LONDON (IT BOLTWISE) – Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities R setzt bewusst auf keinen Vergleichsindex als Leitplanke und kann so zwischen Anlageklassen wechseln, solange die Aktienquote mindestens 25 Prozent beträgt. Das Portfolio folgt dem „Flossbach von Storch Pentagramm“ aus Diversifikation, Qualität, Flexibilität, Solvenz und Wert. Mit einem Fondsvermögen von 20,2 Milliarden Euro und einer Einstufung als Artikel-8-Produkt kombiniert der Fonds den aktiven Ansatz mit ESG-Ausschlusskriterien. Im aktuellen Zahlenbild fällt vor allem die Mischung aus sehr hoher Aktienquote und moderaten Schwankungskennziffern auf.

Der Blick auf den Flossbach von Storch Multiple Opportunities R zeigt, wie stark sich aktive Mischfonds auch dann unterscheiden können, wenn sie auf den ersten Blick „nur“ Aktienquoten und Risikoindikatoren liefern. Auffällig ist vor allem die bewusste Entscheidung, keinerlei Vergleichsindex als Leitplanke zu nutzen. Damit entfällt für das Management der typische Taktgeber aus relativen Kennzahlen. Stattdessen darf es je nach Marktumfeld zwischen Anlageklassen rotieren, solange die Aktienquote mindestens 25 Prozent erreicht. Die Logik dahinter ist weniger ein kurzfristiges Timing als ein eigenständiger Ansatz zur Allokation: Ausgehend von einem eigenen Anlageweltbild wird jeder Einzeltitel gründlich analysiert, wobei das Chance-Risiko-Verhältnis den Kern der Auswahl bildet.
Dass der Fonds dabei nicht völlig „frei“ im luftleeren Raum agiert, liegt am Regelwerk, das in der Namenswelt des „Flossbach von Storch Pentagramms“ zusammengefasst ist. Es umfasst Diversifikation, Qualität, Flexibilität, Solvenz und Wert. Diese Leitlinien strukturieren die Portfoliokonstruktion, auch wenn keine Benchmark als Zielscheibe dient. In der Praxis bedeutet das: Diversifikation wird nicht nur durch die Anzahl der Positionen erreicht, sondern auch durch die Verteilung auf Anlageklassen und Währungen. Qualität und Wert wirken als Filter bei der Titelaufnahme, Flexibilität bleibt die operative Handlungsfreiheit, während Solvenz eher das Risikomanagement adressiert. Für die aktuelle Zusammensetzung ist außerdem relevant, dass der Fonds als Artikel-8-Produkt nach der EU-Offenlegungsverordnung eingestuft ist und ESG-Kriterien in den Auswahlprozess integriert, inklusive Ausschlusskriterien, Stimmrechtsausübung und Engagement.
Beim Blick auf die Kostenstruktur wird der aktive Charakter greifbar, ohne dass die Zahlen aus dem Rahmen fallen. Der Ausgabeaufschlag liegt beim Kauf bei bis zu 5,0 Prozent. Beim Wechsel zwischen Flossbach-von-Storch-Fonds kann zusätzlich eine Umtauschprovision von bis zu 3,0 Prozent zugunsten des Vertriebspartners anfallen. Die laufenden Kosten werden mit 1,62 Prozent pro Jahr angegeben, wovon 1,47 Prozent auf die Verwaltungsvergütung entfallen. Dazu kommt eine erfolgsabhängige Komponente: Bis zu 10 Prozent der Brutto-Aktienwertentwicklung, aber gedeckelt auf maximal 2,5 Prozent des durchschnittlichen Fondsvermögens je Abrechnungsperiode. Entscheidend ist dabei die sogenannte Hochwassermarke: Erfolgsgebühren werden nur dann fällig, wenn der Brutto-Aktienwert am Ende der Abrechnungsperiode über dem Wert der jeweils vorangegangenen fünf Abrechnungsperioden liegt. Damit soll eine bloße Erholung nach vorherigen Verlusten nicht automatisch zusätzliche Gebühren auslösen.
