OFFENBACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Deutsche Wetterdienst stuft den Sommer 2026 nach vorläufigen Auswertungen als zweiwärmsten offiziell gemessenen Sommer in Deutschland ein. Das Temperaturmittel lag bei 19,6 Grad und liegt damit 3,3 Grad über der Referenzperiode 1961 bis 1990. Gleichzeitig fielen nur 72 Prozent des Niederschlagssolls, während die Sonne mit 779 Stunden besonders lange schien. Die Hitzewelle wird mithilfe einer Attributionsstudie mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht.

Sommer 2026: DWD meldet zweiwärmsten Sommer und deutliche Trockenheit
Sommer 2026: DWD meldet zweiwärmsten Sommer und deutliche Trockenheit (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Sommer 2026 ist meteorologisch betrachtet kein „Ausreißer“, sondern ein Muster, das sich in den Messwerten sehr klar abzeichnet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bewertet die saisonale Bilanz nach vorläufiger Auswertung als zweitwärmsten Sommer, der in Deutschland offiziell je gemessen wurde. Als meteorologischer Sommer gilt dabei der Zeitraum vom 1. Juni bis 31. August – und genau in dieser Spanne summieren sich Hitze, Sonnenschein und ein verbreitetes Niederschlagsdefizit zu einer außergewöhnlichen Mischung. Das Temperaturmittel liegt bei 19,6 Grad. Damit übertrifft der Sommer den Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 um 3,3 Grad, nur der Jahrhundertsommer 2003 war mit 19,7 Grad nach DWD-Angaben minimal wärmer.

Beim Thema Hitze geht es nicht nur um den Durchschnitt, sondern um Häufigkeiten, die im Alltag und in den Risikoketten für Gesundheit und Infrastruktur direkt spürbar werden. Der DWD nennt für das Deutschlandmittel rund 22 heiße Tage mit mindestens 30 Grad sowie etwa fünf sehr heiße Tage mit mindestens 35 Grad. Besonders anschaulich wird die extreme Ausprägung regional: Am 27. Juni wurden in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt 41,8 Grad gemessen. Auch nachts blieb es ungewöhnlich warm – in Kubschütz sank das Thermometer in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni nicht unter 29,4 Grad. Solche Nächte sind deshalb so relevant, weil sich der Körper trotz Hitzeperioden nur begrenzt regenerieren kann und weil sie Hitze-Stress in der Logistik und im Energiesystem verstärken können, wenn Lastspitzen länger anhalten.

Die Trockenheit bildet das zweite große Belastungsprofil des Sommers 2026. Laut DWD war es in der Fläche „deutlich zu trocken“: Mit rund 171 Litern Niederschlag pro Quadratmeter wurden nur knapp 72 Prozent des Solls von 239 Litern pro Quadratmeter erreicht. Der meteorologische Mechanismus Dahinter lässt sich aus der Aufteilung ableiten: Nach einem zu trockenen Juni erhöhte vor allem der markant niederschlagsarme Juli das Defizit; der August brachte nur regional Entlastung. Genau diese zeitliche Lücke zwischen Niederschlagsereignissen und der gleichzeitig hohen Verdunstung wirkt auf den Wasserhaushalt wie ein Verstärker. Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) brachte es auf den Punkt: „Bäche und Quellen, insbesondere im Südwesten Deutschlands, sind zeitweise ganz versiegt, und die wichtigsten Wasserstraßen wie Rhein und Donau verzeichnen Rekordtiefststände.“ Gleichzeitig betonte er, dass es nicht allein am fehlenden Regen liege: „Durch die steigenden Temperaturen steigt die Verdunstung, wodurch die Landschaft mehr Wasser verliert, bevor es in das Grundwasser und die Oberflächengewässer gelangen kann“.

