einen 750-Millionen-Dollar-Vertrag, um 15 portable Microreaktoren auf US-Armee-Basen zu stationieren. Die Reaktoren sollen laut Anbieter bis zu fünf Jahre Strom liefern, bevor eine Betankung nötig wird, und für einen 20-jährigen Betrieb ausgelegt sein. Radiant will zudem das Fueling, die Nachbetankung sowie die Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente in eigener Infrastruktur übernehmen. Der Auftrag hängt am Janus-Programm, das bis 2031 bis zu 2,2 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung und den Einsatz nachnächster Generation von Reaktoren bereitstellt.

Radiant sichert 750-Millionen-Deal für 15 mobile Microreaktoren bei US-Armee-Basen
Radiant sichert 750-Millionen-Deal für 15 mobile Microreaktoren bei US-Armee-Basen (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Deal wirkt vor allem deshalb strategisch, weil er das typische Muster großer Nuklearprojekte aufbricht: Radiant soll 15 transportable Microreaktoren an mehreren Standorten der US-Armee installieren können, ohne dass für jede Station ein kompletter Neubau für das Kraftwerksgelände nötig wäre. Das Unternehmen beschreibt seinen Kaleidos-Reaktor als „energy in a box“, der direkt am Kundenstandort aufgebaut und betrieben werden soll. Radiant nennt dafür zwei technische Kernargumente: kurze Bereitstellungswege per Land, See oder Luft sowie ein Betriebskonzept ohne Kühlwasserbedarf, was bei konventionellen Kernkraftwerken sonst ein zentraler Planungs- und Genehmigungstreiber ist.

Technisch greift Radiant damit einen Anspruch auf, den die Microreactor-Community schon länger verfolgt: eine möglichst hohe Systemautarkie bei zugleich langfristiger Laufzeit. Laut Radiant kann Kaleidos bis zu fünf Jahre Strom liefern, bevor eine Betankung erforderlich wird; parallel stellt der Anbieter den Betrieb auf 20 Jahre Lifecycle aus. Für den operativen Alltag der Betreiber ist diese Kombination mehr als nur Marketing: Wenn Nachbetankung und Wartungsfenster planbar sind, sinkt der Aufwand für operative Unterbrechungen, und die Logistik lässt sich früh in den Installations- und Einsatzplan der Standorte integrieren. Außerdem will Radiant die Prozesse rund um Fueling, Refueling und die Handhabung von spent fuel in eigenen Einrichtungen managen, statt diese Aufgaben ausschließlich den jeweiligen Militärbasen aufzubürden.

Der Auftrag ist im US-Kontext eng an das Janus-Programm gekoppelt, das laut vorliegenden Angaben per Executive Order 2025 gestartet wurde. Dieses Programm soll bis zum Fiscal Year 2031 bis zu 2,2 Milliarden US-Dollar für Entwicklung und Deployment „next-gen nuclear reactors“ auf heimischen Basen vergeben. Für mindestens einen der Reaktoren wird eine Zielmarke genannt: Eine Stationierung auf einer inländischen Basis soll spätestens bis zum 30. September 2028 erfolgen. Radiant gehört dabei zu den fünf ausgewählten Unternehmen, die Reaktoren im Rahmen des Programms bauen und betreiben sollen; zu den weiteren Namen zählen Antares Nuclear, BWXT Advanced Technologies, General Atomics Electromagnetic Systems und Westinghouse Government Services.

Für die Markt- und Umsetzungsseite ist besonders relevant, wie stark der Auswahlprozess auf Test- und Integrationsnachweise ausgerichtet war. Radiant wurde laut Angaben nach einer umfassenden Bewertung des Reaktordesigns im Rahmen einer nationalen Testkampagne am Idaho National Laboratory (INL) im DOME-Facility-Verbund ausgewählt. Auch die zeitliche Taktung spielt hinein: Radiant soll demnach nach Upgrades für Small Modular Reactor-Tests im Jahr 2026 für ein Jahr exklusiven Zugang zur INL-Einrichtung erhalten haben. Das lässt erkennen, dass hier weniger eine reine Papierstudie zählte, sondern die Fähigkeit, Designentscheidungen unter realen Testumgebungen zu validieren und in einen späteren Rollout zu überführen.

Der finanzielle Rahmen unterstreicht zugleich die Priorität, die der Defense-Tech-Segmentierung beigemessen wird. Radiant soll dabei 750 Millionen US-Dollar erhalten; das Unternehmen ordnet den Betrag als einen der größten Vertragsabschlüsse von DIU innerhalb seines Portfolios ein und als größten Award innerhalb des Janus-Programms. Für die nächsten Schritte ist ferner wichtig, wo der Pilot startet: Als Teil der initialen Rollout-Planung ist die Deployment-Phase für die Basis Fort Benning in Georgia vorgesehen. Das Projektziel geht in der Kommunikation darüber hinaus: Radiant nennt das langfristige Bild, bis 2030 eine Flotte von 15 fortschrittlichen Reaktoren zu fertigen, um Verteidigungsstandorte und weitere sicherheitsrelevante Infrastruktur mit zuverlässiger, unabhängiger Energieversorgung zu unterstützen.

Für Unternehmen und Infrastrukturbetreiber ist der spannende Punkt nicht nur die Frage „ob“ Kernenergie mobil wird, sondern „wie“ Betriebsrisiken reduziert werden. Wenn ein Anbieter Kühlwasser als Planungsannahme ausklammert und Teile des Brennstoffzyklus zentral über eigene Facilities abbildet, verlagert sich die Komplexität weg von lokalen Bau- und Wasserinfrastrukturen hin zu standardisierten Liefer- und Serviceketten. Gleichzeitig liefert die militärische Erstnutzung laut Radiant einen Pfad, der später kommerzielle Skalierung erleichtern soll: Betriebserfahrung zuerst auf Installationen, daraus ein größerer Volumenhebel für Kostenreduktion. Genau an dieser Schnittstelle entscheiden sich in der Praxis auch Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Microreactor-Initiativen, denn am Ende zählt nicht die einzelne Technologiekomponente, sondern die Kombination aus Deployment-Fähigkeit, Wartbarkeit und vertraglich abgesicherter Betriebsverantwortung.

Der Deal zeigt damit, wie stark Energieresilienz im Kontext sicherheitskritischer Missionen an Bedeutung gewinnt. Ein dezentrales Stromkonzept, das Lastspitzen und Ausfallrisiken abfedern kann, ist für Standorte mit besonderen Anforderungen ein differenzierendes Argument. Ob und wie schnell die versprochene „energy in a box“-Idee in einen wiederholbaren Rollout übergeht, hängt allerdings an Details, die erst im Betrieb sichtbar werden: Betankungslogistik, Wartungsintervall-Realität und die tatsächliche Skalierung über mehrere Standorte hinweg. Sollte Radiant die genannten Meilensteine – darunter die Zielmarke für mindestens eine Installation bis Ende September 2028 – wie geplant erreichen, dürfte das den gesamten Markt für mobile, modulare Nuklearenergie spürbar unter Druck setzen: Nicht im Sinne eines plötzlichen Paradigmenwechsels, sondern als Beschleuniger für messbare industrielle Fahrpläne.


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