NINGDE / LONDON (IT BOLTWISE) – CATL, der Batteriehersteller mit Sitz in Ningde, will noch vor Jahresende mit der Massenproduktion von Natrium-Ionen-Batterien starten. Der chinesische Konzern nennt dabei bereits abgeschlossene Verträge mit einem Autohersteller sowie einem Anbieter für Energiespeicher im Stromnetz. Für die Branche zählt vor allem, dass Natrium-Technik als günstige und potenziell sicherere Ergänzung zu Lithium-Ionen gilt. Entscheidend bleibt jedoch, ob sich die Kosten- und Leistungsversprechen gegenüber LFP und NMC schnell genug skalieren lassen.

Natrium-Ionen-Batterien im Aufwind: CATL startet Massenproduktion
Natrium-Ionen-Batterien im Aufwind: CATL startet Massenproduktion (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Sprung von der Labornebenstraße in die Serie wirkt bei Natrium-Ionen-Batterien erstaunlich schnell. Anfang Mai 2026 kündigte der in Ningde ansässige Batteriehersteller CATL an, noch vor Ende des Jahres die Massenproduktion von Natrium-Ionen-Zellen aufzunehmen. Das Unternehmen verweist dabei nicht nur auf die Fertigungstechnik, sondern nennt auch bereits abgeschlossene Verträge mit einem Autohersteller sowie einem Anbieter für stationäre Energiespeicher im Stromnetz. Damit rückt Natrium aus dem Status „Potenzial“ in den Bereich „Lieferfähigkeit“ – und genau dort entscheiden am Ende Projektbudgets und Produktionspläne.

Technisch lohnt sich der Blick auf die Abkehr von Lithium nicht wegen eines einzelnen Bauteils, sondern wegen des gesamten Material- und Zellkonzepts. Bei Lithium-Ionen beruhen viele Leistungswerte auf Kathoden wie NMC (Nickel, Mangan, Kobalt), deren schichtförmige Kristallstrukturen Lithium-Ionen dicht und stabil einlagern. Kommerzielle NMC-Zellen erreichen heute laut den Angaben der Quelle mehr als 300 Wattstunden pro Kilogramm; bei passenden Fahrzeugklassen bedeutet das Reichweiten von über 800 Kilometern. Natrium-Ionen dagegen nutzen andere Materialien: Für die erste Generation setzt CATL auf ein Schichtoxid namens Preußisch Weiß, das Natrium, Stickstoff, Eisen und Kohlenstoff enthält und chemisch mit Preußisch Blau verwandt ist. Ergänzend kommt als Anode statt Kupfer häufig Aluminium zum Einsatz, und für die Speicherung eignen sich kohlenstoffbasierte Materialien als besserer Platz für Natriumionen als Graphit.

Der Markt zieht diese Materialentscheidung vor allem aus Kostengründen nach. Seit 2010 sind die Preise für Batteriezellen um mehr als 90 Prozent gefallen – getrieben unter anderem durch effizientere Fertigungsprozesse und steigende Produktionsmengen. Gleichzeitig hat sich die Kostenstruktur verschoben: Rohstoffe machen heute einen größeren Anteil aus als noch vor einigen Jahren. Lithium spielt dabei zwar weiterhin eine Rolle, aber die Verfügbarkeit und Preisstabilität von Kathodenmaterialien wie NMC hat sich zuletzt spürbar gebremst, wodurch der Preisrückgang bei solchen Systemen stagnierte. Ein Teil der Industrie wich daher bereits auf Lithium-Eisenphosphat (LFP) aus, das rund zwei Drittel der Energie von NMC-Zellen liefert, aber in vielen Anwendungen ausreicht. Für den Preisverlauf bei Lithium-Ionen nennt die Quelle zudem ausdrücklich, dass LFP einen weiteren Beitrag geleistet habe – und erklärt damit, warum Natrium als „Kostenhebel“ so attraktiv wirkt.

