LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Navy legt neue Spezifikationen für ihr künftiges carrier-basiertes „Combat Collaborative Aircraft“ (CCA) fest. In einer Request for Information verlangt sie unter anderem eine Waffen-Nutzlast von bis zu 5 Tonnen sowie einen Zielpreis von maximal 30 Millionen US-Dollar pro Einheit. Bis zum 18. September sollen Unternehmen Antworten liefern und dabei Reichweite, Einsatzzeiten sowie Anforderungen für Katapultstarts und das Anhalten an Bord einplanen. Außerdem soll die Steuerung über das MD-5 Unmanned Carrier Aviation Mission Control System erfolgen.

US-Navy fordert CCA-Drohnen mit 5-Tonnen-Nutzlast und Katapult-/Areszt-Landing-Fähigkeit
US-Navy fordert CCA-Drohnen mit 5-Tonnen-Nutzlast und Katapult-/Areszt-Landing-Fähigkeit (Foto: IT BOLTWISE)
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Die US-Navy treibt die nächste Phase ihres Programms für „Combat Collaborative Aircraft“ (CCA) voran: Mit einer am 31. August veröffentlichten Request for Information konkretisiert der Dienst, wie künftige, autonomen Rollen fähige Träger-Drohnen in bereits existierende Einsatzabläufe passen sollen. Auffällig ist dabei weniger der Begriff „Collaborative“ als die harte Auslegung auf Trägerintegration. Die Navy macht klar, dass es nicht um ein isoliertes Demonstrator-Problem geht, sondern um ein System, das innerhalb eines engen Zeitfensters für die Katapult- und Bergungslogik moderner Träger qualifiziert werden soll.

Im Kern nennt die RFI mehrere Kennziffern, die gleichzeitig technische Leistungsfähigkeit und industrielle Machbarkeit abprüfen sollen. So fordert der Dienst eine Fähigkeit, bis zu 5 Tonnen Waffen zu tragen, ohne den Zielpreis für eine Einheit aus den Augen zu verlieren: Unternehmen sollen in ihren Antworten die affordability goals bis zu 30 Millionen US-Dollar pro CCA adressieren. Zusätzlich nennt die RFI eine Antwortfrist bis zum 18. September und bittet um ein konkretes Leistungsprofil inklusive „maximum combat radius“, Waffenlast-Setup, 30 Minuten Stationierungszeit sowie Reservekraftstoff für eine sichere Rückkehr. Gerade diese Kombination zwingt Anbieter, Reichweite nicht als Werthülse zu behandeln, sondern als durchgängige Systembilanz aus Aerodynamik, Antriebswahl, Zuladung, Missionsprofilen und Betriebsfenstern.

Auch die Detailtiefe für die Waffenintegration ist hoch: Laut RFI sollen mögliche CCA-Designs in der Lage sein, „four weapons up to 2,500 pounds each externally“ durch das gesamte Ziel-Flugfenster zu tragen – einschließlich der carrier certification flights. Daraus ergibt sich ein technischer Schwerpunkt auf struktureller Auslegung und Lastpfaden. Außenlasten beeinflussen nicht nur Gewicht und Schwerpunktlage, sondern auch Schwingungsverhalten, thermische Randbedingungen und die aerodynamische Stabilität in allen relevanten Geschwindigkeitsbereichen. Gleichzeitig spielt die Frage der Sensorik und Navigation im Zusammenspiel mit diesen externen Konfigurationen eine Rolle, weil die CCA im späteren Betrieb in riskanten Zonen operieren soll, in denen menschliche Piloten stärker gefährdet sind.

