LONDON (IT BOLTWISE) – Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, will pensionierte Ärztinnen und Ärzte regelmäßig in Schulen einsetzen, um Gesundheitskompetenz früh zu vermitteln. Ziel ist, dass Kinder leichte Beschwerden zunächst selbst richtig einschätzen und passende Schritte einleiten. Dadurch soll Arztzeit dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt wird. Gleichzeitig spricht er sich für weniger Bürokratie und bessere Koordination in der Primärversorgung aus.

Klaus Reinhardt: Pensionierte Ärztinnen und Ärzte sollen an Schulen Gesundheitskompetenz vermitteln
Klaus Reinhardt: Pensionierte Ärztinnen und Ärzte sollen an Schulen Gesundheitskompetenz vermitteln (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Vorschlag von Klaus Reinhardt setzt nicht primär bei neuen Therapien an, sondern bei einem Engpass im Alltag der Versorgung: Viele Menschen suchen bei vergleichsweise leichten Beschwerden sofort ärztliche Hilfe statt zunächst selbstständig zu handeln. Wenn sich diese Muster im Laufe der Jahre verfestigen, entsteht zusätzlicher Druck auf Hausarztpraxen, Bereitschaftsdienste und Notaufnahmen. Reinhardt adressiert damit eine Frage, die für Entscheider in Krankenhäusern und der ambulanten Versorgung praktisch ist: Wie lässt sich der Bedarf an kurzfristiger, ärztlicher Leistung so steuern, dass sie bei komplexen Fällen wirklich priorisiert werden kann?

Konkret stellt Reinhardt sich Einsätze vor, bei denen pensionierte Ärztinnen und Ärzte etwa einmal im Monat eine Grundschule besuchen und mit Kindern über Gesundheitskompetenz sprechen. Im Kern geht es dabei um Fähigkeiten, alltägliche Symptome einzuordnen und bei typischen Situationen – etwa Magen-Darm-Beschwerden oder Husten – die ersten, sinnvollen Schritte zu kennen. Als anschauliches Beispiel nennt er einen ansonsten gesunden 25-Jährigen mit Brechdurchfall: Viele Betroffene bräuchten nicht zwingend sofortige Nacht-Notfallkontakte, sondern vor allem Wissen darüber, wie man zunächst selbst richtig reagiert. Auch beim Inhalieren bei Husten, so seine Argumentation, fehle vielen Menschen grundlegende Praxis, die man früher und systematisch vermitteln könnte.

Technisch betrachtet berührt der Ansatz die gleiche Schnittstelle wie digitale Gesundheitsanwendungen: Es geht um das „Übersetzen“ von Information in Entscheidungen. Gesundheitskompetenz umfasst nach der üblichen Definition die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und daraus Konsequenzen abzuleiten. Wenn diese Kette an mehreren Stellen reißt – beim Verstehen, beim Abwägen von Dringlichkeit oder beim Wissen, wann Selbsthilfe reicht und wann ärztliche Abklärung nötig ist –, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Bagatellerkrankungen zu intensiveren Kontakten führen. Aus Versorgungssicht ist das nicht nur eine Frage der Kommunikation, sondern auch eine Kapazitätsfrage: Zeit, die in vielen kleinen akuten Fällen gebunden ist, fehlt später für chronisch Kranke oder aufwändigere Diagnostik.

Reinhardt versucht dabei bewusst, neue Bürokratie zu vermeiden. Sein Plädoyer lautet, nicht für jede Aufgabe eine neue spezialisierte Berufsgruppe zu schaffen, sondern Erfahrung pragmatisch einzusetzen – etwa über den gezielten Einsatz pensionierter Ärztinnen und Ärzte in Schulen oder anderen Einrichtungen. Der Ansatz knüpft also an vorhandene Expertise an und verschiebt den Schwerpunkt von „mehr Regelbetrieb“ hin zu „besserer Nutzung bestehender Ressourcen“. Gleichzeitig fordert er, die Primärversorgung stärker zu koordinieren und Arbeitszeitvernichtung durch ausufernde Bürokratie konsequent zu bekämpfen. Damit adressiert er zwei Hebel gleichzeitig: die Nachfrage nach ärztlicher Hilfe (über mehr Kompetenzen in der Bevölkerung) und die Effizienz der Anbieter (über weniger administrative Reibung).

Ein weiterer Teil seiner Argumentation betrifft den Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen. Reinhardt verweist auf den hohen Anteil älterer Medizinerinnen und Mediziner und fordert Anreize, länger im Beruf zu bleiben, ausdrücklich auch über das reguläre Rentenalter hinaus. Dabei denkt er nicht zwingend an Vollzeitmodelle, sondern an flexible Arbeitszeiten und reduzierte Stunden. In seiner eigenen Praxis arbeiten nach seinen Angaben Kolleginnen über 70 Jahren noch rund 20 Stunden pro Woche und konzentrieren sich dabei auf die Behandlung der Patientinnen und Patienten. Aus seiner Sicht zeigt das: Längere Berufstätigkeit kann auch für ältere Fachkräfte attraktiv sein, wenn Arbeitszeitmodelle zur Lebensrealität passen und die Tätigkeit sinnvoll zugeschnitten wird.

Für die Umsetzung des Schulmodells ergeben sich allerdings mehrere praktische Fragen, die Entscheider nicht ausblenden dürfen. Wenn pensionierte Ärztinnen und Ärzte regelmäßig in den Schulalltag gehen sollen, müssen Bildungs- und Gesundheitsressorts eng zusammenarbeiten und klären, wie Einsätze organisiert und finanziert werden. Ebenso relevant sind Haftungsfragen, die Einbindung in bestehende Präventionsprogramme sowie die Abstimmung mit Bildungsplänen und Personalressourcen der Schulen. Außerdem steht die Gleichverteilung im Raum: Solche Angebote dürfen nicht nur dort ankommen, wo Eltern ohnehin stark involviert sind. Gerade weil Gesundheitskompetenz später Wartezeiten reduzieren und Entscheidungen im Alltag erleichtern soll, ist die Reichweite entscheidend.

In der Wirkung wäre der Ansatz langfristig auf eine Verschiebung in der Inanspruchnahme von Leistungen ausgerichtet: weniger Arztkontakte bei echten Bagatellen, mehr Zeit für Fälle, die ärztliche Expertise zwingend benötigen. Wenn Pilotprojekte folgen, müsste man deshalb nicht nur auf die Zahl der Termine schauen, sondern auch auf Prozessindikatoren wie die Passung der triagierten Dringlichkeit und die Qualität der Selbsthilfe-Entscheidungen. Für Unternehmen, die im Gesundheitsumfeld entwickeln oder Dienstleistungen erbringen, ergibt sich daraus außerdem eine klare Erwartung: Gesundheitsbildung und Versorgungsteams sollten künftig stärker gemeinsam gedacht werden. Denn Gesundheitskompetenz ist kein „Nice-to-have“ im Unterricht, sondern ein Hebel, der die Verfügbarkeit knapper Ressourcen im ambulanten System spürbar beeinflussen kann.

Quelle für die dargestellten Kernaussagen ist eine Originalmeldung der dts-nachrichtenagentur. Der Text wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) automatisiert umformuliert, bearbeitet und geprüft.


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