FRANKREICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Institut für Post und Telekommunikationstechnologie (PTIT) sucht mit Professorin Le Thi Hoai An von der Universität Lothringen neue Wege für gemeinsame Forschung, KI-Entwicklung und Startup-Förderung. Im Fokus steht vor allem der Transfer von Forschungsergebnissen in Produkte und in den Markt – ein Schritt, der in Vietnam laut den Beteiligten besonders durch passende Unterstützungsmechanismen erleichtert werden muss. Geplant ist außerdem die Prüfung eines Kooperationszentrums zwischen PTIT und französischen Partnern, bei dem Ressourcen der Akademie und der Nationalen Stiftung für Wissenschafts- und Technologieentwicklung (NAFOSTED) mobilisiert werden könnten.

Am 28. August hat das Institut für Post und Telekommunikationstechnologie (PTIT) im Rahmen eines Arbeitstreffens mit Professorin Le Thi Hoai An von der Universität Lothringen die nächste Phase einer Forschungs- und Innovationspartnerschaft eingeleitet. Die Diskussion drehte sich nicht nur um akademische Themen, sondern ausdrücklich um Kooperationsmodelle in wissenschaftlicher Forschung, Technologieentwicklung und um Mechanismen, mit denen Start-up-Projekte auf Basis von Forschungsergebnissen entstehen und reifen können. Dass PTIT dabei Assoc. Prof. Dr. Dang Hoai Bac, Direktor der Akademie, sowie Dr. Nguyen Trung Kien, stellvertretender Direktor, und weitere Leiter von Fakultäten, Abteilungen und Einheiten einband, zeigt, wie breit die Initiative organisatorisch verankert ist.
Technisch wurde insbesondere ein Anwendungsfeld angesprochen, das anwendungsnahe Mathematik und KI-Entwicklung zusammenführt: angewandte Mathematik in der KI. Dahinter steckt in der Praxis häufig die Kombination aus formalen Methoden (etwa Optimierung, Statistik oder Modellannahmen) und der Überführung in Systeme, die sich später in Industrie- oder Produktkontexte integrieren lassen. Professorin Le Thi Hoai An brachte zudem ihre Erfahrung bei der Umsetzung von Startup-Projekten ein und machte deutlich, dass die Führung eines Startups viele Herausforderungen mit sich bringt. Trotzdem formulierten beide Seiten das Ziel, Projekte in Vietnam weiterzuentwickeln, um zur Entwicklung von Kerntechnologien beizutragen und gleichzeitig praktische Ergebnisse zu erzielen, die über Prototypen hinausgehen.
Im Zentrum der Zusammenarbeit steht dabei eine Frage, die viele Forschungsprogramme auf dem Weg in die Anwendung ausbremst: Wie wird aus Wissen ein Produkt, das sich am Markt behauptet? Laut den Aussagen im Treffen liegt die Stärke der französischen Partner vor allem in der Umsetzungskompetenz von Projekten, während die Markteinführung von Forschungsergebnissen in Vietnam weiterhin eine Herausforderung darstellt und daher „geeignetere Unterstützungsmechanismen“ benötigt. Genau an dieser Schnittstelle will PTIT ansetzen: Das Institut kann Forschungsgruppen im Gründungsprozess flexibel unterstützen, Teams zusammenstellen und zudem einen Teil der Anlaufkosten übernehmen. Damit soll der Weg von Forschungsergebnissen zu marktfähigen Produkten schrittweise realistisch werden – nicht als einmalige Förderung, sondern als begleitete Entwicklung.
Konkrete Technologierichtung bekamen die Gespräche durch die Beschreibung eines Portfolios, das das Forschungsinstitut in Frankreich bereitstellt und das auf spezifische industrielle Probleme zugeschnitten ist. Genannt wurden Energieoptimierung, Logistik sowie Chipdesign – also Bereiche, in denen KI-Methoden typischerweise mit Sensorik, Optimierungsaufgaben und Abbildung an reale Randbedingungen verknüpft werden. Wichtig ist dabei der Transferaspekt: Solche Produkte sollen an vietnamesische Gegebenheiten angepasst und übertragen werden. Für die operative Arbeit bedeutet das häufig, dass nicht nur das Modell, sondern auch die Datenflüsse, Integrationspunkte und Validierungsprozesse auf den Zielkontext abgestimmt werden müssen, damit aus einer erfolgreichen Idee eine wartbare Lösung wird.
Aus dem Treffen heraus entwickelten beide Seiten außerdem Pläne für ein institutionelles Kooperationssetup. Vorgesehen ist, die Möglichkeit der Gründung eines Kooperationszentrums zwischen PTIT und französischen Partnern zu prüfen. Dabei sollen gegebenenfalls Ressourcen der Akademie und der Nationalen Stiftung für Wissenschafts- und Technologieentwicklung (NAFOSTED) mobilisiert werden. Ergänzend möchte Professor Le Thi Hoai An an den Expertenprogrammen der Akademie teilnehmen, um schrittweise ein leistungsstarkes Forschungs- und Entwicklungsteam aufzubauen, das langfristige Projekte umsetzen kann. Genau diese Mischung aus thematischer Tiefe und personeller Skalierung ist für KI- und Technologievorhaben entscheidend, weil Kompetenzaufbau, wiederholbare Entwicklung und kontinuierliche Evaluierung zusammenlaufen müssen.
Auch in der Wirkung nach außen soll die Kooperation neue Vernetzungswege eröffnen: zwischen PTIT, akademischen Partnern und Forschungseinrichtungen in Frankreich. Die Agenda beschreibt dabei explizit die Kombination aus wissenschaftlicher Forschung, Technologieentwicklung und Unternehmertum, mit dem Ziel, Forschungsergebnisse in die Praxis zu überführen und Produkte zu schaffen, die einen Nutzen für die Gesellschaft haben. Für Unternehmen und Entwicklerteams in Vietnam ist das vor allem dann relevant, wenn Förderlogik, Technologiekompetenz und Marktorientierung nicht getrennt behandelt werden. Die im Gespräch betonte Notwendigkeit von Unterstützungsmechanismen zur Markteinführung weist außerdem darauf hin, dass das Thema „Go-to-Market“ in Zukunft stärker in die KI-Entwicklung selbst integriert werden dürfte – vom Proof-of-Concept bis zum einsetzbaren Produkt.
Bemerkenswert ist schließlich, wie das Treffen auch die Rolle von Ressourcen und Kostenaufteilung adressiert: PTIT übernimmt Teile der Anlaufkosten und bringt Teams zusammen, während die französischen Partner ihre Umsetzungskapazitäten und bereits optimierte Produktansätze einbringen. Diese Arbeitsteilung kann die Zeit bis zur ersten produktiven Anwendung verkürzen, weil organisatorische Hürden – Personalzuschnitt, Projektstart, Teamaufbau – nicht erst entstehen, wenn technische Prototypen bereits fertig sind. Wenn das geplante Kooperationszentrum und die NAFOSTED-gestützte Ressourcenplanung in eine konkrete Umsetzung übergehen, dürfte sich die Partnerschaft damit weniger als lose Kooperation, sondern eher als strukturierte Pipeline von Forschung zu KI-basierten Technologien und Startup-Entwicklung verstehen lassen.
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