Auch die Ausschüttung und die Risikoeinschätzung liefern Hinweise darauf, wie der Fonds seine hohe Aktienquote in ein moderateres Gesamtprofil übersetzt. Der Fonds schüttet zuletzt 5,56 Euro je Anteil am 10. Dezember 2025 aus, jeweils mit Geschäftsjahresende zum 30. September. Die Risikoeinstufung wird mit 3 von 7 angegeben. In Kombination mit einer Aktienquote von aktuell über 80 Prozent wirkt das zunächst ungewöhnlich, lässt sich aber aus der Portfoliologik erklären: Edelmetalle und Kasse dämpfen offenbar einen Teil der Schwankungsbreite, während die Anleihenkomponente zusätzlichen Stabilitätseffekt liefern soll. Eine Bewertung mit drei von fünf Sternen auf Basis der historischen, risikoadjustierten Wertentwicklung gegen vergleichbare Fonds unterstreicht, dass der Ansatz zumindest im Rückblick nicht nur theoretisch „moderat“ wirkt, sondern sich in der Vergangenheit auch statistisch abbilden konnte.
Technisch und inhaltlich spannend wird es beim Spitzenfeld der Aktienpositionen. An der Spitze steht der Finanzmarktinfrastruktur-Betreiber Deutsche Börse mit 2,99 Prozent. Für das erste Quartal 2026 wird ein EBITDA ohne Treasury-Ergebnis von 803 Millionen Euro genannt, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, während die Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis um 12 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro steigen. Als Treiber werden strukturelles Wachstum im Kerngeschäft und eine erhöhte Handelsaktivität als Folge geopolitischer Spannungen im März beschrieben. Auf Rang zwei folgt Microsoft mit 2,71 Prozent: Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 wird ein Umsatz von 90 Milliarden US-Dollar und ein Nettogewinn von 35,8 Milliarden US-Dollar berichtet, getragen vom Cloud-Geschäft mit Azure-Wachstum von 43 Prozent. Beim dritten Titel im Spitzenquartett findet sich Alphabet (Class A) mit 2,63 Prozent; hier wird vor allem die Cloud-Dynamik hervorgehoben, etwa ein Umsatzsprung bei Google Cloud auf 24,8 Milliarden US-Dollar. Dass in diesem Dreigestirn mit Deutsche Börse, Microsoft und Alphabet drei klar unterschiedliche Geschäftsmodelle vertreten sind, passt zur Diversifikationsidee des Fonds und reduziert die Gefahr, dass ein einzelner Branchentreiber den gesamten Aktienanteil dominiert.
Die konkrete Aufteilung über Anlageklassen, Branchen und Währungen erklärt dann, warum der Fonds trotz der hohen Aktienquote nicht die Schwankung eines reinen Aktienvehikels abbildet. Laut Angaben entfallen 82,3 Prozent auf Aktien, ergänzt um 8,3 Prozent Edelmetalle, 7,5 Prozent Kasse, 2,25 Prozent Renten und 0,2 Prozent Wandelanleihen; sonstige Positionen inklusive Derivate schlagen mit minus 0,63 Prozent leicht negativ zu Buche. Der Edelmetallanteil ist dabei nicht als Renditeversprechen gedacht, sondern als Absicherung gegen Inflations- und Krisenszenarien. Gleichzeitig schafft die Kassequote Flexibilität: Sie kann opportunistisch in neue Gelegenheiten gelenkt werden, ohne dass der Fonds sofort unter Druck verkaufen muss. Bei den Branchen liegt Informationstechnologie bei 17,7 Prozent vor Gesundheitswesen (16,5 Prozent) sowie Finanzen (15,9 Prozent) und Industrieunternehmen (15,7 Prozent). Die Währungsseite ist hingegen deutlich fokussierter: Nach Absicherung entfallen 47,3 Prozent auf den US-Dollar und 32,2 Prozent auf den Euro. Das bedeutet, dass bereits das tatsächliche Währungsrisiko abgebildet wird, das bewusst so gelassen oder über Devisentermingeschäfte reduziert wurde – nicht die ungefilterte Rohallokation vor Absicherungsmaßnahmen.
