DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Dax gibt zum Monatsstart weiter nach und schließt mit 25.970 Punkten unter der 26.000er-Marke. Steigende Renditen bei deutschen Staatsanleihen sowie erneut anziehende Öl- und Gaspreise verstärken den Druck auf die Kurse. Parallel häufen sich Signale aus der Euro-Inflation, die eine baldige EZB-Zinswende wahrscheinlicher machen. Für Anleger wird damit der September-Fahrplan am Markt deutlich spannender als der bisherige Optimismus.

Zum Monatswechsel hat der deutsche Leitindex seine Abwärtsbewegung nach dem jüngsten Rekordhoch fortgesetzt und die psychologisch wichtige 26.000er-Marke unterschritten. Zum Handelsende lag der Dax bei 25.970 Punkten und damit 1,1 Prozent im Minus. Damit verfehlte der Index nicht nur eine zentrale Kurszone, auch die 21-Tage-Linie wurde gerissen: Sie verläuft derzeit bei 26.243 Punkten und wurde zuletzt im Juli unterschritten. Dass der Tagesverlust zuletzt so deutlich ausfiel, wie im Bericht mit dem 23. Juli als zeitliche Referenz genannt wird, zeigt, wie schnell sich die Stimmung am deutschen Aktienmarkt drehen kann, wenn mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig zuschlagen.
Technisch und in der kurzfristigen Betrachtung wirkt vor allem die Kombination aus Trendbruch und nachlassender Kaufbereitschaft. Der Dax schloss bereits am Vortag mit 26.258 Punkten 1,2 Prozent tiefer, und der erneute Rückschlag macht den kurzfristigen Aufwärtstrend angreifbar. Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners ordnete den Move in den saisonalen Kontext ein und sagte: „In den letzten sechs Jahren entwickelte sich der Dax im September nur ein einziges Mal positiv.“ Gleichzeitig relativierte er den Blick auf die konkrete Ausgangslage, weil der August im Durchschnitt ebenfalls eher schwach verlief. Auch wenn solche Muster keine Garantie sind, liefern sie ein Signal dafür, dass viele Marktteilnehmer im September strukturell defensiver agieren.
Während die Chartperspektive also kurzfristige Risiken betont, kommt das Tempo aus dem Makro-Teil des Handels. Steigende Zinsen am Anleihemarkt treffen Aktien häufig doppelt: zum einen über höhere Diskontierungsraten für zukünftige Gewinne, zum anderen, weil Anleger Kapital aus risikoärmeren in renditeorientierte Anlagen umschichten. Der Bericht nennt dafür konkrete Effekte: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg um 1,1 Prozent, ebenso die Rendite der zweijährigen Anleihe, die besonders empfindlich auf Änderungen der Zinserwartungen reagiert. Hinzu kommt, dass der steigende Ölpreis die Inflationsfantasie wieder anhebt und damit die Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren Geldpolitik verstärkt. Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, fasst das als Belastung beider Seiten zusammen: „Deutschland wird doppelt getroffen, da die Renditen ungleich zu den USA auch am langen Ende ruckartig steigen.“
Der Energiekomplex spielt dabei eine klare Rolle. Die Wiederaufnahme der Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran schürt Sorgen vor Lieferunterbrechungen und hat die Rohstoffseite erneut nach oben getrieben. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Abend um 4,8 Prozent auf 92,60 Dollar je Barrel; US-Leichtöl WTI stieg zur Lieferung im Oktober um bis zu 3,0 Prozent auf 88,35 Dollar. In Europa zogen auch die Gaspreise weiter an; der europäische Gas-Future erreichte laut Bericht in der Spitze den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Seit Anfang August liegen die Preise demnach bereits mehr als 20 Prozent höher. Dass diese Preisimpulse nicht bei der Rohstoffbörse enden, sondern über erwartete Energie- und Transportkosten in die Inflationsrechnung hineinwirken, wird durch die anschließende makroökonomische Einordnung im Artikel deutlich.
Politisch und geostrategisch kommt zusätzlicher Druck dazu: US-Präsident Donald Trump hatte am Montag weitere Angriffe auf den Iran angedroht, nachdem es am Sonntag zum ersten direkten Schlagabtausch zwischen den beiden Ländern seit einem Monat gekommen war. Den Bericht zufolge rücke damit „die Möglichkeit einer iranischen Vergeltung“ wieder stärker in den Fokus; Tim Waterer, KCM-Marktanalyst, formulierte dazu: „Dies rückt die Möglichkeit einer iranischen Vergeltung wieder in den Vordergrund.“ Daraus leitet der Artikel ein erhöhtes Risiko für Schocks an der Energieinfrastruktur rund um den Persischen Golf ab. Für Investoren ist das deshalb relevant, weil der Markt bei Energiepreissprüngen häufig nicht nur mit höheren Spot-Preisen rechnet, sondern auch mit einer länger anhaltenden Inflationskomponente, die die Zinserwartungen nach oben korrigiert.
Damit schaltet der Artikel nahtlos auf das Zinsthema über und ordnet es durch die aktuelle Inflationsentwicklung im Euro-Raum ein. Die Verbraucherpreise stiegen im August um 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli, wie das EU-Statistikamt auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Besonders Energie blieb dabei der Preistreiber; gleichzeitig nahm der Preisdruck bei Dienstleistungen ab, wodurch die Kerninflation leicht zurückging auf 2,4 Prozent. Der nächste Zinsentscheidungstermin der EZB ist laut Bericht eine Sitzung am 10. September in Berlin. Für die Märkte wird außerdem eine Erhöhung des Einlagensatzes auf 2,50 Prozent erwartet. In Summe verschiebt sich damit das Kräfteverhältnis an der Börse: Wenn Inflation nicht schnell genug nachlässt, können Bewertungsmultiples unter Druck geraten, selbst wenn die Unternehmensseite operativ keine Einbrüche zeigt.
Auch der Marktstart lieferte zusätzliche negative Impulse: Vor Handelsbeginn meldete der Bericht einen unerwarteten Umsatzrückgang im deutschen Einzelhandel im Juli. Bereinigt um Preissteigerungen sanken die Erlöse um 3,4 Prozent im Monatsvergleich; Analysten hatten im Schnitt dagegen einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet. Bei den Einzelwerten zeigt sich parallel, wie unterschiedlich der Einfluss von Makro-Nachrichten auf Branchen wirken kann: Merck profitierten von einer Hochstufung durch HSBC und legten rund 0,5 Prozent zu. Siemens Energy fiel hingegen zeitweise um bis zu zwei Prozent und erreichte damit den tiefsten Stand seit Mitte August; als Hintergrund wird ein Bericht über mögliche Gasturbinen-Komponenten genannt, bei dem Elon Musk mit SpaceX in Verbindung gebracht wird. RWE konnte dagegen mit Analystenkommentaren auf den höchsten Stand seit vier Monaten steigen; charttechnisch wird dabei die Zone zwischen etwa 54 und 60 Euro als Konsolidierungsbereich beschrieben, aus der ein Ausbruch möglich erscheint. Insgesamt bleibt die Botschaft: Der Dax wird kurzfristig weniger von Einzelnachrichten als von der Zins- und Energieübertragung auf die Bewertung getrieben, und in solchen Phasen ist selbst eine „gute Stimmung“ nur schwer gegen den Zinskanal zu immunisieren.
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