LONDON (IT BOLTWISE) – UBS sieht die Abkehr vom US-Dollar als strukturellen Trend, nicht nur als kurzfristige Marktreaktion. In diesem Umfeld hebt die Bank ihr 12-Monats-Goldziel auf 5.400 $ je Unze an. Neben De-Dollarisierung nennt UBS wieder anziehende ETF-Zuflüsse und die Erwartung sinkender Zinserhöhungsprognosen als Treiber. Gleichzeitig empfiehlt das Haus eine breitere Rohstoffausrichtung über Gold hinaus.

UBS geht davon aus, dass die globale Bewegung weg vom US-Dollar weiter zunehmen wird – und betrachtet die Dollar-Schwäche damit als strukturelles Thema. Auch wenn es laut der Bank Phasen geben kann, in denen der Greenback durch geopolitische Spannungen zeitweise Unterstützung erhält, bleibt der längerfristige Befund derselbe: Der Goldmarkt dürfte davon nachhaltig profitieren. Entsprechend steigt das 12-Monats-Ziel für Gold auf 5.400 $ je Unze. Damit setzt UBS einen klaren Fokus auf die Frage, wie Währungsverschiebungen in den Portfolios von Staaten und Institutionen wirken – und nicht nur darauf, wie sich der kurzfristige Wechselkurs gerade bewegt.
Technisch betrachtet ist De-Dollarisierung nicht als einzelner Schalter zu verstehen, sondern als langsame Neujustierung von Reserve- und Nachfrageprofilen. UBS verweist in diesem Zusammenhang auf mehrere Belastungs- und Diversifikationsfaktoren: wachsende Sorgen rund um die US-Finanzen, Unsicherheiten in der Handelspolitik sowie die zunehmende Diversifizierung der Währungsreserven vieler Staaten. Zentralbanken spielen dabei eine besonders sichtbare Rolle, weil sie Abflüsse und Zuflüsse in großem Maßstab in die Märkte hineintragen können. Als konkretes Beispiel nennt UBS die chinesische Notenbank, die ihre Goldbestände im Juli um weitere 20 Tonnen erhöht hat – der größte monatliche Zukauf seit Oktober 2023.
Dass Gold in solchen Phasen nicht nur „gegen“ den Dollar handelt, sondern auch über zusätzliche Flüsse Nachfrage erhält, ist ein zweiter Hebel in UBS’ Argumentation. Die Bank macht wieder einsetzende ETF-Zuflüsse als unterstützenden Faktor fest: Sobald Investoren über börsengehandelte Produkte wieder vermehrt Positionen aufbauen, entsteht ein mechanischer Nachfrageimpuls, der häufig schneller wirkt als rein fundamentale Reservekäufe. Dazu kommt ein makroökonomischer Kanal über die Zinsseite: UBS erwartet, dass die Märkte ihre Zinserhöhungsprognosen für die US-Notenbank zurückfahren. Sinkende oder weniger aggressive Zinserwartungen senken typischerweise die Opportunitätskosten, die mit dem Halten zinsloser Vermögenswerte wie Gold verbunden sind – und machen es für viele Strategien wieder attraktiver.
Der jüngste Kursverlauf liefert UBS dafür zumindest eine Art „Real-Time“-Bestätigung: Der Goldpreis habe im vergangenen Monat rund 15 % zugelegt und könne nach Einschätzung der Bank weiter steigen. Interessant ist hier weniger der kurzfristige Momentum-Effekt an sich, sondern die Verknüpfung mehrerer Treiber: De-Dollarisierung als struktureller Rückenwind, ETF-Zuflüsse als liquiditätsnahe Nachfrage und eine Zinskurve, die weniger straff erwartet wird. Gerade diese Kombination kann dazu führen, dass sich Erwartungen in den Märkten schneller in Preisbewegungen übersetzen als in Szenarien, in denen nur ein Faktor allein dominiert.
UBS beschränkt sich dabei nicht auf Gold. Das Haus empfiehlt eine breitere Rohstoffausrichtung, weil andere Segmente ebenfalls von Trends aus Schwellenländern, Elektrifizierung und dem Ausbau von KI-Infrastruktur profitieren könnten. Das ist insofern relevant, als KI- und Digitalisierungsprojekte in der Praxis häufig nicht nur Rechenkapazität erfordern, sondern über die gesamte Wertschöpfung hinweg Energie-, Netz- und Infrastrukturbedarf auslösen. Gleichzeitig nennt UBS wetterbedingte Risiken wie El Niño, die Agrarrohstoffe verteuern könnten – ein Hinweis darauf, dass das Szenario nicht ausschließlich „bullisch“ für alle Rohstoffe ist, sondern Risiken für einzelne Teilmärkte einplant.
Auch auf der Währungsseite bleibt die UBS-Logik nicht beim allgemeinen „weg vom Dollar“, sondern wird selektiv: Als Alternativen zum US-Dollar nennt die Bank Pfund, norwegische Krone, Neuseeland-Dollar und Yuan. Für Anleger und Unternehmen ist das vor allem deshalb interessant, weil es zeigt, wie Reserve- und Hedging-Entscheidungen in der Realwirtschaft nicht selten stufenweise erfolgen. Statt radikaler Umstellung geht es eher um Diversifikation, also die Verschiebung von Exponierung zwischen Währungsräumen. In einem Umfeld, in dem Zinserwartungen und geopolitische Risiken schwanken, kann eine solche selektive Strategie dabei helfen, Währungseffekte weniger einseitig wirken zu lassen.
Für Marktteilnehmer ergibt sich daraus ein praktischer Prüfstein: Welche Portfolioteile profitieren nicht nur von „höheren Goldpreisen“, sondern von einem übergeordneten Bündel aus Währungsdiversifikation, Kapitalflüssen über ETFs und möglichen Verschiebungen an der Zinsfront? Genau hier liegt die Substanz der UBS-Einschätzung. Wer Rohstoffrisiken aktiv steuern will, kann die Argumentation außerdem als Grundlage nutzen, um Anbindungen zwischen Makroparametern (Zinskurve, US-Finanzsorgen), Marktmechanik (ETF-Nachfrage) und Reservepolitik (Zentralbankkäufe) konsistent zu überwachen. Selbst wenn der kurzfristige Dollar zeitweilig gestützt wird, bleibt nach UBS’ Lesart der dominierende Pfad für den nächsten Zeitraum die schrittweise Reduktion der Dollarzentrierung – und damit ein Umfeld, in dem Gold als Absicherungs- und Wertspeicheroption strukturell Rückenwind haben dürfte.
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