Die Anforderungen bleiben zudem deutlich „träger-nativ“. Die Navy beschreibt, dass die Prototypen innerhalb der nächsten drei Jahre shore-based sowie für die Qualifikation an einem Flugzeugträger ausgerüstet werden sollen. Dabei geht es explizit um „extended range and payload capacity“, aber ebenso um das Minimieren des Deck-Fußabdrucks und um die Integration in bestehende CVN-Infrastruktur. Für den Betrieb nennt die RFI u. a. Katapultstarts und „arrested landings“ bis zur Sea State 5 – also bis zu Wellenhöhen von etwa 13 Fuß. Damit werden neben dem Flugprofil auch Bodenschnittstellen wie Verzögerungssysteme, gebaute Toleranzen, Handhabungsabläufe und die nötige Robustheit gegen Betriebsumgebungen konkret messbar.

Parallel zur physischen Integration adressiert die Navy das Zusammenspiel der CCA mit vorhandenen Einheiten und Steuerketten. Die Drohnen sollen über das MD-5 Unmanned Carrier Aviation Mission Control System kontrolliert werden, das bereits für die MQ-25 Stingray dient. Außerdem sollen die Operationen mit den bestehenden Personalstrukturen des Carrier Air Wing durchgeführt werden. Die RFI legt ferner fest, dass physische Schwellenwerte für Abmessungen, Höhe, Breite und Gewicht die Deck-, Elevator- und Hangar-Bedingungen erfüllen müssen. Der „drone spot factor“ – also wie viel Platz die Drohne auf Deck und im Hangar benötigt – darf den von „fourth generation fighter aircraft“ nicht überschreiten. Damit verschiebt sich das Engineering-Ziel von „funktioniert im Prinzip“ hin zu „passt in ein reales Flotten-Layout“.

In der Systemarchitektur deutet die Ausschreibung außerdem einen Weg an, auf dem die CCA in Gruppen- oder Multi-Aircraft-Strike-ähnliche Szenarien wirken kann, einschließlich einzelner und koordinierter Angriffsmissionsformen. Die Navy zielt darauf, dass diese unbemannten Plattformen „manned carrier aircraft“ im Verbund unterstützen und Aufgaben in umkämpften Lufträumen übernehmen, in denen das Risiko für Piloten steigt. In der Logik der RFI steht dabei auch die ökonomische Dimension: Der Dienst argumentiert, CCA könnten helfen, Verluste traditioneller Waffenträger abzufedern, weil der Ersatz bemannter Plattformen und bestimmter Oberflächenkampfschiffe typischerweise mit hohen Kosten und langen Beschaffungs- bzw. Einsatzzeiträumen verbunden ist.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Preisentwicklung als technischer Treiber. 2024 hatte die Navy laut den zitierten Passagen bereits die Idee betont, eine CCA als „expendable“ zu denken und deshalb die Kosten auf rund 15 Millionen US-Dollar pro Stück zu senken. Die neue RFI verlangt jedoch eine Zwischenstrategie: Unternehmen sollen einen Interim-Plan für Fertigung und Lieferkette vorlegen, um die Navy-Erreichbarkeit der 30-Millionen-US-Dollar-Grenze je Einheit zu unterstützen. Das ist für Anbieter ein Signal, dass das Programm nicht nur eine Luftfahrthardware bewertet, sondern auch die Supply-Chain-Reife und die Fähigkeit, in kurzer Zeit von Prototypbau zu einer skalierbaren Serienfertigung zu kommen.

Für die Markt- und Entwicklungsperspektive bedeutet das: Selbst wenn spätere Designvarianten visuell an kompakteren Stealth-Jägern angelehnt sein können, wie konzeptionelle Bilder nahelegen, entscheidet am Ende die Schnittstelle zwischen Flugleistung, Trägerbetrieb und Stückkosten. Unternehmen, die „deck handling system“-Alternativen vorschlagen sollen, die auch während EMCON-Bedingungen (also im Notfallbetrieb mit strengen Emissionskontrollen) die Launch-, Recovery- und Deck-Operationen abdecken, müssen nicht nur Mechanik und Software, sondern auch Betriebsprozesse durchdenken. Genau hier liegt die operative Relevanz: Eine CCA ist nur dann ein „Collaborative Combat“-Element, wenn sie in der Praxis wiederholt, sicher und mit überschaubarem Deckpersonal einsetzbar bleibt.


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