LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin legt den besten Monat seit 2025 hin und steigt laut Bericht bis zum 28. August um 24%. Der Kursanstieg wird unter anderem mit einer Short-Squeeze-Phase und US-Treasury-Rückkäufen langlaufender Wertpapiere in Verbindung gebracht. Für Bitcoin-Treasury-Companies, die große Bestände auf der Bilanz halten, wirkt das zunächst wie Rückenwind. Gleichzeitig deutet der Rückgang des mNAV bei der größten Holding darauf hin, dass Investoren das Treasury-Modell weiterhin nur mit Zurückhaltung bewerten.

Bitcoin steigt – doch die Skepsis gegenüber Bitcoin-Treasury-Companies bleibt
Bitcoin steigt – doch die Skepsis gegenüber Bitcoin-Treasury-Companies bleibt (Foto: IT BOLTWISE)
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Bitcoin zeigt aktuell eine markante Erholung, und die Dynamik fällt zeitlich sogar auf: Der Bericht nennt den besten Monat seit 2025, getragen von einer Short-Squeeze-Phase und von US-Treasury-Rückkäufen langlaufender Wertpapiere. Für den Kryptomarkt ist das mehr als nur „Stimmung“ – denn Treasury-Modelle leben genau davon, dass der Markt sowohl den Bitcoin-Preis als auch die eigene Bewertungslogik positiv mit nach oben nimmt. Wenn Bitcoin in kurzer Zeit um 24% anzieht, steigen bei Unternehmen mit hohen Krypto-Beständen zwangsläufig die bilanziellen Werte und damit der theoretische Innennutzen. Doch der Kern der Debatte lautet: Wie viel von diesem Hebel wirkt wirklich über die Bilanz hinaus – oder wird die Kursfantasie bereits im „Premium“ eingepreist und später wieder abgebaut?

Genau an dieser Stelle wird der Unterschied zwischen reinem Halten und „Bitcoin Treasury“ greifbar. Als Bitcoin-Treasury-Companies gelten dem Bericht zufolge solche Firmen, deren primärer Zweck das Kaufen und Halten der Kryptowährung ist; klassische Tech-Player wie ein Autohersteller mit Bitcoin-Bestand würden deshalb nicht in dieselbe Kategorie fallen. Strategy (NASDAQ: MSTR) wird dabei als Beispiel genannt, weil die Gesellschaft die größte bekannte Bitcoin-Position halten soll. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Bitcoin auf der Bilanz liegt, sondern welche Marktbewertung der Markt dafür ansetzt: Der Bericht führt ein mNAV (Market Valuation relativ zum gehaltenen Bitcoin) von 1,06 an, gegenüber 3,89 Ende 2024. Ein mNAV von 1,06 bedeutet in der Lesart des Berichts: Anleger zahlen nur noch etwa 1,06 US-Dollar für 1 US-Dollar an gehaltenem Bitcoin. Früher war der Markt deutlich bereit, einen hohen Aufschlag zu akzeptieren – heute wird dieser Aufschlag sichtbar eingedampft.

Hinter dem Begriff Flywheel steckt dabei eine Mechanik, die in früheren Bull Markets stark funktionieren konnte, aber in Bärenphasen anfällig ist. Der Bericht beschreibt, dass Treasury-Companies typischerweise Debt und Equity einsetzen, um Bitcoin-Käufe zu finanzieren, und dass Strategy dabei ein selbstverstärkendes Bewertungsrad nutzt: Wenn die Aktie bei einem Premium zum zugrunde liegenden Bitcoin handelt, kann die Gesellschaft neue Anteile ausgeben und die Emissionserlöse in weiteres Bitcoin umsetzen. Die im Text genannte Beispielrechnung macht das Prinzip anschaulich: Bei einem mNAV von 2 könnte die Firma für jeden Dollar, den sie über neue Aktien einsammelt, zwei Dollar Bitcoin erwerben. In der Modellwelt wächst dann nicht nur der Bitcoin-Preis, sondern auch die Kapitalkraft für weitere Käufe. Damit entsteht eine Renditestruktur, die einer Art „günstig finanziertem“ Bitcoin-Exposure ähnelt – allerdings mit dem Pferdefuß, dass diese Struktur nicht aus operativem Geschäftswert entsteht, sondern aus Marktbewertung und Kapitalzugang.

