LONDON (IT BOLTWISE) – Auf dem Jackson-Hole-Symposium kritisierte Pablo Hernández de Cos, General Manager der BIZ, die Rolle von Stablecoins im Finanzsystem. Er sagte, digitale Vermögenswerte hätten nicht die notwendige Glaubwürdigkeit, um Zahlungen in großem Maßstab zuverlässig abzuwickeln. Als Alternative nannte er tokenisierte Einlagen, die Stabilität und Effizienz des Geldwesens besser unterstützen sollen. Im gleichen Kontext verwies die BIZ auf fehlende Einheitlichkeit, Interoperabilität und Integrität sowie regulatorische Fragmentierung.

BIZ warnt: Stablecoins fehlen Glaubwürdigkeit für Massenzahlungen
BIZ warnt: Stablecoins fehlen Glaubwürdigkeit für Massenzahlungen (Foto: IT BOLTWISE)
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Stablecoins wachsen in der Praxis, doch die BIZ sieht darin derzeit kein tragfähiges Fundament für Massenzahlungen. Pablo Hernández de Cos, General Manager der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, stellte beim Jackson-Hole-Symposium am 28. August 2026 die Vertrauensfrage in den Mittelpunkt: Stablecoins verfügten nicht über die notwendige Glaubwürdigkeit, um Zahlungsströme in großem Maßstab abzuwickeln. Er argumentierte dabei nicht primär über Preisniveaus, sondern über die Eigenschaften, die Nutzer und Finanzinfrastruktur brauchen, wenn Geldflüsse robust, interoperabel und während Stressphasen belastbar bleiben sollen.

Technisch und konzeptionell setzte Hernández de Cos bei grundlegenden Geldeigenschaften an. Seiner Einschätzung nach fehlt Stablecoins die Einheitlichkeit; außerdem seien Interoperabilität und Integrität nicht ausreichend gegeben. Entscheidend seien für ihn Merkmale wie Par-Rückzahlbarkeit (also die Fähigkeit, zu einem zugesicherten Wert zurückzukehren) und Elastizität, etwa im Umgang mit plötzlichen Mittelabflüssen. Die Kritik knüpft damit an frühere BIZ-Warnungen an: Bereits im Juni hatte die Institution vor Instrumenten gewarnt, die anfällig für plötzliche Kapitalabzüge im Stil von Bank Runs sein können. Für IT- und Plattformverantwortliche heißt das: Es geht nicht nur um die Kette aus Wallets und APIs, sondern um die Frage, ob Reserve-Mechanismen und Regelwerke die versprochene Stabilität technisch und organisatorisch unter realen Lastspitzen einhalten.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der digitalen Dollarisierung, also dem verstärkten Einsatz von auf Dollar bezogenen Tokens in Regionen außerhalb des klassischen US-Zahlungsraums. Hernández de Cos verwies darauf, dass diese Diskussion besonders für Südostasien relevant sei. Dort nutzen der Quelle zufolge rund 700 Millionen Menschen Stablecoins verstärkt für grenzüberschreitende Überweisungen. Gleichzeitig betonte das Umfeld der Regulierungslandschaft eine zusätzliche Reibung: Laut einer Studie des Financial Stability Institute (FSI) vom 27. August 2026 schaffe die regulatorische Fragmentierung konkrete Hürden. Unterschiedliche Regelwerke in den USA, der EU, in Großbritannien, Hongkong und Singapur erhöhten den Spielraum für regulatorische Arbitrage und erschwerten damit einen konsistenten internationalen Zahlungsverkehr. Als Beispiel wurde dabei die EU-Verordnung MiCA genannt – nicht als Endpunkt, sondern als Hinweis, dass regionale Lösungen nicht automatisch globale Kompatibilität herstellen.

Für Banken und Kapitalmärkte übersetzt sich diese Kritik in mehrere Hebel. Die BIZ stellte Stablecoins zwar insgesamt kein gutes Zeugnis aus, insbesondere wegen der fehlenden Glaubwürdigkeit für Massenzahlungen. In der Folge stellt sich die Frage, was das für Anleger bedeutet: Die Zusammensetzung der Reserven von Stablecoins beeinflusse laut Hernández de Cos unmittelbar die Refinanzierungskosten von Banken sowie die Nachfrage nach Staatsanleihen (T-Bills) und die Reserven der Zentralbanken. Auch wenn eine Koexistenz von Systemen möglich sei, erwartet die BIZ eher spezialisierte Nischenrollen für Stablecoins. Gleichzeitig liefert die Marktzahl aus der Quelle einen realen Kontext: Das globale Stablecoin-Angebot beläuft sich derzeit auf 308 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr; Tether dominiere den Markt mit rund 60 Prozent Anteil. Dass das jährliche Transaktionsvolumen insgesamt 62 Billionen US-Dollar erreicht, aber reale Zahlungen für Waren und Dienstleistungen nur 7 Prozent ausmachen, deutet darauf hin, dass ein relevanter Teil der Aktivität eher in Transfers innerhalb des Finanz-Ökosystems statt im Handel entsteht. Genau hier prallen Stabilitätsanforderungen und operative Geschwindigkeit häufig aufeinander.

