LONDON (IT BOLTWISE) – Der ADAC hat 16 Ganzjahresreifen in der Größe 185/65 R15 getestet und kommt unter dem Strich zu einer ernüchternden Bewertung. In trockenen, nassen und winterlichen Bedingungen sowie bei Laufleistung, Abrollgeräuschen und Verbrauch überzeugten nur wenige Modelle. Am besten schneidet der Continental AllSeasonContact 2 mit der Note 2,3 ab. Acht Reifen fallen dagegen durch und gelten teils als Sicherheitsrisiko.

Ganzjahresreifen wirken für viele Halter wie die bequeme Lösung zwischen Saisonreifen: weniger Umrüstarbeit, weniger Lagerchaos, ein Set für das ganze Jahr. Der jüngste ADAC-Reifentest zeigt jedoch, dass der Komfortvorteil an Grenzen stößt, sobald es im Alltag wirklich um Bremswege, Haftung und berechenbares Handling geht. Getestet wurde eine konkrete Dimension, 185/65 R15, also typischerweise im Bereich kleinerer bis mittlerer Fahrzeuge. Der Club beschreibt vor allem die Gesamtbilanz als enttäuschend – und legt damit den Finger in die Wunde des Versprechens, „alles können“ sei automatisch „genug gut“.
Technisch betrachtet entscheidet bei Ganzjahresreifen weniger die Marketingformel als das Gesamtdesign aus Profil, Gummimischung und Karkasse, das auf mehrere Einsatzfenarien gleichzeitig optimiert sein muss. Der ADAC prüfte die Modelle bei Handling- und Bremsprüfungen sowohl auf trockener als auch auf nasser Fahrbahn und ergänzte das Ganze um Schnee-Fahrversuche. Zusätzlich flossen in die Bewertung die zu erwartende Laufleistung, Abrollgeräusche und der Spritverbrauch ein. Gerade diese Mischlogik macht die Vergleichbarkeit spannend: Ein Reifen kann in einer Disziplin stark sein, aber bei einem anderen Leistungsanker wie der Winterhaftung oder der Geräuschentwicklung ein deutlich anderes Profil zeigen.
Das Ergebnis fällt entsprechend klar aus: Nur ein Modell erreicht das ADAC-Urteil „gut“. Der Continental AllSeasonContact 2 bekommt die Note 2,3 und liegt damit vor dem restlichen Feld. Preislich nennt der Test für dieses Modell rund 84 Euro pro Reifen, während die Preisspanne insgesamt etwa von 51 bis 90 Euro reicht. Der ADAC begründet das gute Abschneiden mit durchgehend soliden Fahr- und Bremsleistungen auf allen Untergründen sowie mit einer zufriedstellenden Umweltbilanz. Damit wird nicht nur ein „einmal gut in einer Situation“-Reifen sichtbar, sondern ein Profil, das mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllt.
Zwei weitere Modelle bleiben laut ADAC mit Note 2,6 nur knapp hinter dem „gut“-Urteil zurück. Dazu zählen der Pirelli Cinturato All Season SF 3 (für 86 Euro) und der Michelin CrossClimate 2 (für 90 Euro). Auffällig ist hier die Detailaussage: Beide schneiden bei weitem nicht in allen Tests besonders gut ab, insbesondere bei der Fahrleistung über alle Untergründe hinweg. Genau solche Lücken sind für Fahrer in der Praxis entscheidend, weil der Wechsel von Wetterlage zu Wetterlage im Jahresverlauf nicht kontrollierbar ist. Wer sich für Ganzjahresreifen entscheidet, kauft damit nicht nur Flexibilität ein, sondern auch eine definierte Bandbreite an Leistung – und die zeigt der Test messbar.
Unterhalb der Spitzengruppe wird es deutlich heterogener. Insgesamt acht Reifen kann der Autoclub gar nicht empfehlen. Drei Modelle landen noch bei „ausreichend“, darunter der billigste im Feld, doch der ADAC weist darauf hin, dass sie das bekannte Dilemma von Allroundern offenbaren: Ein Ganzjahresreifen ist im Kern ein Kompromiss zwischen Sommer- und Winter-Spezialisten. Manche Reifen werden laut Test weitgehend für eine Fahraufgabe optimiert, während bei anderen Bedingungen merkliche Probleme auftreten. Besonders anschaulich ist der Fall, bei dem ein Pneu auf winterlicher Fahrbahn die beste Bewertung im gesamten Testfeld erzielt, auf trockener Straße jedoch klar abfällt.
Die Schlusslichter machen die Entscheidung für sicherheitsorientierte Käufer am schwersten: Fünf Reifen zwischen 52 und 81 Euro werden mit „mangelhaft“ bewertet und sollen damit ein Sicherheitsrisiko darstellen. In dieser Gruppe tauchen Marken auf, die selbst im Kreis typischer Reifeninteressenten eher selten gesehen werden, und darunter soll auch ein Modell eines namhaften Herstellers sein – das unterstreicht, dass Bekanntheit allein keine Qualitätsgarantie ist. Laut ADAC sind die Reifen auf winterlicher Fahrbahn überfordert und zeigen außerdem Schwächen in mindestens einer weiteren Disziplin. Für Unternehmen, die Flotten oder Leasingfahrzeuge mit Jahresvorgaben betreuen, ist das relevant: Der Reifen wird dann nicht als „Einmalanschaffung“ behandelt, sondern als Bauteil mit unmittelbarer Wirkung auf Bremsleistung, Geräuschkomfort und laufzeitbezogene Kosten.
Im Marktkontext erklärt sich die Strenge des ADAC-Urteils auch daraus, dass Ganzjahresreifen heute in vielen Regionen als Winterlösung verkauft werden, obwohl sie physikalisch immer gegen spezialisierte Sommer- und Winterkonzepte antreten. Wer den Test ernst nimmt, sollte deshalb weniger danach entscheiden, ob ein Reifen „für alle Jahreszeiten“ geeignet ist, sondern ob er in den Kernbereichen konsistent bleibt: Bremsen und Handling in realen Nass- und Winterbedingungen. Als Faustregel wird der ADAC-Test damit fast automatisch: Wenn der Reifen in einer kritischen Kategorie sichtbar schwächelt, verschiebt sich der Gesamtwert schnell in Richtung „nicht empfehlenswert“. Gleichzeitig zeigt die Top-Position des Continental AllSeasonContact 2, dass es durchaus Modelle gibt, die den Anspruch an Ganzjahresfähigkeit erfüllen – nur eben nicht in der Breite, die viele Käufer erwarten.
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