HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Borussia Dortmund hat den Hamburger Eimsbütteler Ballspiel Club (HEBC) in der ersten Runde des DFB-Pokals deutlich mit 5:0 besiegt. Nach der Partie bildeten sich Amateur-Fußballer und Profis zu einer gemeinsamen Ehrenrunde und stellten sich dann für ein Gruppenbild zusammen. BVB-Trainer Niko Kovac zeigte sich beeindruckt davon, was während und nach dem Spiel zu sehen gewesen sei – „in der Form“ habe er das selten erlebt. Im Volksparkstadion sorgten 45.917 Zuschauer für einen bemerkenswerten Rahmen und einen neuen Rekord für ein DFB-Pokalspiel mit einem Fünftligisten.

Der Pokalabend im Hamburger Volksparkstadion hatte einen Vorgeschmack auf etwas Besonderes, bevor überhaupt der erste Ball rollte: HEBC, der Hamburger Oberligist als Amateurvertreter im Wettbewerb, trat gegen Borussia Dortmund an – und beide Seiten nahmen das Erlebnis sichtbar ernst. Nach dem 5:0 stellte sich zunächst das Amateurteam des Hamburger Eimsbütteler Ballspiel Club (HEBC) gemeinsam mit den Profis aus Dortmund zum Gruppenbild auf. Damit wurde aus einem einzelnen K.O.-Spiel an diesem Abend ein Brückenschlag zwischen Spielklassen, Rollen und Fußballkulturen, der sich nicht in der reinen Ergebnislogik erschöpft.
„Das Ergebnis war sekundär. Ich finde, was während des Spiels abgelaufen ist beziehungsweise nach dem Spiel, das hat man in der Form selten gesehen“, sagte BVB-Trainer Niko Kovac. Der Ton war dabei nicht zufällig wohlwollend: Die Aussage stellte den Charakter der Partie in den Mittelpunkt, nicht die Dominanz der Dortmunder. Kovac knüpfte daran direkt an: „Deswegen freue ich mich, dass wir heute alle Zeitzeugen geworden sind.“ Für HEBC und die Dortmunder Profis war das ein seltenes Zusammentreffen, bei dem der Wettbewerb zwar sportlich eine klare Hierarchie bestätigte, aber zugleich zeigte, wie sehr Pokalabende auch von Stimmung, Respekt und gemeinsamer Erinnerung geprägt sind.
Sportlich lief es anschließend schnell in Richtung Dortmunder Torreigen. Der Sieg gegen die lange mutigen Hamburger fiel nach einem Eigentor HEBCs und Treffern von Daniel Svensson (36.), Samuele Inacio (41./45.+2) sowie Fabio Silva (59.) deutlich aus. Dass der Klassenunterschied nicht verschwinden konnte, war angesichts der Ausgangslage zu erwarten – und trotzdem blieb der Abend für beide Seiten emotional. Philipp Obloch, Trainer von HEBC, brachte das auf den Punkt: Wenn ein Amateurverein „einmal die Chance hat, DFB-Pokal zu spielen“, dann müsse man das „ungefähr so“ ausleben, wie HEBC es getan habe. Diese Perspektive erklärt, warum die Stimmung laut Bericht „großartig“ auf beiden Seiten war – selbst in einem Spiel, das früh in Richtung Lauf der Dortmunder kippte.
Auch die Kulisse trug dazu bei, dass dieser Pokalabend in die Vereins- und Stadiongeschichten eingehen wird. 45.917 Zuschauer fanden sich im Volksparkstadion ein, und damit entstand zugleich ein neuer Rekord: Noch nie gab es so viele Menschen bei einem DFB-Pokalspiel mit Beteiligung eines Fünftligisten. Für die Gastgeberseite bedeutete das mehr als nur eine volle Tribüne. Für HEBC wurde der Abend zu einem zusätzlichen „Auftritt“ auf nationaler Bühne, an dem die eigene Identität sichtbar werden konnte. Für Borussia Dortmund war es wiederum ein Test, wie sich Profifußballer in einem besonderen Umfeld verhalten – und wie sich ein Spiel in der Öffentlichkeit jenseits der Torschützenliste verankert.
Ein Detail machte die Begegnung zudem persönlich: Janek Wrede, Kapitän des HEBC-Gegners im Rahmen der Partie, arbeitete zugleich in der Scouting-Abteilung des HSV. Nach etwas mehr als einer halben Stunde eröffnete er den Dortmunder Torreigen mit einem Eigentor – und das ausgerechnet an seinem „Arbeitsplatz“, wie es im Bericht pointiert heißt. Wrede ließ die Szene nicht als Drama wirken, sondern als typische Fußballstatistik aus einer besonderen Lage: „Jedes Spiel braucht einen Dosenöffner. Ich glaube, in so einem Pokalspiel ist das ein Eigentor oder nach Standards. Und ich habe mich erbarmt, den Ball rüberzubringen“, sagte er. Dass er den Moment danach relativierte, zeigt, wie stark Pokalspiele auch die Fähigkeit erfordern, Niederlagenmomente innerhalb weniger Minuten mental einzuordnen.
Wrede betonte außerdem, dass sich der Abend nicht auf sein Missgeschick reduzieren lasse. „Unfassbare Eindrücke für jeden hier“, sagte der 33-Jährige, und er verband das direkt mit dem Publikum: Er glaube auch „für ganz viele Zuschauer“, die nicht so häufig im Volksparkstadion seien, sei es ein „Top-Abend“ gewesen. Gleichzeitig stellte er fest, dass nicht alles lief, was man sich für einen solchen Pokalabend erhofft. Viele seiner Teamkollegen hatten sich nach dem Schlusspfiff Trikots gesichert; er selbst stand zunächst in den Katakomben noch ohne eigenes Exemplar da. Auf die Frage, was ihm noch fehlt, antwortete Wrede mit einem Lachen, dass vielleicht „noch eins vom Laster“ falle – eine humorvolle Schlussnote, die zeigt, wie Pokalabende trotz Leistungsunterschieden auch wie ein Fest für Beteiligte wirken.
Für die beteiligten Vereine besitzt so eine Partie einen doppelten Wert: sportlich führt sie zwar zur Entscheidung im Wettbewerb, aber sie liefert auch organisatorische und menschliche Erfahrungen. HEBC erhält durch die Rekordkulisse und den Auftritt gegen einen Topklub einen öffentlichen Entwicklungsschub, der sich im Alltag kaum übersehen lässt. Borussia Dortmund wiederum kann sich in einer Konstellation beweisen, in der nicht nur Taktik zählt, sondern auch das professionelle Verhalten in einem „einmaligen Rahmen“, wie es Kovac mit Blick auf das Geschehen „nach dem Spiel“ beschrieben hat. Gerade diese Mischung aus deutlichem Ergebnis und hohem Erlebniswert macht den Pokal zu mehr als einem reinen Durchgang – und erklärt, warum die Erinnerung an einen Abend wie diesen noch lange nachwirkt.
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