NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Zürcher KI-Security-Spezialist Blindsight steht im Finale des Start-up-Wettbewerbs an der IT-SA in Nürnberg. Am 28. Oktober trifft das Team auf vier deutsche Anbieter, darunter Fuzzware für Fuzzing-Tests und Squr für KI-gestützte Pentests. Außerdem geht es um Compliance für den Cyber Resilience Act, etwa mit automatisierten SBOMs, und um einen SOC-as-a-Service für kleinere und mittlere Unternehmen. Die Bewerbungen zeigen deutlich, dass KI-gestützte Cybersecurity-Produkte in der Breite an Fahrt gewinnen.

Der Start-up-Wettbewerb Athene Startup Award Up26@it-sa führt am 28. Oktober fünf Teams in Nürnberg zusammen, darunter mit Blindsight ein Unternehmen aus Zürich, das sich auf die Absicherung von KI-Systemen im Unternehmensalltag spezialisiert hat. Blindsight gehört zu den fünf Finalisten, die aus den Bewerbungen ausgewählt wurden; bereits am 22. September haben die Teams ihre Lösungen auf der Onlineplattform IT-SA 365 vorgestellt. Inhaltlich spannt das Feld einen breiten Bogen von KI-Sicherheit über automatisierte Sicherheitstests bis hin zur organisatorischen Umsetzung des Cyber Resilience Act.
Blindsight adressiert dabei ein Risiko, das in klassischen Security-Setups oft erst spät sichtbar wird: Wenn ein Modell mit manipulierten Trainingsdaten oder schädlichen Eingaben arbeitet, kann sich das Verhalten systematisch in die falsche Richtung verschieben. Die Plattform setzt nach Angaben der Veranstalter genau an solchen Angriffsmustern und an den Folgen menschlicher Fehler sowie an Modellverschlechterungen an. Besonders relevant ist außerdem der Fokus auf sogenannte Schatten-KI, also KI-Anwendungen, die in Unternehmen laufen, ohne offiziell freigegeben zu sein; gerade hier entstehen in der Praxis Lücken zwischen Tool-Nutzung, Datenflüssen und Sicherheitskontrollen. Technisch bedeutet das, dass Überwachung und Absicherung nicht erst beim Modelltraining beginnen, sondern auch dort greifen müssen, wo neue Prompting-Varianten, Datenquellen oder Pipelines im laufenden Betrieb auftauchen.
Während Blindsight auf KI-Systeme zielt, geht Fuzzware aus Bochum mit einer sehr konkreten Prüftechnik vor: Fuzzing. Dabei konfrontiert die Testsoftware ein Zielsystem automatisiert mit ungewöhnlichen oder fehlerhaften Eingaben, um Schwachstellen aufzuspüren, die bei regulären Nutzungsdaten verborgen bleiben. Besonders eingebettete Software – etwa in Maschinen oder Geräten – profitiert von diesem Ansatz, weil solche Systeme selten mit dem gleichen Maß an Testabdeckung betrieben werden wie klassische Serveranwendungen. In der Wettbewerbslinie passt Fuzzware damit in einen Trend, bei dem Sicherheitstests stärker datengetrieben und automatisiert werden, statt sich auf manuelle Checks zu verlassen.
Squr aus Weingarten bringt den nächsten Schritt in diese Automatisierungslogik: Eine KI-gestützte Pentest-Software durchsucht Unternehmensnetzwerke nach Schwachstellen und bewertet die gefundenen Befunde. Auffällig ist dabei die angestrebte Geschwindigkeit: Laut Veranstaltern sollen Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Für Unternehmen ist das nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern eine operative: Wenn Scans schneller liefern, lassen sich Prioritäten und Remediation-Zyklen enger takten. Gleichzeitig verschiebt sich damit auch die Erwartung an die Qualität der Berichte – also daran, wie gut die Lösung Risiken einordnet und ob sie mit nachvollziehbaren Pfaden zu behebaren Ursachen arbeitet.
Mit Complioty aus München tritt ein Team an, das die Regulierungsebene in die Technik übersetzt. Die Software richtet sich an Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau, die Anforderungen des europäischen Cyber Resilience Act (CRA) erfüllen müssen. Laut Veranstaltern erstellt sie unter anderem automatisiert eine Software Bill of Materials (SBOM), also ein Verzeichnis der in einem Produkt enthaltenen Softwarekomponenten, und überwacht diese Komponenten fortlaufend auf Schwachstellen. Das ist in der Praxis entscheidend, weil viele Sicherheitsprogramme scheitern, sobald die Frage nach “welche Version steckt wirklich in welchem Produkt” nicht mehr zuverlässig beantwortet werden kann. Redcastle aus Heubach ergänzt das Bild schließlich mit einem Security Operations Center als Dienstleistung: Der Service analysiert die Angriffsfläche, bewertet Risiken mithilfe von KI und liefert Handlungsempfehlungen, mit besonderem Fokus auf kleinere und mittlere Unternehmen, die intern oft nicht über ein voll ausgestattetes SOC-Team verfügen.
Dass die Veranstalter für die diesjährige Ausgabe von mehr Bewerbungen als je zuvor sprechen und zugleich auffällig viele neue KI-basierte Cybersecurity-Produkte nennen, ist vor allem als Marktindikator zu lesen: KI wandert von der Forschung in konkrete Sicherheitsprozesse, allerdings nicht als einzelnes Feature, sondern als Bestandteil unterschiedlicher Rollen in der Wertschöpfung. Blindsight versucht, KI-spezifische Angriffswege in den Griff zu bekommen; Squr und Redcastle setzen auf Automatisierung und KI-gestützte Bewertung; Fuzzware zeigt, dass bewährte Testmethoden parallel weiter ausgebaut werden. Für Entscheider bedeutet das, dass sich Tool-Auswahl und Betriebsmodelle stärker verzahnen: Wer Ergebnisse erhalten will, braucht zugleich klare Zuständigkeiten für Remediation, saubere Datenquellen für die Tests und eine nachvollziehbare Dokumentation, etwa über SBOMs.
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