Wie stark das Niederschlagsdefizit räumlich schwankt, zeigt ein Blick auf einzelne Regionen und Extremereignisse. Am Alpenrand summierte sich der Regen auf örtlich mehr als 400 Liter pro Quadratmeter, während am nördlichen Oberrhein stellenweise nur etwa 70 Liter pro Quadratmeter zusammenkamen. Auch bei den Tageswerten gibt es markante Punkte: Die höchste Tagessumme meldete Deisenhofen im Kreis München am 29. Juni mit 102 Liter pro Quadratmeter. Am 19. August traten in Brandenburg (Fürstenwalde) sowie in einem Korridor vom rheinland-pfälzischen Westerwald über Mittel- und Osthessen bis nach Westthüringen mehrere Tornados auf. Das ist meteorologisch wichtig, weil es verdeutlicht, dass „trocken“ nicht „still“ bedeutet: Unter Extremhitze können sich Gewitter und dynamische Wetterlagen anders aufbauen als in ausgeglicheneren Jahren, was wiederum Auswirkungen auf Forst, Landwirtschaft und lokale Sicherheitslage hat.

Beim Sonnenschein liefert der Sommer 2026 ebenfalls eine klare Klammer für das Gesamtbild. Der DWD nennt 779 Stunden – und ordnet den Sommer damit zu den fünf sonnigsten seit Beginn der Sonnenscheinreihe 1951 ein. Regional fiel die Bilanz noch deutlicher aus: In Teilen Süddeutschlands summierte sich die Sonnenscheindauer örtlich auf rund 900 Stunden. Solche Werte verstärken die Verdunstung zusätzlich, und sie beeinflussen auch die Art, wie sich Böden aufwärmen und wie sich Pflanzenphysiologie unter Stressbedingungen verhält. In Kombination mit den vorliegenden Niederschlagsdaten entsteht damit ein realistisches Bild, warum der Wasserhaushalt in mehreren Ebenen gleichzeitig unter Druck geriet – von Bodenfeuchte über Gewässerabflüsse bis hin zu den Sommerniedrigständen großer Flusssysteme.

Die Frage nach dem Klimawandel wird in den Angaben nicht als Randaspekt behandelt, sondern über eine Attributionsstudie operationalisiert. Der DWD berichtet von einer Attributionsstudie zur Hitzewelle Ende Juni 2026 und hält fest: Ohne den Klimawandel wäre eine Hitzewelle dieses Ausmaßes statistisch unmöglich gewesen. Attributionsstudien dienen dazu, abzuschätzen, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität einzelner Wetter- oder Klimaextreme verändert hat. Peter Hoffmann vom PIK formulierte die Kernaussage inhaltlich so: „Mit jedem weiteren Jahr wird klarer, wie der menschgemachte Klimawandel konkret auf Wetterphänomene in Europa einwirkt und auf was wir uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einstellen müssen.“ Damit verschiebt sich die Perspektive von einem einzelnen Sommer hin zu einem Risiko, das sich über Zeit verdichtet.

Die gesundheitliche Dimension wird schließlich über Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) greifbar. Nach Schätzung des RKI sind bis Mitte August etwa 15.800 Menschen durch Hitze gestorben. Davon entfallen 9.600 Todesfälle auf die Extremhitze Ende Juni; weitere 4.000 werden auf die hohen Temperaturen in den ersten zwei Augustwochen zurückgeführt. Der Bericht betrachtet dabei den Zeitraum vom 6. April bis zum 16. August und betont, dass es sich um konservative Schätzungen handelt; die Zahl könne sogar noch höher liegen. Dass die Erfassung nicht vollständig ist, wird auch durch die Argumentation aus dem Versorgungsbereich unterstrichen: Uwe Janssens, medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), hatte darauf hingewiesen, dass viele Fälle nicht als hitzebedingt erfasst würden, weil auf Totenscheinen häufig Organversagen steht. Für Unternehmen und öffentliche Stellen ist das praktisch relevant, weil Hitzeschutz dann nicht nur als „Sommerthema“ verstanden werden kann, sondern als Teil des Risikomanagements für Gesundheit, Personalverfügbarkeit und Betriebskontinuität.


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