Im Kern wird die Skepsis also weniger emotional als bilanziell: Die Treasury-Strategie funktioniert laut Bericht im Wesentlichen „nur in eine Richtung“. In einem Aufwärtsmarkt kann das Premium steigen oder stabil bleiben; in einem Abschwung dagegen kollabiert das Premium, während der Bitcoin-Preis ebenfalls fällt. Das Ergebnis ist ein doppelter Verstärker für Verluste, weil der Markt dann weniger Kapital zu günstigen Bewertungen bereitstellt und gleichzeitig der Wert der Sicherheiten sinkt. Hinzu kommt ein zweiter Punkt, der in solchen Konstruktionen oft unterschätzt wird: Bitcoin selbst ist zwar ein wertträgerfähiges Asset, aber es ist kein Cashflow-produzierendes Produkt. Der Bericht formuliert es pointiert: „Buying Bitcoin“ ist kein Geschäftsmodell im klassischen Sinne, weil die Unternehmen typischerweise keine Waren oder Dienstleistungen verkaufen, deren Erlöse unabhängig vom Kursverlauf skalieren. Strategy hat zwar weiterhin eine Software-Sparte, diese wird im Text aber mit einer konkreten Zahl eingeordnet: 247 Millionen US-Dollar Umsatz über die ersten sechs Monate 2026. Selbst wenn dieser Umsatz nicht klein wäre, bleibt er im Verhältnis zur Treasury-Logik eher Beiwerk – und damit ist das Bewertungsrisiko am Ende doch stark kursabhängig.

Für Entscheider in Unternehmen und für Anleger mit Bewertungsdisziplin stellt sich damit eine Frage, die man auch in anderen Asset-basierten Vehikeln kennt: Wie robust ist das Ganze, wenn das Kapital teurer wird oder wenn der Markt die Bewertungsmultiplikatoren neu setzt? Der Rückgang des mNAV von 3,89 Ende 2024 auf 1,06 bei der aktuellen Betrachtung ist in dieser Hinsicht ein Signal dafür, dass der Markt die „Flywheel“-These aktuell weniger stark monetarisiert. Interessant ist, dass der Bericht den Bitcoin-Anstieg zwar als Rückenwind für Treasury-Companies einordnet, aber nicht in eine Jubelstory kippt. Stattdessen wird der Premium als zentrale Variable behandelt: Solange Anleger dem Aufschlag Vertrauen schenken, kann das Modell Kapital effizient in Bitcoin umwandeln. Sobald dieses Vertrauen nachlässt, wird der Aufschlag kleiner, die Kapitalrotation ineffizienter – und selbst ein steigender Bitcoin-Kurs reicht nicht, um die Bewertungslogik wieder auf das alte Niveau zu heben.

Welche Konsequenz folgt daraus? Erstens verschiebt sich der Fokus bei der Analyse solcher Unternehmen: Wer nur die Bitcoin-Bestände betrachtet, verfehlt den eigentlichen Mechanismus. Die entscheidenden Stellgrößen sind Premium oder Discount zur Bilanzlogik (hier über das mNAV greifbar), die Kosten und Bedingungen für Debt- und Equity-Finanzierung sowie die Frage, ob das operative Geschäft – falls vorhanden – einen echten Puffer liefert. Zweitens zeigt der Bericht, dass selbst in einem Momentum-Umfeld wie dem aktuell beschriebenen Bitcoin-Anstieg die Anlegerhaltung differenziert bleibt: Short-Squeeze und makrogetriebene Effekte können Kurse treiben, aber sie ändern nicht automatisch, wie nachhaltig das Treasury-Modell bewertet wird. Für Unternehmen, die solche Strukturen als Investitions- oder Benchmark-Referenz betrachten, bedeutet das: Der Hebel liegt nicht nur in der Kursrichtung von Bitcoin, sondern in der Marktbereitschaft, die Bewertungsprämie während wechselnder Marktregime stabil zu halten. Genau dort entscheidet sich in der Praxis, ob aus „Rückenwind“ ein dauerhafter Vorteil wird oder nur eine zeitliche Entspannung vor der nächsten Repricing-Phase.


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