PECAN ISLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Bernstein veranschlagt die Kosten für ein eigenständiges terrestrisches Mobilfunknetz von SpaceX inklusive Spektrum auf 50 bis 130 Milliarden US-Dollar. Ohne Spektrum lägen die Analysten bei 15 bis 80 Milliarden US-Dollar und rechnen dafür mit etwa 30.000 bis 120.000 Makro-Standorten. Entscheidend seien zwei Hebel: die gewünschte Netzqualität im Wettbewerb und ein möglicher Erwerb von 10 MHz Low-Band-Spektrum. Parallel plant SpaceX einen mehrere hundert Milliarden schweren Ausbau seiner Startinfrastruktur, der den Zeitplan für 2027 bis 2029 weiter prägt.

Die Diskussion um ein mögliches terrestrisches Mobilfunknetz von SpaceX bekommt durch eine Kostenanalyse frischen Druck. Die Analysten von Bernstein rechnen für das Direct-to-Device-Geschäft damit, dass ein eigenständiges Netz in Summe auf 50 bis 130 Milliarden US-Dollar kommen kann – gerechnet ist dabei ausdrücklich auch Spektrum. Dieser Punkt ist für die Bewertung zentral, weil Spektrum nicht nur „zusätzliche“ Kosten sind, sondern die Reichweite, Kapazität und damit die Anzahl der benötigten Funkstandorte stark beeinflussen. Gleichzeitig bleibt Bernstein insgesamt optimistisch für die SpaceX-Aktie, stuft das Mobilfunkprojekt aber als besonders anspruchsvoll ein.
Technisch betrachtet lässt sich das Setup als Kombination aus Satellitenabdeckung und einem irdischen Funkzugang interpretieren: Sobald Endgeräte „direct to device“ direkt über Funkdienste angebunden werden sollen, wird die Netzarchitektur zur Voraussetzung, um Latenz, Datenraten und gleichmäßige Versorgung zu erreichen. Bernstein ordnet die Projektrechnung deshalb in mehrere Szenarien ein – von einem vergleichsweise begrenzten Metro-Netz, das rund 70 Prozent der Bevölkerung abdeckt, bis hin zu einem Premium-Netz, das mit etablierten Telekom-Anbietern mithalten könnte. Als Basisfall nennt das Haus ein nationales Szenario inklusive Grain-Spektrum, geschätzt auf etwa 70 Milliarden US-Dollar und rund 57.000 Makro-Standorte über ungefähr acht Jahre.
Der Kostenhebel Spektrum wird dabei im Bericht sehr konkret. Laut der Modelllogik können die Spektrumkosten die Standortzahl senken: Ein Erwerb des bei Grain verwalteten Spektrums könne die benötigte Anzahl an Standorten um etwa 30 Prozent reduzieren. Ohne Spektrum taxieren die Analysten den Aufbau dagegen auf rund 15 bis 80 Milliarden US-Dollar – das entspricht etwa 30.000 bis 120.000 Makro-Standorten. Damit wird sichtbar, warum die Debatte um Frequenzen in den USA so strategisch ist: Wer ausreichend Low-Band-Spektrum im passenden Umfang bekommt, kann Funkreichweite pro Standort erhöhen und damit die „Geografie-Kosten“ des Netzes glätten.
Parallel zur Rechenarbeit spielt die tatsächliche Marktsituation eine Rolle, denn Spektrum ist eng reguliert und wird in Auktionen oder Zuteilungsrunden entschieden. Bloomberg hatte zuvor berichtet, SpaceX und AST SpaceMobile stünden als potenzielle Bieter für begehrte Frequenzen im Niedrigfrequenzbereich in Gesprächen. Elon Musk widersprach dieser Darstellung jedoch öffentlich auf X und bezeichnete sie als „nicht wahr“. Bernstein schließt einen Spektrum-Erwerb dennoch nicht aus; als Vergleich nennt das Analystenhaus, dass auch AST SpaceMobile Interesse signalisiert habe und im August eine befristete 30-tägige Sondergenehmigung der US-Regulierungsbehörde FCC erhalten habe. In der Konsequenz richtet sich die zentrale Unsicherheit weniger auf die Grundidee als auf die Ausgestaltung: Wie aggressiv will SpaceX bei Netzqualität und Abdeckung gegen etablierte Carrier konkurrieren, und wird Grain-Low-Band-Spektrum Teil des Plans?
Unabhängig vom Ausgang bleibt für Bernstein eine Partnerschaft das wahrscheinlichste Ergebnis für das Mobilfunkgeschäft von SpaceX. Diese Einschätzung passt zur Logik von Unternehmensrisiken: Ein vollständiger, eigenständiger Ausbau erfordert nicht nur Funkstandorte, sondern auch ein Betriebskonzept, das mit Industriestandards für Wartung, Kapazitätsplanung und Abrechnungsschienen kompatibel ist. Genau deshalb markiert Bernstein das Direct-to-Device-Geschäft als schwierigstes Feld. Gleichzeitig deutet SpaceX laut Darstellung weiterhin an, dass ein terrestrischer Netzausbau grundsätzlich möglich bleibt – was die Modellbandbreite erklärt. Investoren schauen damit weniger auf die Frage „ob“, sondern auf den Zeitpfad und die technische Zieldefinition, die entscheidet, ob ein Konsortium- oder ein Full-Stack-Ansatz realistisch wird.
Während diese Mobilfunkoption bewertet wird, treibt SpaceX parallel den Ausbau der eigenen Startinfrastruktur voran. Das Unternehmen kündigte den Bau eines rund 100 Milliarden US-Dollar teuren Startkomplexes namens Starbase Louisiana an, der auf Pecan Island entstehen soll und als viertes und größtes Startgelände gelten dürfte. Nach den Angaben aus dem Marktbericht soll die Bauphase 2027 beginnen, der erste Start ist für 2029 vorgesehen. Für den Betrieb plant SpaceX dort zudem Methan-Produktion für Treibstoff, Stromerzeugung und Tiefwasser-Verschiffungskapazitäten ein; zugleich wird berichtet, dass große Teile des Landes als Feuchtgebiet erhalten bleiben sollen. Damit werden zwei Entwicklungsstränge gleichzeitig sichtbar: Funknetze, die Kapazität und Abdeckung skalieren müssen, und Produktions- sowie Startkapazitäten, die den Takt der Mobile-V2-Satellitenkonstellation stützen sollen.
Auch die Kapitalplanung stützt das Bild einer intensiven Investitionsphase. Laut Analystenschätzungen, die in Marktberichten aufgegriffen wurden, könnte SpaceX 2027 und 2028 Investitionsausgaben von 200 Milliarden US-Dollar oder mehr erreichen; im zweiten Quartal 2026 sollen die Investitionsausgaben mit 18,4 Milliarden US-Dollar deutlich über einem genannten Richtwert von rund 6 Milliarden US-Dollar gelegen haben. Der Konsens zur SpaceX-Aktie wird dabei als „Moderate Buy“ beschrieben, basierend auf einem Mix aus 24 „Buy“-Einstufungen, fünf „Hold“ und drei „Sell“ sowie einem mittleren Kursziel von 232,35 US-Dollar. Für Unternehmen und Technologiepartner bedeutet das: Wer an SpaceX-Lieferketten, Betriebssoftware oder Funkkomponenten mitarbeitet, muss sich auf mehrere Ergebnispfade einstellen – sowohl auf Partnerschaftsszenarien im Netzaufbau als auch auf den Fall, dass ein eigener terrestrischer Ausbau doch mehr Gewicht erhält.
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