Trotz der BIZ-Kritik wird die Entwicklung im Markt von traditionellen Instituten und privaten Emittenten weiter beschleunigt. Mehr als zwölf Großbanken, darunter Bank of America und Citi, planten der Quelle zufolge die Emission eigener Stablecoins. In den USA lief dafür laut Angaben die rechtliche Grundlage über den GENIUS Act an; er ist seit dem 18. Juli 2025 in Kraft. Parallel zeigt der private Bereich eine hohe Dynamik: So soll das Angebot des Stablecoins RLUSD über die Marke von 1 Milliarde US-Dollar auf dem XRP Ledger gestiegen sein, während das Gesamtangebot bei 2,37 Milliarden US-Dollar liegen soll. Davon entfallen 1,33 Milliarden US-Dollar (56,1 Prozent) auf das Ethereum-Netzwerk; innerhalb von 30 Tagen habe das Angebot auf Ethereum um 93 Prozent zugelegt. Auch die Nutzerstruktur variiere demnach stark: Der durchschnittliche Halter halte auf Ethereum Vermögenswerte von 106.000 US-Dollar, während es auf dem XRP Ledger bei 15.000 US-Dollar liege. Für Produkt- und Risikoarchitekturen bedeutet das: Plattform- und Ökosystementscheidungen wirken sich sichtbar auf Konzentrationen, Liquiditätsprofile und damit letztlich auf Stabilitätsannahmen aus.

Besonders greifbar wird der Konflikt zwischen technischer Machbarkeit und regulatorischer Konsistenz bei Zahlungsdienstleistern und Infrastrukturanbietern. Die Quelle nennt Visa, das Ende August innerhalb von nur 48 Stunden zwei Partnerschaften in Süd Korea abgeschlossen haben soll – mit der Dunamu-Gruppe und der Shinhan Financial Group. Der Fokus liege auf dem Aufbau einer Stablecoin-Infrastruktur. Visa verzeichne bereits im März 2026 eine Run-Rate für Stablecoin-Abwicklungen von etwa 7 Milliarden US-Dollar, während Ondo Finance USDY auf dem Tempo-Netzwerk bereitgestellt habe; dabei handelt es sich laut Quelle um einen tokenisierten Treasury-Fonds mit einem Vermögen von 2,14 Milliarden US-Dollar. Damit verschiebt sich das Bild: Während die BIZ die Glaubwürdigkeit für Massenzahlungen infrage stellt, sorgen gerade solche Integrationen dafür, dass Stablecoin-Mechaniken als operativer Bestandteil in breitere Zahlungsabläufe einfließen. Für Unternehmen ist das vor allem eine Frage der Integrationstiefe – also wie stark Reserve-Logik, Abwicklung, Buchung und Governance in die bestehende IT- und Compliance-Landschaft eingewoben werden.

Die Kernaussage der BIZ ist damit weniger ein pauschales Nein als ein Appell an belastbare Systemeigenschaften. Wenn Einheitlichkeit, Interoperabilität und Integrität nicht sauber umgesetzt sind, werden Stablecoins im Alltag zwangsläufig auf Grenzen stoßen – etwa beim Grenzübertritt zwischen Jurisdiktionen oder beim Verhalten in Stressphasen. Gleichzeitig zeigt der Markt, dass sich das Ökosystem nicht ausbremst: Private Stablecoins, tokenisierte Finanzprodukte und Bank-Programme laufen parallel weiter. Unterm Strich entsteht so ein Feld, in dem KI-gestützte Daten- und Risikoüberwachung für Treasury- und Zahlungsprozesse eine wachsende Rolle spielen kann, während die eigentliche Vertrauensbasis weiterhin an technischen und regulatorischen Garantien hängt. Für die nächsten Monate dürfte deshalb weniger die Frage lauten, ob Stablecoins genutzt werden, sondern wie konsistent die zugrunde liegenden Mechanismen über Plattformen, Reserven und Regeln hinweg funktionieren.


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