LONDON (IT BOLTWISE) – Der September 2026 bringt eine klare astronomische Zäsur: Am 23. September beginnt der kalendarische Herbst, und gleichzeitig verschiebt sich der Blick vom sommerlichen Sternbildhimmel zu den Herbstkonstellationen. Besonders sichtbar ist der Abschied der Venus als Abendstern im Westen. Mars baut seine Sichtbarkeit am Morgenhimmel aus, während Saturn seine Oppositionsstellung erreicht und dadurch die Nacht über präsent bleibt. Dazu kommen klare Hinweise, welche Sterneketten sich für die Orientierung lohnen und warum der Monat für Sternschnuppenfans eher durchwachsen ausfällt.

Im September 2026 wird der Himmel nicht über Nacht “umgeschaltet”, aber die Veränderung ist messbar spürbar: Der Tag wird wieder kürzer als die Nacht, und damit wandern die Beobachtungsfenster für bekannte Sommerfelder nach hinten. Für den offiziellen Kalender ist der Stichtag eindeutig, denn die Tagundnachtgleiche liegt erst am 23. September um 2:05 MESZ. Ab diesem Moment steht die Nordhalbkugel der Erde rechnerisch wieder mehr im Zeichen der Nachtlänge, was sich am Sternenhimmel besonders um die Tag- und Nachtgleiche herum deutlich bemerkbar macht.
Mit dem Wechsel der Jahreszeit verschieben sich auch die Planetenrollen. Venus, die im Laufe des Monats noch als Abendstern im Westen sichtbar bleibt, geht am Septemberanfang bereits spürbar in Richtung “Ausblick”: Am 19. September steht sie im größten Glanz, doch schon danach wird sie am Abendhimmel schneller kürzer – zum Monatsende ist sie dann praktisch nicht mehr beobachtbar. Der Saturn soll dagegen eher als Kontrastfiguraten im Herbst angekommen sein: Der Ringplanet erreicht am 21. September in den Fischen seine Oppositionsstellung zur Sonne und ist damit die ganze Nacht über zu sehen. Seine Helligkeit fällt allerdings in diesem Jahr mit nur 0,6 Magnituden vergleichsweise moderat aus, ein Effekt, der sich mit der für die Ringhelligkeit ungünstigen Stellung der Ringe erklären lässt.
Auch bei den “Morgenplaneten” ist Bewegung drin. Mars baut seine Sichtbarkeit am Morgenhimmel weiter aus und befindet sich dabei im Sternbild Zwillinge. Jupiter bleibt ebenfalls am Morgenhimmel präsent und wandert dort durch Krebs und Löwe. Im Zusammenspiel ergibt sich für frühe Beobachtungszeiten ein praktisches Muster: Wer am frühen Morgen einen Blick nach Osten wirft, findet nahe der schmalen Mondsichel am 9. September 2026 zunächst Jupiter, während etwas südlicher und höher Mars steht. Solche konkreten Konstellationen sind in der Praxis Gold wert, weil sie die Navigation im Aufstieg über den Horizont erleichtern, gerade wenn man nicht jeden Stern einzeln “suchen” möchte.
Der nördliche Herbsthimmel wird parallel zu diesen Planeten-Events immer leichter zu greifen. Das auffällige Rechteck des Pegasus dient dabei als Einstieg: Der nordöstliche Stern Sirrah (auch Alpheratz genannt) ist sogar schon Teil des Sternbilds Andromeda. Wer am Abend einen freien Blick nach Südosten hat, kann zudem Fomalhaut entdecken, auch Alpha Piscis Austrini, der im Sternbild Südlicher Fisch liegt und rund 25 Lichtjahre entfernt ist. Von dort führt eine gedankliche Linie zu Atair im Sternbild Adler, dem zwölfthellsten Stern am Nachthimmel; und genau diese Linie hilft, ein weniger dominantes Feld auszumachen, das wegen seiner Form gelegentlich als “Lächeln am Himmel” beschrieben wird: das Sternbild Steinbock.
Im Steinbock zeigt sich, wie Beobachtung mit “Hilfsstrukturen” am meisten bringt. Der Hauptstern Alpha Capricorni bildet eigentlich kein Einzelobjekt: Mit guten Augen erkennt man, dass dahinter zwei Sterne stecken. Für Beobachter mit Teleskop oder Fernrohr ist zudem das einzige Deep-Sky-Objekt im Steinbock ein klares Ziel: der Kugelsternhaufen M 30. Wer sich zusätzlich fragt, welche Konstellationen nicht nur saisonal auftauchen, sondern auch im September “konstant” verfügbar sind, bekommt mit Kepheus (Cepheus) ein Beispiel. Dieses Sternbild steht im September besonders hoch am Himmel und erinnert in seiner Form an ein Haus, dessen Spitze ungefähr auf den Himmelspol zeigt.
Spannend wird es dann bei Kepheus, weil dort mehrere “Astronomie-Fäden” zusammenlaufen. Ein Stern darin ist Delta Cephei, der Namensgeber der Cepheiden ist: pulsierende Sterne, deren regelmäßige Helligkeitsänderungen es erlauben, aus der Periode auf die absolute Helligkeit zu schließen. Kennt man diese, lässt sich über den Vergleich zur beobachteten Helligkeit die Entfernung bestimmen – ein methodischer Hebel, der in der Astronomie historisch wie auch praktisch extrem wichtig war. In demselben Umfeld findet sich Mu Cephei, der im Fernglas durch seine tiefrote Farbe auffällt; Sir Wilhelm Herschel nannte ihn daher auch „Granatstern“. Bei diesem Roten Riesen schwankt die Helligkeit durch Pulsationen in seiner äußeren Hülle.
Schließlich lohnt ein Abgleich mit den Meteorschwärmen, denn nicht jeder Monat liefert gleich viel “Feuerwerk”. Für Sternschnuppenfreunde wirkt der September 2026 auf den ersten Blick weniger attraktiv: Weder die Pisciden, deren Radiant aus dem Sternbild Fische zu stammen scheint, noch die Tauriden zum Monatsende mit Radiant im Stier dürften eine merklich erhöhte Aktivität auslösen. Wer also fotografiert oder visuell beobachtet, sollte den Monat eher als Gelegenheit sehen, die neue Herbstlandschaft systematisch zu erkunden, statt auf einen massiven Meteorschauer zu hoffen.
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