LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin steigt zuletzt stark, doch Anleger zweifeln weiterhin an sogenannten Bitcoin-Treasury-Firmen. Der mNAV von Strategy (MSTR) ist laut Datenlage auf 1,06 gefallen, nachdem er Ende 2024 noch bei 3,89 lag. Damit schrumpft der Premium-Aufschlag auf die gehaltenen Bitcoins deutlich. Die Diskussion dreht sich darum, ob das Geschäftsmodell in Bullenphasen funktioniert, in Bärenphasen aber strukturell Verluste verstärkt.

Der jüngste Bitcoin-Anstieg fühlt sich für viele Marktteilnehmer wie eine Erleichterung an, zugleich aber auch wie ein Stresstest für die Konstruktionen dahinter. Laut den im Text genannten Zahlen hat Bitcoin seinen besten Monat seit 2025 hingelegt und wird im Vergleich zum Vormonat durch einen Short Squeeze sowie US-Rückkäufe bei langfristigen Staatspapieren gestützt. Mit einem Plus von 24% bis zum 28. August rückt damit genau die Kategorie wieder in den Fokus, die von solchen Phasen typischerweise überproportional profitiert: Unternehmen, die Bitcoin in ihren Bilanzen akkumulieren und die eigene Kapitalallokation um dieses Ziel herum bauen.
Im Zentrum der Debatte steht Strategy (MSTR) als prominentes Beispiel. Die Argumentation knüpft an die Kennzahl mNAV an, also an die Marktbewertung im Verhältnis zu dem Bitcoin-Wert, den ein Unternehmen tatsächlich hält. Während mNAV Ende 2024 noch bei 3,89 lag, wird nun ein Wert von 1,06 genannt. Übersetzt heißt das: Früher zahlten Investoren einen deutlichen Aufschlag, weil sie den Treasury-Mechanismus als zusätzliche Renditequelle betrachteten. Heute, so der Kern der Aussage, zahlt der Markt nur noch rund 1,06 US-Dollar pro 1 US-Dollar gehaltenem Bitcoin – und signalisiert damit weniger Vertrauen in den Ansatz.
Technisch betrachtet lässt sich das Modell als eine Art Finanzierungs-„Flywheel“ beschreiben. Treasury-Firmen emittieren typischerweise Schuldtitel und Eigenkapital, um Bitcoin zu kaufen; im Idealfall entsteht daraus eine Schleife aus Bewertung und Zukauf. Wenn das Unternehmen mit einem Premium zum zugrunde liegenden Bitcoin handelt, kann es neue Aktien ausgeben und den Erlös verwenden, um wiederum mehr Bitcoin zu erwerben. Der Beitrag des Textes bleibt dabei bewusst praxisnah: Bei einem mNAV von 2 könnte das Unternehmen theoretisch 2 US-Dollar Bitcoin für 1 US-Dollar neu ausgegebener Anteile erwerben. In vorangegangenen Aufschwüngen habe genau diese Mechanik funktioniert, weil steigende Bitcoin-Preise und ein hoher Premium zusammen überdurchschnittliche Ergebnisse ermöglichen – ähnlich einer Art „gehebeltem“ Bitcoin-Exposure.
Die Kehrseite folgt im Text ohne Beschönigung: In Bärenmärkten kippt das gleiche System. Fällt Bitcoin, bricht häufig auch der Premium-Wert zusammen. Damit verstärkt sich der Effekt, weil die Ausgabe von Aktien oder die Refinanzierung dann nicht mehr „teuer“ für den Zukauf genutzt werden kann, sondern Investoren eher für einen Abschlag Kapital bereitstellen. Genau daraus erklärt der Text auch die Notwendigkeit, in ungünstigen Marktphasen Bitcoin zu veräußern, um Liquidität aufrechtzuerhalten. Es wird sogar ein konkretes Bild skizziert: Strategy habe für die Auffüllung der Kassen Reserven Bitcoin nahe dem Tiefpunkt verkaufen müssen. Solche Situationen wirken auf Anleger weniger wie ein laufendes Geschäftsmodell und mehr wie ein Zyklus aus Versprechen in Bullenphasen und erzwungenen Verkäufen bei fallenden Kursen.
Daneben kommt ein zweiter Punkt, der für die Bewertung entscheidend ist: „Buying Bitcoin“ ist als Kernaktivität kein Wertschöpfungsprozess im operativen Sinn. Das Argument lautet, dass Bitcoin-Treasury-Firmen keine Produkte oder Dienstleistungen verkaufen, die dauerhaft Zahlungsströme generieren. Selbst wenn ein Unternehmen neben dem Treasury-Ansatz noch andere Aktivitäten besitzt, bleibt dies im Text als Randnotiz eingeordnet. Für Strategy wird als Einordnung genannt, dass im ersten Halbjahr 2026 aus dieser Restgeschäftstätigkeit 247 Millionen US-Dollar Umsatz resultierten. Für viele Investoren ist das allerdings zu wenig, um eine Bewertung zu tragen, die stark auf dem Gedanken basiert, dass finanztechnische Konstruktionen in jeder Marktphase funktionieren.
Die Konsequenz ist eine klare Verschiebung der Risikowahrnehmung. Der Text verbindet den skeptischen Blick auf das Modell mit einer konkreten Marktlogik: Wenn solche Unternehmen in der Praxis eher „das Dip verkaufen“ als „das Dip kaufen“, dann verliert der finanztechnische Hebel seine ursprüngliche Überlegenheit gegenüber einem Direktinvestment. Bitcoin biete bereits genug Volatilität; die zusätzliche Schichtung durch ein Treasury-Setup mache daraus kein stabileres Investment, sondern potenziell nur eine komplexere Verlustgeometrie. Als Alternative nennt der Text ausdrücklich den direkten Kauf von Bitcoin oder den Zugang über Bitcoin-ETFs – genau dort erwarten Anleger weniger Mechanik-Risiko durch Premium-/Abschlags-Dynamiken und weniger Zwangsverkaufsdruck durch die Kapitalstruktur. Für das nächste Marktfenster bleibt damit weniger die Frage, ob Bitcoin steigt oder fällt, sondern ob die Premium-Komponente weiter als verlässlicher Verstärker wahrgenommen wird oder ob der Markt sie endgültig als kurzfristiges Phänomen einpreist.
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