Dass Natrium jetzt als Kandidat durchstartet, hängt aber nicht nur an theoretischer Verfügbarkeit. Während der Coronapandemie traf die stark steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen auf gestörte Lieferketten; daraus folgten Preisschwankungen bei Lithium, weil die Versorgung als zu wenig flexibel galt. Natrium gilt demgegenüber als deutlich reichlicher: In der Erdkruste kommt Natrium laut den Angaben der Quelle mehr als 1000-mal häufiger vor als Lithium, im Meerwasser sogar bis zu 60.000-mal. Als preislicher Anker wird zudem genannt, dass Natriumcarbonat in Industriequalität im Juni 2026 etwa 200 bis 280 US-Dollar pro Tonne kostete, während batterietaugliches Lithiumcarbonat bei 20.000 bis 25.000 US-Dollar pro Tonne lag. Diese Relation adressiert zwar nicht automatisch alle Kostenblöcke einer Zelle, liefert aber die Grundlage für die Erwartung, dass Natrium-Ionen bei hohen Stückzahlen günstiger werden können.

Gleichzeitig bleibt die Konkurrenzfrage offen, denn Energiedichte und Skalierung bestimmen die Eignung für verschiedene Anwendungen. CATL nennt für seine serienreifen Natriumbatterien eine Energiedichte von 175 Wattstunden pro Kilogramm und strebt für kommende Generationen 200 Wattstunden pro Kilogramm an. Damit würden Natrium-Ionen laut Quelle das Niveau von LFP erreichen, also ungefähr zwei Drittel der Werte „besten“ Lithium-Ionen-Zellen. Genau deshalb konkurriert die Technik aktuell vor allem mit LFP: Elektroautos in den USA und der EU setzen derzeit überwiegend auf Lithium-Ionen-Varianten mit hoher Reichweite und Kapazität, während LFP stärker in China und in Schwellenländern Fuß gefasst hat. CATL erwartet, dass Natrium-Ionen bis Ende 2026 kostenmäßig mit LFP gleichziehen werden; dennoch halten Analysten die Entwicklungstakte für unsicher, und Wood Mackenzie nennt in der Quelle erst für 2035 eine mögliche Kostenparität.

Für Entscheider ist außerdem relevant, wo Natrium seine ersten großen „Siege“ plausibel ausspielt: eher stationär als primär mobil. Das liegt auch an der Einordnung des Recycling-Themas. Zwar lassen sich Natrium-Ionen-Batterien prinzipiell wie Lithium-Ionen wiederverwerten, aber die Quelle verweist auf Berechnungen, wonach der Materialwert so niedrig sein könnte, dass Recycling ohne staatliche Förderung wirtschaftlich unattraktiver wäre als bei Lithium-Akkus. Wenn es um Netzspeicher geht, rückt dagegen weniger die maximale Energiedichte als vielmehr das Gesamtsystem aus Kosten, Sicherheit und Installationsaufwand in den Vordergrund. Hoekstra sieht Natrium-Ionen deshalb besonders für Stromnetze als sinnvoll, die stark von Solar- und Windenergie geprägt sind; zudem könnten weniger Brandrisiken und ein dadurch vereinfachter Temperatur- und Sicherheitsaufbau die Systemkosten senken.

Damit Natrium mehr als eine Ergänzung bleibt, arbeiten Forschungsgruppen parallel an der Energiedichte und am Zell-Design. Die Quelle beschreibt eine Vielfalt möglicher Materialsysteme: Natrium-Ionen arbeiten häufig mit niedrigeren Spannungen, weil Natriumionen größer sind als Lithiumionen, und die real erreichbare Spannung hängt stark von Kathodenmaterialien ab. Im LENS-Konsortium wird etwa betont, dass ein Nickel- und Manganoxid-Ansatz durch geschichtete Strukturen und weniger benötigtes Volumen grundsätzlich in Richtung Lithium-Technologien konkurrieren kann; dabei wird genannt, den Nickelanteil von 33 auf 25 Prozent gesenkt zu haben. Gleichzeitig diskutiert die Batterieforschung auch anodenfreie Konzepte, bei denen beim Laden metallisches Natrium direkt abgeschieden wird; ob sich die dadurch mögliche Kapazitätssteigerung ohne zusätzliche Sicherheitsrisiken umsetzen lässt, bleibt allerdings eine offene Frage. Insgesamt deutet der Mix aus geplanter Massenfertigung in China und gleichzeitig laufenden Forschungsprogrammen in mehreren Ländern darauf hin, dass Natrium-Ionen mittelfristig eher in einer zweiten Welle skalieren könnten – dann, wenn Produktionskurven, Kostenlogik und Lebenszykluskennzahlen gemeinsam stimmen.


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