Aus Anlegersicht entscheidet am Ende das Zusammenspiel aus Rendite, Risiko und Haltedauer. Auf Bruttobasis, also vor Ausgabeaufschlag, werden für das laufende Jahr bis zum Stichtag 2,75 Prozent genannt; über ein Jahr 6,15 Prozent, über drei Jahre 18,97 Prozent, über fünf Jahre 13,90 Prozent und über zehn Jahre 56,94 Prozent sowie seit Auflage 266,75 Prozent. Auffällig ist der Bruch zwischen dem Dreijahres- und dem Fünfjahreszeitraum: Während die annualisierte Rendite über drei Jahre bei 5,96 Prozent liegt, fällt sie über fünf Jahre auf 2,64 Prozent. Als Ursache wird das Jahr 2022 genannt, das mit minus 12,45 Prozent noch im Fünfjahresfenster enthalten ist, während das Dreijahresfenster erst nach diesem Einbruch beginnt. Auch die Schwankungsanfälligkeit im Zeitverlauf zeigt sich: Im März 2026 wird ein Rückgang von 6,83 Prozent genannt, gefolgt von Pluswerten im April (2,43 Prozent) und im Juli (3,88 Prozent). Die Volatilität liegt bei 7,9 Prozent über die vergangenen 260 Handelstage, der maximale Drawdown bei minus 8,4 Prozent. Der Value at Risk von 7,06 Prozent bedeutet unter den aktuellen Marktbedingungen, dass der Fonds mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit innerhalb von 20 Handelstagen nicht mehr als rund 7 Prozent an Wert verliert. Für einen flexiblen Mischfonds mit hoher Aktienquote ist das nachvollziehbar, bleibt aber zugleich ein Hinweis, dass „moderate Schwankung“ nicht mit „geringes Risiko“ gleichzusetzen ist.
Welche Chancen und Risiken folgen daraus? Chancen ergeben sich aus der benchmarkunabhängigen Anlagepolitik: Das Management kann über Aktien, Anleihen, Wandelanleihen, Derivate und Fremdwährungspositionen zusätzliche Ertragsquellen erschließen, etwa wenn günstige Wechselkursbewegungen den Währungsanteil positiv beeinflussen. Gleichzeitig existieren klassische Risikotreiber wie Marktrisiko durch Kursschwankungen, Währungsrisiko, Kreditrisiken bei Anleihen inklusive möglicher Zahlungsausfälle des Emittenten sowie Zinsänderungsrisiken bei steigenden Marktzinsen. Daneben kommen Derivate-Risiken hinzu, die Gewinne und Verlustrisiken gleichermaßen erhöhen können, sowie Edelmetall- und Rohstoffrisiken durch teils stärkere Preisbewegungen. Dazu begrenzen ESG-Kriterien die Auswahlmöglichkeiten in Kategorie und Anzahl möglicher Zielanlagen. Für wen eignet sich das Profil? Der Fonds richtet sich an Anleger, die das Asset-Allocation-Entscheidungsrecht für Aktien, Anleihen, Edelmetalle und Kasse an ein einzelnes Management delegieren wollen, statt selbst eine feste Aufteilung vorzunehmen. Die Kombination aus moderaterem Risikoindikator, gedämpfter Volatilität und sehr hoher Aktienquote spricht vor allem für mittlere Risikobereitschaft. Wegen Ausgabeaufschlag bis zu 5,0 Prozent und laufender Kosten von 1,62 Prozent pro Jahr ist ein mehrjähriger Anlagehorizont besonders relevant, damit die Kostenbelastung über die Zeit relativiert wird.
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