WÜRZBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Eye-Able stellt die Weichen für die nächste internationale Wachstumsphase und ernennt Oliver Berchtold mit Wirkung zum 1. September 2026 zum CEO. Gleichzeitig übernimmt Harald Holberg ab Juli 2026 die Rolle des Chief Financial Officer (CFO). Das Unternehmen nennt mehr als 5.000 Kunden in über zehn Ländern als Basis und erweitert parallel seine KI-Initiativen für agentic Accessibility Testing. Neu ist ein Eye-Able AI Testing Modul, das zusätzliche EAA-relevante Prüfschritte stärker automatisiert.

Eye-Able, Europas Plattform für digitale Barrierefreiheit, setzt zur Internationalisierung auf ein Führungsteam mit Skalierungserfahrung: Oliver Berchtold wird mit Wirkung zum 1. September 2026 neuer CEO, während Harald Holberg seit Juli 2026 als Chief Financial Officer (CFO) agiert. Der Wechsel kommt nicht überraschend, sondern trifft einen Markt, in dem sich technische Anforderungen und wirtschaftlicher Druck gleichzeitig verdichten. Hintergrund ist der European Accessibility Act (EAA), der Unternehmen dazu zwingt, digitale Angebote systematisch zu prüfen und dauerhaft barrierefrei zu gestalten. Genau in dieser Phase will Eye-Able seine Wachstumsstrategie personell und produktseitig beschleunigen.
Berchtold bringt laut Unternehmensangaben eine lange Laufbahn im Software- und Cloud-Umfeld mit: Er war zuletzt Chief Operating Officer (COO) und Vorstandsmitglied bei SoftwareOne, wo er das globale Service- und Delivery-Geschäft mit über 6.000 Mitarbeitenden in mehr als 70 Ländern verantwortete und mehrere Zukäufe in die Organisation integrierte. Diese Art von operativer Führung ist im B2B-Softwaregeschäft entscheidend, weil sie den Takt vorgibt, mit dem Support, Implementierungsteams und Produktentwicklung zusammenspielen. Die Verbindung zu Eye-Able reicht zudem mehrere Jahre zurück, da beide Organisationen seit Langem eng zusammenarbeiten. Für Eye-Able bedeutet das: Skalierung soll künftig nicht nur über mehr Kundenzugänge laufen, sondern über Prozessstabilität in der Leistungserbringung.
Die Marktzusicherung stützt Eye-Able auf Zahlen, die in der Kommunikation bewusst breit angelegt sind: Über 5.000 Kunden in mehr als zehn Ländern bilden die Basis; als Beispiele werden unter anderem Ergo, HypoVereinsbank, Schüco und Tchibo genannt. Das Unternehmen ist bereits mit eigenen Teams in mehreren europäischen Ländern vertreten, darunter Frankreich, Italien, Polen, Spanien, die Niederlande, Großbritannien sowie die Nordics. Gleichzeitig argumentiert Eye-Able, dass der Bedarf an digitaler Barrierefreiheit nicht erst mit der Regulierung entsteht: In der EU leben laut Europäischer Kommission rund 25% mit einer Behinderung, und die demografische Entwicklung vergrößert den Anteil von Menschen mit eingeschränktem Seh-, Hör- oder Bewegungsvermögen. Damit entsteht eine Produktkategorie, die in dieser Breite vor einigen Jahren so noch nicht existierte.
Technisch verknüpft Eye-Able die nächste Führungs-Ebene mit einer konkreten Ausbaustufe seiner KI-Strategie. In den vergangenen Monaten hat das Unternehmen seine KI-Initiativen im Bereich agentic Accessibility Testing weiter ausgebaut und eine neue Produktlinie veröffentlicht: Mit dem Eye-Able AI Testing Modul lassen sich demnach deutlich mehr EAA-relevante Prüfschritte automatisiert durchführen, die zuvor hauptsächlich durch manuelle Prüfungen abgedeckt wurden. Für Anwender ist das vor allem deshalb relevant, weil Barrierefreiheitsprüfungen in der Praxis selten bei einem Einzelschritt enden: Teams müssen Screens, Formulare, Navigation, Inhalte und Assistenzfunktionen wiederholt über Produktversionen hinweg testen. Je mehr diese Prüfungen automatisierbar sind, desto eher lassen sich Regressionen erkennen, ohne dass man gleichzeitig den Zeit- und Personalaufwand linear hochzieht.
Unternehmensseitig ordnet Eye-Able den KI-Ausbau auch als Kontinuität zu Berchtolds früherer Tätigkeit ein: Er habe bei SoftwareOne ähnliche Initiativen gesteuert, heißt es in der Mitteilung. Das passt zur Logik von KI-gestütztem Testen: Nicht jedes Problem wird „einfach“ erkannt, aber ein KI-System kann Muster in UI-Strukturen, Textflüssen oder Interaktionslogik schneller priorisieren und damit menschliche Prüfexpertise gezielter einsetzen. Genau hier kann agentic Accessibility Testing ansetzen, indem es Testfälle eigenständig orchestriert und Prüfschritte so bündelt, dass sie konsistent in Workflows integrierbar bleiben. Eye-Able formuliert außerdem den Anspruch, die Plattform nicht nur in Europa zu dominieren, sondern ein skalierbares Modell in weitere Regionen zu übertragen.
Holberg wiederum übernimmt als CFO die Finanzen und soll laut Angaben über 20 Jahre Erfahrung im B2B-Software- und SaaS-Mittelstand einbringen, darunter mehr als zehn Jahre mit Private-Equity-Finanzierung, Upscaling- und Internationalisierungsschwerpunkten sowie mehreren erfolgreichen Exits. Auch wenn die operativen Details im Text nicht weiter spezifiziert werden, ist die Signalwirkung klar: Für die internationale Expansion braucht ein wachsendes Unternehmen Planungssicherheit in Cashflow, Vertragsmodell und Margensteuerung, gerade wenn zusätzlich Produktentwicklung und Automatisierungsvorhaben wie das neue KI-Testing Modul parallel vorangetrieben werden. Ergänzend ordnen Investoren die Personalie als konsequenten Schritt der Wachstumsstrategie ein. Die Aussagen von Chris Schmidt, Oliver Berchtold sowie den genannten Investoren und Board Membern rahmen dabei weniger eine einzelne Akquisition ein, sondern ein strukturiertes Weiterdrehen des Wachstumskurses.
Für die Branche ergibt sich daraus ein doppelter Effekt: Einerseits steigt der Bedarf an verlässlichen Audit-, Monitoring- und Assistenz-Workflows rund um EAA, BFSG und WCAG; andererseits verschiebt sich der Wettbewerb hin zu Unternehmen, die Automatisierung in der Prüfung nachweisbar vorantreiben können. Eye-Able betont, dass die Plattform Lösungen für Audits, Überwachung, Assistenz, Sprachvereinfachung und Übersetzung liefert. Mit Berchtold als CEO und Holberg als CFO wird diese Produktvision in eine Organisationsform überführt, die international wachsen kann, ohne die Qualität in der Barrierefreiheitsbewertung zu verwässern. Entscheidender Punkt wird sein, wie schnell sich automatisierte EAA-Prüfschritte in den Alltag integrieren lassen und wie stabil die Ergebnisse über Versionen hinweg bleiben.
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