LONDON (IT BOLTWISE) – Nel ASA meldet im zweiten Quartal 2026 einen starken Sprung beim Auftragseingang, bleibt an der Börse aber klar unter dem Abwärtstrend gefangen. Der Neugeschäftswert liegt bei 230 Millionen norwegischen Kronen und damit 224 % über dem Vorjahr, während die Erlöse aus Kundenverträgen um 12 % auf 153 Millionen Kronen zurückgehen. Beim Ergebnis steht ein negatives EBITDA von minus 155 Millionen norwegischen Kronen im Raum, zusätzlich belastet durch einen Vergleich mit Iwatani. Parallel sollen mit der neuen PA-Series Platzbedarf und Investitionskosten sinken; die weitere Umsetzung hängt jedoch vom verschobenen Wasserstoff-Ausbau im Marktumfeld ab.

Nel ASA steht an der Börse erneut unter Druck, obwohl die operative Story im Kern gerade interessanter wirkt als die Kursbewegung. Die Notierung wird aktuell mit 0,192 Euro angegeben, verbunden mit einem Tagesminus von -0,31 %. Damit bleibt der Wert im unmittelbaren Umfeld seines Abwärtstrends und signalisiert, dass Anleger selbst positive Impulse aus dem Zahlenwerk erst dann stärker einpreisen, wenn sie sich zeitnah in Umsatz, Ergebnis und vor allem Cashflow übersetzen. Genau an dieser Schnittstelle entsteht in den jüngsten Quartalsdaten die Spannung: Auftragseingang und Perspektive wachsen, kurzfristige finanzielle Effekte aber noch nicht im gleichen Tempo.
Im zweiten Quartal 2026 zeigt sich beim Neugeschäft tatsächlich eine deutliche Beschleunigung. Mit 230 Millionen norwegischen Kronen liegt der Auftragseingang 224 % über dem Vorjahreswert von 71 Millionen Kronen. Gleichzeitig wirkt der Abfluss auf der Erlösseite dagegen bremsend: Die Erlöse aus Kundenverträgen fallen um 12 % auf 153 Millionen Kronen. Das ist ein Muster, das bei vielen Hardware- und Anlagenbauern im Energiesektor auftreten kann, wenn Bestellungen zwar zulegen, die Umsatzrealisierung jedoch verzögert erfolgt oder noch nicht in ausreichendem Umfang in den Leistungsfortschritt übergeht. Beim Blick auf das Ergebnis wird diese Asymmetrie noch deutlicher: Nel ASA weist für das Quartal ein EBITDA von minus 155 Millionen norwegischen Kronen aus, hinzu kommt ein zusätzlicher Belastungseffekt aus dem Vergleich mit Iwatani in Höhe von 70 Millionen Kronen.
Auch der Auftragsbestand liefert zwar Volumen, schafft aber noch keine unmittelbare Entspannung für Kennzahlen wie Profitabilität und Liquidität. Der Bestand wird mit 1,213 Milliarden norwegischen Kronen angegeben und kann damit als „Nachschub“ für kommende Perioden dienen. In der Logik vieler kapitalintensiver Projekte bedeutet das jedoch nicht automatisch, dass schon im nächsten Quartal höhere Umsätze oder ein spürbar besserer Cashflow sichtbar werden. Bei Elektrolyseur- und Wasserstoff-Infrastruktur hängt die Realisierung häufig an mehreren Knotenpunkten: Projekt-Finanzierung, Engineering-Phase, Lieferketten, Genehmigungen und die konkrete Projektplanung bei den Abnehmern. Verschiebt sich auch nur ein Teil davon, bleibt ein großer Auftragsbestand länger ein Versprechen statt ein Ergebnishebel. Genau diese Erwartungshaltung spiegelt die Marktreaktion: Trader interessieren sich zwar für das Papier, aber eine „Rettung“ durch die Zahlen scheint noch nicht greifbar genug.
Technologisch setzt Nel parallel auf eine neue PA-Series, die offenbar vor allem auf Wirtschaftlichkeit bei der Umsetzung abzielt. Laut Unternehmensangaben soll sich der benötigte Platz um bis zu 80 % verringern lassen. Zusätzlich werden mögliche Investitionskostensenkungen von 40 bis 60 % genannt. Solche Parameter sind für den Markt besonders relevant, weil Elektrolyseure und zugehörige Infrastruktur nicht nur über den Wirkungsgrad, sondern auch über CAPEX pro Kapazitätseinheit sowie über Integrationsaufwand bewertet werden. Wenn eine neue Produktgeneration weniger Fläche benötigt und gleichzeitig Investitionskosten senkt, verbessert das typischerweise die Projektierbarkeit bei Platzknappheit und kann die Business-Cases bei Kunden stabilisieren. Für Ende 2026 wird zudem eine Produktionskapazität von 500 Megawatt genannt, während für 2027 eine Zielgröße von 1 Gigawatt vorgesehen ist.
Finanziell versucht Nel, die Ausbauphase über öffentliche Unterstützung abzusichern. Für den geplanten Ausbau wird eine EU-Förderung in Höhe von 135 Millionen Euro genannt. Darüber hinaus wurden zwei Aufträge für containerisierte PEM-Lösungen gemeldet, jeweils mit rund 7 Millionen US-Dollar; zusammen ergeben die Bestellungen etwa 14 Millionen US-Dollar. Containerisierte Ansätze sind in der Praxis oft attraktiv, weil sie die Skalierung modularer machen und die Bereitstellung auf Baustellen oder in Übergangsphasen vereinfachen können. Gleichzeitig bleibt jedoch der entscheidende Punkt bestehen: Das Marktumfeld bestimmt Tempo und Reihenfolge der Realisierung. Der Bericht verweist darauf, dass mehrere Energiekonzerne Wasserstoffprojekte verschoben haben, wodurch sich größere Elektrolyseurvorhaben zeitlich verzögern können. In einem solchen Umfeld kann ein Auftragseingang zwar „gut aussehen“, die Umsatzerkennung und damit auch Ergebnisentlastung aber länger auf sich warten lassen.
Für die Bewertung der Aktie heißt das letztlich: Nel muss die Brücke zwischen Bestellung und Ergebnis schneller und sichtbarer schlagen, als es das letzte Quartal gezeigt hat. Der Mix aus starkem Neugeschäft, rückläufigen Vertragsumsätzen und einem klar negativen EBITDA mit Sonderbelastungen wirkt wie ein Hinweis darauf, dass die Kosten- und Ergebnisstruktur aktuell nicht vollständig mit dem Bestellwachstum synchronisiert ist. Hinzu kommt die Erwartung, dass Skalierung und Kostenvorteile aus der PA-Series sich in der Produktion und in der späteren Projektabwicklung messbar niederschlagen müssen, um den Markt wirklich zu überzeugen. Wer Nel deshalb handelt, schaut weniger auf den Auftragsbestand als solchen, sondern auf die nächsten Quartale, in denen sich die EU-Förderung, die containerisierten PEM-Aufträge und die geplanten Kapazitätsausbauten in Umsatzrendite und Cashflow-Entwicklung übersetzen.
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