AMSTERDAM / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach den jüngsten gegenseitigen Militärschlägen im Iran-Konflikt ziehen sowohl Öl- als auch Gaspreise wieder an. Brent legte um 1,5 % auf 90,77 US-Dollar je Barrel zu, nachdem die Notierung zeitweise knapp unter 91 US-Dollar lag. Für Europa kletterte der TTF-Terminkontrakt zur Lieferung in einem Monat auf 69,13 Euro je Megawattstunde und damit mehr als 3 %. In den Einschätzungen zum Markt bleibt vor allem entscheidend, ob sich Verhandlungsperspektiven festigen oder die Lage erneut eskaliert.

Die Energiepreise reagieren in dieser Handelswoche deutlich auf die Eskalationsdynamik im Iran-Konflikt. Am Ölmarkt stieg der Preis für ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November um anderthalb Prozent auf 90,77 US-Dollar. Zeitweise war die Notierung im frühen Handel bis knapp unter 91 US-Dollar gelaufen und erreichte damit den höchsten Stand seit einer Woche. Entscheidend ist dabei, dass die Bewegung zwar spürbar ist, laut einer Einschätzung des Handelshauses Pepperstone aber nicht in eine aggressive Aufwärtsbewegung übergeht.
Parallel dazu verschärfte sich der Druck auf den europäischen Gasmarkt. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde in Amsterdam zu Beginn der Woche bei 69,13 Euro je Megawattstunde gehandelt, das entspricht einem Plus von mehr als drei Prozent gegenüber dem Freitag. Damit liegt der Kurs nur noch wenig unter dem Hoch seit Beginn des Iran-Kriegs, das im März bei knapp über 70 Euro erreicht worden war. Auffällig ist außerdem der zeitliche Verlauf: Seit etwa drei Wochen geht es mit dem Gaspreis tendenziell nach oben, und in dieser Phase hat sich der Rohstoff um etwa ein Drittel verteuert.
Technisch betrachtet trifft hier ein geopolitischer Impuls auf ein marktseitig empfängliches Setup aus Terminstruktur und kurzfristigen Erwartungen. Der Konflikt um die Straße von Hormus wirkt als Risikotreiber, weil die Route eine wichtige Transportroute für Energierohstoffe ist und damit potenziell Versorgungsketten beeinflusst. Gleichzeitig spielen am Gasmarkt EU-spezifische Faktoren eine Rolle: Berichten zufolge wird der Preis auch durch eine vergleichsweise geringe Füllmenge der Gasspeicher in Europa gestützt. Das macht den Markt sensibler für jede weitere Unsicherheit, während die Ölpreise in den vergangenen Wochen zeitweise stärker gefallen waren.
Die Meldungen zur militärischen Lage liefern dabei die unmittelliche Marktlogik. Erstmals seit Ende Juli sollen US-Streitkräfte wieder Ziele im Iran angegriffen haben, darunter zwei Raketenabschussrampen in der Nähe der Straße von Hormus, wie unter Berufung auf einen US-Beamten berichtet wurde. Der Iran reagierte umgehend mit Vergeltungsangriffen auf Stützpunkte des US-Militärs. In der Folge wird auch im Markt diskutiert, ob sich der Weg zu einer Verhandlungslösung eher öffnet oder durch die Eskalation erschwert wird. Genau diese Frage ordnet Pepperstone ein: Zum jetzigen Zeitpunkt scheine es wenig Neigung zu geben, den Rohölpreis signifikant nach oben zu treiben.
Für Unternehmen und Betreiber von energieintensiven Prozessen ist die Kombination aus steigenden Gasnotierungen und zuletzt gedämpften Ölrisiken besonders relevant. Wenn Erdgas im Vergleich stärker zulegt, verschiebt das die relativen Kostenstrukturen in Branchen, die stark von Gaspreisen abhängen, etwa in Teilen der Chemie oder bei der Strom- und Wärmeerzeugung. Gleichzeitig deutet die Notiz aus dem Markt darauf hin, dass zumindest kurzfristig keine ausgeprägte Übertreibung am Ölmarkt eingepreist wird, obwohl das Konfliktumfeld bleibt. Der weitere Verlauf dürfte daher weniger von der bloßen Eskalationsmeldung abhängen als von der Frage, ob die Marktteilnehmer eine nachhaltige Entspannung oder zumindest eine Begrenzung der Risiken erwarten.
Auch aus Investment- und Hedging-Sicht kann die Entwicklung einen Unterschied zwischen Öl und Gas markieren. Öl zeigt sich zwar volatil, findet aber offenbar in einer Zone, in der Händler keine starke Trendfortsetzung erzwingen wollen. Gas dagegen hält sich stärker auf erhöhtem Niveau, weil es zusätzlich durch Speicherstände und Logistikrisiken gestützt wird. Damit entsteht ein Szenario, in dem sich Preisabsicherungen für Gas kurzfristig stärker auszahlen könnten als für Öl, sofern die Terminstruktur die erwartete Knappheit weiterhin widerspiegelt. An den Möglichen nächsten Kurstreibern führt in jedem Fall kein Weg vorbei: die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt das bestimmende Thema, und jede neue Eskalationsrunde kann die Risikoprämie erneut anheben.
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